Verkehrswende in Berlin

Prenzlauer Berg: Hier wird am Vorzeige-Projekt gespart

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Breite Radwege anstelle von 160 Parkplätzen – aber keine breiten Wege auf den alten Radstreifen: Diese Simulation für die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg zeigt mehr, als der Bezirk Pankow bezahlen kann.

Breite Radwege anstelle von 160 Parkplätzen – aber keine breiten Wege auf den alten Radstreifen: Diese Simulation für die Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg zeigt mehr, als der Bezirk Pankow bezahlen kann.

Foto: InfraVelo

Neues zur Umgestaltung der Schönhauser Allee: Nach dem Bau von Radwegen auf der Straße fehlt das Geld für ein elementares Ziel.

Berlin. Am Ende der Neugestaltung im Frühling 2023 wird mancher die Schönhauer Allee in Prenzlauer Berg kaum wiedererkennen: Neue, breite Radwege mit steinernen Schutzleisten anstelle von 160 Parkplätzen. Langgezogene Ladezonen mitten auf den Auto-Fahrbahnen. Verkehrsinseln zur sicheren Querung für Fußgänger – das sind die wesentlichen Umbau-Merkmale, die das Bezirksamt Pankow und der Senat bestätigt haben.

Doch was geschieht eigentlich im Umbaubereich zwischen den beiden Hochbahnhöfen mit den alten Radstreifen auf den Fußwegen, wenn Radfahrer ein 2,5 Meter breites Stück Straße gewidmet bekommen? Auskunft dazu verlangte nun der Pankower FDP-Abgeordnete Felix Reifschneider. Mit folgendem Ergebnis: Die alten Bürgersteig-Radstreifen sind dann zwar überflüssig. Sie bleiben aber unverändert. Zumindest so lange, bis der Bezirk Geld für den Rückbau erhält. So berichtet es Staatssekretärin Meike Niedbal in einem Bericht, den die Berliner Morgenpost vorab einsehen konnte.

Ideen zum Umbau der Streifen sind zwar vorhanden, doch der Bezirk Pankow braucht „unterschiedliche Finanzierungsquellen, die aufgrund der nicht abgeschlossenen Planung auch noch nicht beantragt und bestätigt werden konnten. Ein Zeitplan kann dementsprechend vom Bezirksamt noch nicht im Detail erarbeitet werden“, erklärt Niedbal.

Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg: Für den Fußweg-Umbau kein Geld

Damit bleiben die Radstreifen 2023 zunächst eine lehre Verkehrsfläche, bis sich Geld findet für die Umsetzung weiterer Veränderungsstufen im Projekt Schönhauser Allee. Und die sehen so aus: „Als Konzeptideen werden Entsiegelungsmaßnahmen als Baumscheibenvergrößerungen aber auch als Grünstreifen, Flächen für zusätzliche Fahrradabstellanlagen und Bänke sowie Flächen für Außengastronomie diskutiert“, lautet die Zielsetzung. Aufenthaltsqualität für Fußgänger – das ist das zweite Interesse, nachdem das erste bedient ist: Sicherheit schaffen für den Radverkehr.

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Egal, wie viel Geld die Planer beschaffen können: Fußwege und alte Radstreifen auf der breitesten Straße Prenzlauer Bergs werden wohl nie verschmelzen. „Eine Umnutzung des Radweges als Gehweg ist aufgrund der vorhandenen Trennung durch den Baumbestand nicht vorgesehen. Vielmehr soll die derzeitige Übernutzung des Gehweges durch andere Maßnahmen zum Beispiel durch Versetzung von Fahrradbügeln oder Verschiebung der Außengastronomie reduziert werden“, heißt es.

Pläne für das frühere Leuchtturm-Projekt in Prenzlauer Berg bevorzugen das Fahrrad

So könnte es allenfalls geschehen, dass Wirte Tische und Stühle auf die alten Radstreifen stellen und Radfahrer auf ihren neuen, breiten Wegen Halt machen, um an den Lokalen zu verweilen. Bei solchen Neuordnungen nach dem Radweg-Bau bleibt das Bezirksamt Pankow laut Niedbal auf sich allein gestellt. „Aufgrund von mehreren Finanzierungsquellen für die Nachnutzung, muss von einer separaten Ausführung unterschiedlicher Maßnahmen ausgegangen werden“, lautet die Prognose. Wenn es weiter geht, dann also nur in mehreren kleinen Etappen.

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„Dass jetzt nur der Radweg verlegt wird und der Rest so bleibt, ist absurd“, kritisiert FDP-Mann Reifschneider. Es gehe derzeit trotz jahrelanger Vorplanung für das einstige Leuchtturm-Projekt für Prenzlauer Berg wohl nur noch darum, „Fahrbahnmarkierungen für den Radverkehr aufzutragen, ohne zugleich den Gehweg zu erneuern“.

Pankower FDP-Abgeordneter empfiehlt Schritte zur Belebung als Einkaufsstraße

Ziel sollte es aber sein, die Schönhauser Allee als Einkaufsstraße aufzuwerten. Reifschneiders Vorschlag für eine umfassende Lösung: „Der alte Hochbordradweg muss effektiv für den Radverkehr gesperrt und umgestaltet werden mit Sitzgelegenheiten, Bäumen und Pflanzen sowie Abstellflächen für E-Scooter, Lastenräder und Fahrräder.“

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