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Diese Carsharing-Anbieter wollen in Pankow expandieren

| Lesedauer: 6 Minuten
Alexander Rothe
Nachhaltige Mobilität durch geteilte Nutzung und Elektroantrieb. Doch sind solche Modelle auch für Pankower Stadtrand geeignet? Anbieter äußern sich sich zu den Kriterien.

Nachhaltige Mobilität durch geteilte Nutzung und Elektroantrieb. Doch sind solche Modelle auch für Pankower Stadtrand geeignet? Anbieter äußern sich sich zu den Kriterien.

Foto: Gerald Matzka / dpa

Bislang gibt es Carsharing vor allem in Prenzlauer Berg. Manche Unternehmen wollen ihr Gebiet aber Richtung Norden Pankows erweitern.

Berlin. In Pankow gibt es zwei Welten: Die eine reicht von Prenzlauer Berg bis Niederschönhausen, die andere von Französisch Buchholz bis Buch. Während in den südlicheren und innerstädtischen Regionen unterschiedliche Carsharing-Dienstleister eine unkomplizierte, temporäre Nutzung von Leihfahrzeugen anbieten, sind die Bewohnerinnen und Bewohner im Norden Pankows vor allem auf ihr eigenes Auto angewiesen.

Funktioniert so Verkehrswende? Im einwohnerstärksten und schnellst wachsenden Bezirk Berlins steht die Frage nach der Gestaltung von umweltfreundlicher Mobilität im Raum. Einige Anbieter sehen ihren Geschäftsbereich alleinig in Zentrumsnähe, andere planen eine Expansion, unter anderem nach Buch.

Carsharing-Unternehmen verzeichnen häufige Vorausbuchungen in Pankow

Share Now, das bisherige Gemeinschaftsprojekt von Daimler und BMW, vermietet seine Fahrzeuge zum Stunden- oder Tagestarif, maximal für einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen. Wird ein Tagestarif gewählt, sind Vorausbuchungen möglich, die laut Unternehmen in Pankow im Vergleich zu anderen Bezirken besonders häufig genutzt werden. Ort der Abholung und der Rückgabe müsse sich aber innerhalb des Geschäftsgebiets befinden, welches sich nach Norden bis an die Blankenburger Straße erstreckt.

Weiter nördlich soll es nach Auskunft von Share Now aber nicht gehen, da für den Geschäftsbereich bestimmte Kriterien erfüllt sein müssten: „Je höher die Bevölkerungsdichte, je besser ausgebaut der ÖPNV und je höher der Quartiersmix aus Arbeit, Freizeit und Wohnen an einem Ort ist, desto höher ist die Nachfrage nach free-floating Carsharing. Also einem Angebot ohne feste Stellplätze. Auch hier zeigt sich, dass Carsharing eine Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs ist und diesen nicht ersetzt. Für Pankow hat unsere Datenanalyse gezeigt, dass diese Faktoren besonders innerhalb des aktuellen Geschäftsgebietes erfüllt sind.“

WeShare sieht besonders hohe Nachfrage in Prenzlauer Berg

Ähnlich begründet WeShare, dem Anbieter von elektrisch-betriebenen Fahrzeugen, den Fokus auf einen nahezu identischen Geschäftsbereich wie Share Now in Pankow. Insbesondere in den Gründerzeitquartieren in Prenzlauer Berg sei „angesichts der hohen Bevölkerungsdichte, der Mischstruktur der Kieze aus Wohnen, Ausgehen und Arbeiten, der vergleichsweise geringen Dichte privater PKW und des guten Ausbaus des ÖPNV ein hoher Bedarf an Carsharing gegeben“. Siedlungen am Stadtrand erfüllten diese Kriterien eher nicht.

Für die wirtschaftliche Nachhaltigkeit von sogenannten Free Floating Carsharing mit stationsungebundenen Fahrzeugen innerhalb eines Geschäftsgebiets seien zwei Faktoren entscheidend: „Zum einen die insgesamt hohe Kostenbelastung der Carsharingunternehmen in Berlin durch die vergleichsweise hohen Parkgebühren innerhalb des S-Bahnrings sowie der geringe Bedarf an Carsharing und die damit verbunden geringe Nutzung in den Randbereichen der Stadt. Hinzu kommt, dass auch die fehlende Ladeinfrastruktur in den Außenbezirken ein elektrisches Carsharing kaum möglich macht.“

Miles und Sixt: Expansion in Norden Pankows nicht ausgeschlossen

Die Autos und Transporter des Unternehmens Miles sind in Pankow im Vergleich zu anderen Bezirken seltener anzutreffen. Dennoch sei der Carsharing-Anbieter auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten – auch ins nördliche Pankow: „Eine Ausweitung nach Buch ist tendenziell nicht ausgeschlossen, steht aber nicht als Nächstes auf der Liste“, erklärt eine Pressesprecherin auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Ein Anschluss an das kürzlich eröffnete Geschäftsgebiet im Märkischen Viertel wäre vermutlich schneller denkbar.“ Dies hänge aber mitunter mit dem Verlauf der Gespräche mit dem Berliner Senat ab. „Aktuell stehen wir in einem guten Austausch und sind zuversichtlicher, dass sich die Rahmenbedingungen für die Carsharing-Anbieter bald bessern könnten. Am Ende des Tages sind wir offen für Gespräche mit allen Stadtteilen und Kommunen. So stehen wir beispielsweise aktuell mit einer Kommune in Brandenburg im Austausch.“

Eine Gebietsausweitung des Carsharing-Angebots von Sixt hänge unter anderem von der Zahl der eingesetzten Fahrzeuge in der Region ab, die derzeit aber aufgrund der Chipkrise und in der Folge der Ukraine-Krise eingeschränkt sei. Konkrete Pläne zur Erweiterung in Pankow gäbe es noch nicht, doch beobachte das Unternehmen eine steigende Nachfrage nach Alternativen zum eigenen Auto außerhalb der Stadtkerne. Eine Expansion ins nördliche Pankow, wie Buch oder Blankenfelde, ist somit nicht ausgeschlossen.

Konkrete Expansionspläne bei stationengebundenen Anbietern Stadtmobil und cambio

Konkrete Pläne gibt es hingegen beim Anbieter Stadtmobil, dessen Fahrzeuge an Station abgeholt und zurückgegeben werden können. „Ja, wir werden weiter wachsen, noch in diesem Jahr werden wir die Fahrzeuganzahl in Pankow um ein Drittel erhöhen“, heißt es von der Pressestelle. „Ausgehend von Pankow-Kirche werden wir unser Gebiet auf den Florakiez, Niederschönhausen und das Gebiet um den Bürgerpark ausbauen. Ausgehend von unseren Quartieren im Kissingenviertel und der Pankower Spitze werden wir das Angebot Richtung Weißensee ausbauen, zum Antonplatz und der Bizetstraße.“

Bereits 2017 und 2018 habe es einen Versuch gegeben, in Buch Fuß zu fassen – mit einem Fahrzeug. Doch musste das Angebot infolge der geringen Nachfrage eingestellt werden. „Wir entwickeln unser Angebot nachfrageorientiert, das heißt dort, wo wir bereits Stationen und Kunden haben.“

Ebenfalls stationengebunden und mit Ausweitungsplänen des Geschäftsgebiets ist Cambio, das mit Stadtmobil kooperiert und Station in Prenzlauer Berg betreibt. „Konkrete Expansionspläne innerhalb Pankows, zum Beispiel in Weißensee, gibt es, sind aber ein wenig ins Stocken geraten, da wir aktuell nach bezahlbaren Stellplätzen für unsere Cambio-Autos suchen. Stellplätze sind in Pankow jedoch für stationsbasierte Angebote schwierig zu finden. Hier würde uns die Einrichtung von Stellplätzen im öffentlichen Raum seitens des Bezirksamts helfen“, erklärt ein Pressesprecher von Cambio.

BVG erprobt Carsharing-Standorte in Buch und Prenzlauer Berg

Ein wichtiger Partner für Carsharing-Unternehmen sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die im Rahmen ihrer Jelbi-Standorte mit Fahrzeuganbietern kooperieren. Neben Miles und Cambio stellen Mobileeee, DB Flinkster und Greenwheels Fahrzeuge an den ÖPNV-Stationen bereit, die über die Jelbi-App buchbar sind. Möglicherweise bald auch in Berlin-Buch, das als Zukunftsort identifiziert wurde, und in Prenzlauer Berg, am alten Schlachthof nahe dem Bahnhof Landsberger Allee. „Hierzu gibt es erste Kooperationsgespräche, zum Beispiel mit Projektentwicklern, Arbeitgebern und Wohnungsbaugesellschaften vor Ort.“ Genaue Termine stünden jedoch noch nicht fest, genauso wenig wie die Anbieter an den jeweiligen Standorten.

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