Verkehr in Berlin

Umbau der Schönhauser Allee: Pankow entschärft Unfallstrecke

Radspuren mit Pollern anstelle von Parkplätzen: Pankows Nord-Süd-Achse soll sicherer werden. Parklets ziehen an die Gethsemanekirche.

Veraltet und unfallträchtig: Die jetzigen Fahrstreifen der Schönhauser Allee auf dem Bürgersteig werden dem Anspruch an sicheres Radfahren nicht mehr gerecht.

Veraltet und unfallträchtig: Die jetzigen Fahrstreifen der Schönhauser Allee auf dem Bürgersteig werden dem Anspruch an sicheres Radfahren nicht mehr gerecht.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Jetzt haben es die Verkehrsplaner schwarz auf weiß: Hunderte Parkplätze werden kommendes Jahr auf der Schönhauser Allee verschwinden. Dafür entsteht im Abschnitt zwischen Eberswalder Straße und Stargarder Straße an beiden Rändern Platz für breite Radwege mit Poller-Leisten. So haben es Pankows Bezirksverordnete schon vor Jahren beantragt – aber erst jetzt kam es zur Unterzeichnung der Vereinbarung für diesen Plan durch das Bezirksamt und die Infravelo, der landeseigenen Gesellschaft zum Bau von Radwegen.

Damit bekommen die Berliner einen zeitgemäßen Ersatz für die schmalen, welligen Fahrstreifen auf den Bürgersteigen, die dem Anspruch an sicheres Fahren nicht genügen, wie Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) betont. „Die Schönhauser Allee ist mit 93 teils schweren Radverkehrsunfällen pro Jahr laut Statistik unser trauriger Spitzenreiter“, erklärte er nun in einem Bericht. Damit liege die Zahl der Verunglückten auf der Nord-Süd-Achse in Prenzlauer Berg um das Doppelte bis Vierfacher höher als auf der ähnlich stark befahrenen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße.

Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg: Parkplätze fallen weg

Wie Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) im Verkehrsausschuss auf Nachfrage der CDU-Fraktion mitteilte, soll der Umbau der Schönhauser Allee bis zum kommenden Herbst abgeschlossen sein. Mit der Vereinbarung zwischen Bezirk und Infravelo sei nun auch die zunächst unklare Finanzierung der Umgestaltung geregelt. Eine genaue Zahl der Parkplätze, die an beiden Straßenrändern zugunsten der Radwege wegfallen sollen, kann das Bezirksamt aber noch nicht nennen.

Schon seit den ersten Vorschlägen für eine so genannte „Protected Bike Lane“, also eine Radverkehrsanlage mit Barrieren zum Schutz von Radfahrern, war offensichtlich, dass die vier Parklets, die seit Herbst 2018 auf der Schönhauser Allee parkenden Autos Raum wegnehmen, bei einem Umbau zu Hindernissen werden. Denn die hölzernen Stadtmöbel mit Fahrradbügeln und Sitzbänken stünden nach der Verwandlung der Parkstreifen zu Fahrspuren dem Radverkehr im Weg.

Parklets werden Teil der Fahrradstraße in der Stargarder Straße

Laut Stadtrat Kuhn haben die Planer einen günstigeren Standort gefunden. Die Kästen ziehen um zu einem Wahrzeichen von Prenzlauer Berg. „Es sind Standorte vor der Gethsemanekirche angedacht“, benennt der Stadtrat zum ersten Mal einen konkreten Standort. Hier könnten sich die vor allem als Fahrradgaragen genutzten Parklets als sinnvoller erweisen als an der verkehrsumtosten Schönhauser Allee, wo sie nach Ansicht von Kritikern wie Fremdkörper wirken.

Vor der Kirche auf der Stargarder Straße dürften sie sich als Teil der neuen Stadtmöblierung einfügen – sobald diese Passage sich in eine Fahrradstraße verwandelt. Allerdings wohl nicht mehr, wie ursprünglich geplant, in diesem Jahr. Zwar ist der Auftrag zur Umsetzung des Projekts ausgeschrieben, aber Fahrbahnmarkierungsarbeiten finden wegen der ungünstigen Witterung erst wieder im Frühjahr statt.