Umbau geplatzt

„Tunnel des Grauens“ in Prenzlauer Berg bleibt offen

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Unten durch: Der Fußgängertunnel zwischen S-Bahnhof Greifswalder Straße und der zugehörigen Tram-Station in Prenzlauer Berg galt aus Sicht der BVG als überflüssig. Jetzt sagen die Verkehrsbetriebe das Gegenteil.

Unten durch: Der Fußgängertunnel zwischen S-Bahnhof Greifswalder Straße und der zugehörigen Tram-Station in Prenzlauer Berg galt aus Sicht der BVG als überflüssig. Jetzt sagen die Verkehrsbetriebe das Gegenteil.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Sinneswandel: BVG und der Senat verzichten auf die Zuschüttung des Tunnels am S-Bahnhof Greifswalder Straße – wegen Staugefahr.

Berlin. Kehrtwende bei der Schließung eines der verkommensten Tunnels Berlins: Entgegen der bisherigen Pläne von Senat und BVG, die Unterführung vom S-Bahnhof Greifswalder Straße zur gleichnamigen Tramhaltestelle zu verschütten, bleibt die Passage in Prenzlauer Berg nun wohl für immer offen.

So erklärt die BVG auf Anfrage, dass ihr Konzept zur Neugestaltung der Verbindung zwischen S-Bahn und der Tram-Linie M4 verworfen wurde. Jahrelang hatten die Verkehrsbetriebe einen Umbau angestrebt, der eine Schließung des Fußgängertunnels, die Versetzung der Tram-Haltestelle nach Süden und die Schaffung einer neuen Ampelquerung vorsah. So wäre die Querung oberirdisch, barrierefrei und näher an der einwohnerstarken Siedlung des Ernst-Thälmann-Parks gewesen.

Ampel unpraktisch: Tunnel aus der DDR-Zeit bleibt Prenzlauer Berg erhalten

Diesen Plan hat man nun abrupt beerdigt. Es bleibt bei der Lösung aus DDR-Zeiten mit einer unterirdischen Querung, die man in Prenzlauer Berg wegen ihres verwahrlosten Zustands gemeinhin als „Tunnel des Grauens“ bezeichnet. Warum es nun trotz langen Vorplanungen aus den 2010er-Jahren doch keine Ampelquerung gibt? „Für die Entscheidung gibt es verschiedene Gründe. Die Umsetzung der Haltestellestelle hätte eine zweite Lichtsignalanlage erforderlich gemacht, deren Signal jedoch für unsere Fahrer*innen schlecht erkennbar gewesen wäre, da sie sich unterhalb der Brücke befinden würde“, schreibt die BVG-Pressestelle zur Erklärung.

Zudem würde durch die größere Entfernung zum Knotenpunkt mehr Zeit benötigt, um von der Haltestelle über den Knotenpunkt zu fahren. „Ziel ist es jedoch, die Haltestellen sowie Knotenpunkte schnellstmöglich zu ,räumen’, um den fortlaufenden Verkehr nicht zu beeinträchtigen.“ So dient die Absage des Ampel-Plans also der Vermeidung von Staus an der großen Kreuzung Greifswalder Straße und Storkower Straße.

Überraschungserfolg für Petition zugunsten des Fußgängertunnels Greifswalder Straße

Ein Argument, das Kritiker des Haltestellen-Umbaus um den Pankower SPD-Abgeordneten Tino Schopf schon seit Jahren vorgetragen hatten. Aber erst jetzt stimmen BVG und Senat der Annahme zu. Eine entsprechende Petition von Anwohnern hat damit ihr Ziel erreicht.

Dass die BVG die ursprüngliche Tramhaltestelle nun doch nicht verlegt und der Tunnel offen bleiben wird, bestätigte im Mobilitätsausschuss auch die zuständige Staatssekretärin Meike Niedbal. Die Unterführung bleibe erhalten, sei aber bekanntermaßen sanierungsbedürftig und werde deshalb „kurzfristig mit kleineren Arbeiten im Sinne der Betriebssicherheit instandgesetzt“, sagte sie. „Für eine Grundinstandsetzung oder gegebenenfalls einen Ersatzneubau braucht es dann noch einmal entsprechende finanzielle und personelle Mittel.“

Prenzlauer Berg: Verkehrsexperten freuen sich über geplatzte Tunnelschließung

Wie viel Geld dafür notwendig wäre, konnte Niedbal aber nicht sagen. Die nun geänderte Planung müsse erst noch einmal überarbeitet und dann mit Blick auf die Kosten konkretisiert werden, erklärte die Staatssekretärin.

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Zufrieden über den Erhalt des Tunnels äußerte sich der Ausschussvorsitzende und Linken-Verkehrsexperte Kristian Ronneburg. Dies sei eine positive Nachricht und im Sinne vieler Menschen, die sich für den Tunnel eingesetzt hatten. Zuspruch gibt es auch vom Pankower FDP-Mann Felix Reifschneider. Er nennt den Sinneswandel eine „gute Nachricht“ im Sinne aller Verkehrsteilnehmer.

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