To-go-Trend im Lockdown

Ärger um Pappbecher auf Glühwein-Meilen in Prenzlauer Berg

Wirte suchen ihr Heil im Verkauf von To-go-Getränken. Weil viel Müll anfällt, rät der Bezirk Pankow Kunden nun zu eigenen Tassen.

Pandemietauglich, aber abfallträchtig: Pappbecher schienen aus der Mode geraten –  jetzt säumen sie Berliner Glühwein-Meilen.

Pandemietauglich, aber abfallträchtig: Pappbecher schienen aus der Mode geraten – jetzt säumen sie Berliner Glühwein-Meilen.

Foto: Kay Nietfeld / dpa (Symbolfoto)

Berlin. Wenn große Weihnachtsmärkte und Corona-Regeln nicht zusammenpassen, dann zerstreut sich der Glühweinverkauf in den Kiezstraßen. Immer mehr Gastronomen suchen ihr Heil im Verkauf von Heißgetränken an Fenstern und Ständen. Und weil das Virus an Tassen haften könnte, laben sich Berliner vorwiegend an dampfenden Einweg-Bechern. Die lassen sich nach dem Ausschlürfen einfach wegwerfen. Und für die neuen Glühwein-Meilen – wie die Hufeland-, Oderberger,- oder Stargarder Straße in Prenzlauer Berg – wird das zum Problem. Wie lässt sich der Infektionsschutz und Müllvermeidung in Einklang bringen? Eine schlüssige Antwort scheint noch nicht gefunden. Das zeigen Berge an Pappbechern am Morgen nach dem zweiten Advent.

BSR ließ vorsorglich größere Mülleimer aufstellen

Tatsächlich ist das erhöhte Müllaufkommen in Lockdown-Zeiten wegen der vielen verpackten To-Go-Produkte kein Phänomen, mit dem Prenzlauer Berg allein wäre. Schon beim ersten Lockdown florierte überall in Berlin der Außerhausverkauf von Speisen und Getränken mit ungewollten Folgen bei der Abfallentwicklung. Auch diesmal sieht die BSR diesen Trend – wenn auch nur punktuell. „Vereinzelt haben wir seit Anfang November eine Zunahme von Einwegverpackungen im öffentlichen Straßenland bemerkt, und zwar besonders im Umfeld von Gastronomiebetrieben im Innenstadtbereich“, sagt Sprecher Sebastian Harnisch. Konkrete Zahlen für das Aufkommen an weggeworfenen Bechern erhebt die Berliner Stadtreinigung aber keine. Denn solche Einwegverpackungen werden mengenmäßig nicht gesondert erfasst.

Ein erhöhtes Müllaufkommen am zweiten Adventswochenende war laut Harnisch offenbar dem vergleichsweise milden Wetter geschuldet. So hätten eben viele Menschen ihre Speisen und Getränke, die sie im Außer-Haus-Verkauf erstehen konnten, direkt im Freien verzehrt. „Auf diese Situation haben wir bei unseren Reinigungseinsätzen flexibel reagiert. Teilweise haben wir bereits im Vorfeld an einigen Stellen vorübergehend 240-Liter-Abfallbehälter aufgestellt – als Ergänzung zu den Straßenpapierkörben“, heißt es von der BSR.

Bezirk Pankow: Glühwein-Kunden sollen Mehrwegbecher nutzen

Kritisch sieht man das erhöhte Müllaufkommen durch Becher und To-Go-Produkte in der Abteilung des Pankower Stadtrats Vollrad Kuhn (Grüne) – zumal der Trend zwischenzeitlich überwunden schien. „Hier wäre eine Einflussnahme der Wirtschaftsförderung und der Gewerbeaufsicht auf die Gastronomen notwendig“, kommentiert Kuhn das Problem. Auch in Pandemiezeiten wäre es zu wünschen, dass Wirte Mehrwegbehältnisse wie die weit verbreiteten Pfand-Becher benutzen. Oder wenn Kunden eigene Gefäße mitbrächten, um sich Glühwein einschenken zu lassen. Damit läge das Müllaufkommen bei Null.

Gegen besondere Vorschriften beim Getränkeverkauf spricht sich hingegen die FDP-Bundestagsabgeordnete Daniela Kluckert aus. Sie sagt: „Es ist gut, dass die Gastronomen Wege finden, ihre Existenz zu sichern. Das ist besonders wichtig, da die von der Bundesregierung versprochenen November-Hilfen noch immer nicht geflossen sind.“ Eine Grundvoraussetzung sei es, dass sich auf den Glühwein-Meilen Gastronomen und Kunden an die Corona-Regeln halten, betont Kluckert. Sie sieht die Situation aber trotz Beschwerden beim Pankower Ordnungsamt eher unkritisch und lobt die Hygiene-Konzepte der Lokale.

Und das Becher-Problem? Das sollten die Kunden der Glühwein-Lokale „mit gesundem Menschenverstand lösen“, empfiehlt die Abgeordnete. Zum Beispiel, indem sie die Pappe nicht in Papierkörben auf der Straße entsorgt – sondern zu Hause.