Stadt der Tiere

Mitten in Berlin ein Hauch von Landleben

| Lesedauer: 11 Minuten
Nikolija Korzanovic
Keine Angst vor großen Tieren: Samantha Pryke und ihre Tochter Merit () kommen öfter auf den Kinderbauernhof Pinke Panke in Pankow. Im Streichelzoo krault die Kleine ohne Scheu einem Schwein das Ohr.

Keine Angst vor großen Tieren: Samantha Pryke und ihre Tochter Merit () kommen öfter auf den Kinderbauernhof Pinke Panke in Pankow. Im Streichelzoo krault die Kleine ohne Scheu einem Schwein das Ohr.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

In der Stadt kommt man selten in Kontakt mit Hühner, Schweinen, Schafen und Pferden. Doch in Pankow geht das.

Berlin. Es ist Fütterungszeit auf dem Kinderbauernhof Pinke Panke in Pankow. Das große Tagesevent ist bei den kleinen Besucherinnen und Besuchern besonders beliebt. Pünktlich um 16 Uhr stürmen die Kinder zu den Gehegen. „Wer möchte rein zu den Schafen?“, fragt Inga Kirchberg die jungen Tierfreunde. „Aber nicht zu viele auf einmal, denn das mögen die Schafe nicht“, fügt die Erzieherin hinzu. Dann öffnet sie die Tür des Geheges und lässt die freiwilligen Helfer hinein.

Im Stall verteilen die Stammkinder Dzhem (11), Dzhan (11), Adam (9) und Tyler (14) das Heu an die restliche Besucherschaft. Sie kommen fast täglich in die Pinke Panke. Die frische Luft und der Kontakt zu den Tieren tun ihnen gut. „Besser als Handyzocken“, stellen die Jungen fest. Die Stammkinder gehören wie das Personal und die Tiere zum festen Alltag des Bauernhofs. Besucht ein Kind die Pinke Panke regelmäßig, kann es sich für eine Stammmitgliedschaft anmelden. Diese ist kostenlos und für Kinder im Alter von sieben bis 14 Jahren geeignet.

Die Stammkinder genießen einige Vorteile. So können sie zum Beispiel zusammen mit den Erzieherinnen und Erziehern auch außerhalb der Fütterungszeit in die Gehege. Dafür packen sie bei der Arbeit mit an, bereiten das Futter vor und helfen bei der Reinigung der Ställe. „Ich helfe gern“, sagt Tyler, „auch wenn die Schafe mir ein wenig Angst machen.“ Dass einige Kinder den Tieren eher schüchtern und ängstlich gegenübertreten, sei ganz normal, erklärt Hofleiterin und Pädagogin Annett Rose: „Die Kinder gehen ganz unterschiedlich mit den Tieren um. Unsere Tiere reagieren aber alle freundlich und neugierig auf die Kinder.“

Lebensraum verschiedener Lebewesen kennenlernen

Neugierig scheint auch die kleine Merit (2), die mit ihrer Mutter zusammen eines der Schweine füttert. Vorsichtig streckt sie ihre Hand zum Kopf des Tieres und traut sich sogar, die haarige Sau zu streicheln. „Merit ist gern auf dem Bauernhof. Sie findet Tiere sehr spannend“, erzählt ihre Mutter Samantha Pryke. „Wir wohnen in der Stadt, deswegen ist es schön, dass sie hier im Kontakt mit Tieren sein kann.“Stadtkinder haben oft zwar Kontakt zu Haustieren, die Begegnung mit Schafen, Schweinen und Hühnern ist für die meisten jedoch eine Besonderheit. Annett Rose betont, dass es für Kinder wichtig ist, den Lebensraum verschiedener Lebewesen kennenzulernen: „Die Kinder kennen Tiere oftmals nur aus Büchern und wissen gar nicht, wie sie wirklich leben.“ Einige kleine Besucherinnen und Besucher hätten sich sogar schon einmal gewundert, warum die Bauernhofbewohner keine Möbel haben oder Klamotten tragen, berichtet die Leiterin. Hier sorgt die Pinke Panke für Aufklärung, da die Kinder die Möglichkeit haben, Schafe, Schweine, Hühner, Kaninchen und Esel in ihrem natürlichen Umfeld kennenzulernen. Rund 40 Tiere leben auf dem Bauernhof. Darunter auch einige ältere Rassen wie Warzenenten, Pommernschafe und die Wollschweine Locke und Rosa.

Der Kontakt zu Tieren wirkt sich positiv auf die Entwicklung von Kindern aus. Erzieherin Ann-Cathrin Höhmann (28) von der Pinken Panke erklärt, dass die Jüngsten im Umgang mit den Tieren ihr Empathie-Empfinden stärken und ein Bewusstsein für Tier und Natur schaffen. „Wenn die Kinder Kontakt zu Tieren haben, profitieren sie langfristig. Sie lernen, die Lebewesen zu respektieren und wertzuschätzen“, fügt Annett Rose hinzu.

Stimmungen wahrnehmen und Trost spenden

Die Pinke Panke ist nicht der einzige Bauernhof in Berlin, auf dem Kinder Kompetenzen im Umgang mit Tieren erlernen können. Auch der Moritzhof in Prenzlauer Berg befasst sich mit tiergestützter Pädagogik. Birgit Blank gehört zum erzieherischen Kernteam des Hofes und erklärt, dass der Kontakt zu Tieren auch das Bewusstsein für die Bedürfnisse der Lebewesen stärkt: „Die Kinder bekommen einen guten Eindruck davon, wie es ist, Verantwortung für andere zu übernehmen. Dazu gehört nicht nur Streicheln und Kuscheln, sondern auch die Sorge um die Tiere. Bevor die Tiere etwas für uns tun, tun wir etwas für die Tiere.“ Dafür geben die Tiere den Kindern viel zurück. In schwierigen Situationen dienen sie den Besucherinnen und Besuchern auch manchmal als Gesprächspartner und spenden Trost. Besonders schwer wird es, wenn der Moritzhof ein älteres Tier verliert. Doch der Tod soll kein Tabuthema sein und gehört zu den Erfahrungen, die die Kinder auf dem Bauernhof machen: „Wenn ein Tier stirbt, halten wir mit den Kindern Rituale ab und verabschieden uns von dem Lebewesen“, erzählt Birgit Blank. Eine wichtige Erfahrung, wie die Pädagogin findet.

Die Kinder sollen außerdem ein Gefühl dafür bekommen, wann die Tiere ihren Freiraum benötigen. Gespielt und geschmust wird nur, wenn die Vierbeiner sich dabei wohlfühlen. „Tiere brauchen ihren eigenen Schutzraum und ein Zuhause“, erklärt Birgit Blank. Außerdem bevorzugen sie es, wenn die Kinder ihnen mit Ruhe begegnen: „Tiere können Stimmungen wahrnehmen und ziehen sich zurück, wenn es ihnen zu unruhig wird.“

Tiere helfen, Kontakt zu anderen Kindern aufzubauen

Auch in der Pinken Panke gehen die Kinder sehr bewusst mit den Lebewesen um. „Ich streichle nur die Tiere, die zu mir kommen“, sagt Adam (9). Am liebsten mag er die Katzen. Viele Kinder hätten ein Lieblingstier auf dem Bauernhof, stellt Tierpfleger David Kunze fest. „Einige mögen die Kaninchen besonders gern und pflücken Löwenzahn für sie auf ihrem Weg zum Hof“, erzählt der Tierpfleger. Generell sei das Bedürfnis nach Kontakt zu den Tieren, sowohl bei den Stammkindern als auch bei den anderen Besuchern, sehr groß.

In der Pinken Panke ist jeder Tag anders. Gleich bleibt seit 1991 jedoch der besondere Zugang zu den Tieren. „Die Tiere helfen uns dabei, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Sie sind oft die Brücke für den Kontakt zu ihnen“, erklärt Annett Rose. Über das Interesse zu Tieren ließen sich zudem Freundschaften schließen. Dzhem, Dzhan, Adam und Tyler lassen den Tag auf der Pinke Panke nun noch gemeinsam ausklingen.

Die Pinke Panke hat ganzjährig geöffnet. Von April bis November können Kinder und Familien den Bauernhof Dienstag bis Freitag von 12 Uhr bis 18.30 Uhr besuchen und am Wochenende von 10 Uhr bis 18.30 Uhr. Von November bis April ist die Besucherzeit Dienstag bis Freitag von 12 Uhr bis 17.30 Uhr und am Wochenende von 10 Uhr bis 17.30 Uhr. Montag ist Ruhetag. Der Besuch bei Pinke Panke ist kostenlos. Alle Kinder können bei den Fütterungen um 16 Uhr teilnehmen. Darüber hinaus gibt es ein buntes Programm. Die Mädchen und Jungen können in Werkstätten arbeiten und an Lagerfeuerabenden teilnehmen. Bei einigen Aktionen können Materialkosten anfallen. Näheres unter kinderbauernhof-pinke-panke.de, oder telefonisch unter (030) 47 55 25 93. Adresse: Am Bürgerpark 15–18 in 13156 Berlin.

Bauernhöfe, Wildehege und Streichelzoos in Berlin

Kinderbauernhöfe, Streichelzoos und Wildgehege stellen einen wichtigen Lernort für Kinder und Jugendliche dar. Besucherinnen und Besucher lernen die natürlichen Habitate der Lebewesen kennen und bauen einen ersten Kontakt zu den Tieren auf. Viele Höfe bieten sogar ein regelmäßiges Angebot an. Die Auswahl in Berlin ist groß. Wir haben einige Highlights zusammengesucht.

Jugendfarm Moritzhof

Seit dem Ende der 1990er-Jahre gibt es den Moritzhof in Prenzlauer Berg. Er setzt auf „tiergestützte Pädagogik“ und möchte den kleinen Besucherinnen und Besuchern einen bewussten Umgang mit Tieren vermitteln. Unter der Woche lädt der Moritzhof vor allem Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren zum elternfreien Programm ein. Sonnabends ist Familientag, an dem auch die ganz Kleinen willkommen sind. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Sonnabend von 13 Uhr bis 18.30 Uhr.

Schwedter Straße 90, 10437 Berlin.
Telefon: (030) 44 02 42 20. Mehr Informationen im Internet unter: jugendfarm-moritzhof.de

Kinderbauernhof am Mauerplatz

Dieser Kinderbauernhof befindet sich mitten in Kreuzberg und lädt mit einer Auswahl an Schafen, Ziegen, Ponys, Esel, Enten, Gänsen, Hühnern und Kaninchen tierbegeisterte Besucherinnen und Besucher zum Verweilen ein. Der Bauernhof ist ein offener Spiel- und Lernort für Kinder aus ganz Berlin. Die Öffnungszeiten sind täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr. Im Spätherbst und Winter bis 17 Uhr. Mittwochs ist Ruhetag.

Adalbertstraße 71, 10997 Berlin.
Mehr unter: kbh-mauerplatz.de

Domäne Dahlem

Die Domäne Dahlem ist Freilichtmuseum und Biobauernhof zugleich. Dort können Tiere besucht werden, die vom Aussterben bedroht sind. Dazu gehören zum Beispiel das deutsche Sattelschwein, das Pommerschaf und die Bulgarische Schraubenhörnige Langhaarziege. Auch Bienen gibt es auf dem Landgut. Das Gelände kann täglich von 7 Uhr bis 22 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt zu den Tieren ist frei, aber es wird um eine Spende gebeten.

Königin-Luise-Straße 49, 14195 Berlin.
Telefon: (030) 666 30 00.
Mehr unter: domaene-dahlem.de

Tierpark Neukölln in der Hasenheide

Am Rande der Hasenheide befindet sich der Tierpark Neukölln, der Haustiere aus aller Welt beherbergt, wie zum Beispiel Lamas. Im Park gibt es Tierführungen, Ponyreiten und andere spaßige Angebote. Außerdem können Groß und Klein eine Patenschaft für ihr Lieblingstier übernehmen. Der Park ist von April bis Oktober täglich von 9 Uhr bis 19.30 Uhr geöffnet. Von November bis März sind die Öffnungszeiten täglich von 9 Uhr bis 15.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, jedoch wird um eine Spende gebeten.

Hasenheide 82, 10967 Berlin.

Telefon: (030) 61 10 19 06.
Mehr unter: tierpark-neukoelln.berlin

Tierhof Alt-Marzahn

Der Tierhof befindet sich auf dem 300 Jahre alten, denkmalgeschützten Dreiseithof. Hier gibt es Schafe, Ziegen, Hühner und Pferde. Kinder dürfen auf Ponys reiten. Die Öffnungszeiten variieren in der Woche, hier hilft ein Blick ins Internet oder ein Anruf. Am Wochenende können Besucher von
11 Uhr bis 15 Uhr kommen. Der Eintritt ist frei.

Alt-Marzahn 63, 12685 Berlin.

Telefon: (030) 74 77 65 09.

Mehr unter: agrar-boerse-ev.de/inserat/tierhof-alt-marzahn/