Prenzlauer Berg

Berliner Senat erwägt Aufkauf des Kinos Colosseum

Über 10.000 Kino-Fans fordern die Wiederöffnung des insolventen Lichtspielhauses in Pankow. Auch staatliche Hilfe ist dafür denkbar.

Nach der Schließung des Kinos Colosseum laufen Verhandlungen über die Zukunft der Immobilie in Prenzlauer Berg.

Nach der Schließung des Kinos Colosseum laufen Verhandlungen über die Zukunft der Immobilie in Prenzlauer Berg.

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Nicht nur aus Sicht der Angestellten war die Schließung des Kinos Colosseum kurz vor den Corona-Lockerungen im Sommer ein Schock. Mehr als 10.000 Anhänger des Traditionshauses an der Schönhauser Allee fordern in einer Onlinepetition unverdrossen, den fast 100 Jahre alten Kulturort, ein Erbstück der Berliner Filmlegende Artur Brauner, zu sichern – obwohl das Ende mit der Liquidierung des Betriebs inzwischen besiegelt ist. Doch hinter den Kulissen laufen nun die Verhandlungen über die Zukunft der leerstehenden Immobilie in prominenter Lage.

Ein erster Zwischenstand ergibt: Selbst ein Aufkauf des Kino-Komplexes durch das Land Berlin ist laut Bezirksamt Pankow möglich – zumindest, wenn man sich dafür entscheidet, mit Steuergeld gegen andere Investoren zu bieten.

Kinos Colosseum: Kauf nur bei „realem Preis“

Eine Anfrage bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft ergab, „dass man die bezirkliche Anfrage nach Mitteln für den Erwerb des Gebäudeensembles prüfe“, schreiben Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) und Stadträtin Rona Tietje (SPD) in einem neuen Zwischenbericht. „Im Falle einer positiven Bescheidung sichert die für Wirtschaft zuständige Senatsverwaltung dem Bezirk ihre Unterstützung bei einer rechtskonformen Umsetzung des Vorhabens zu“, heißt es weiterhin.

Was aber nicht bedeutet, dass Pankow bei einer Veräußerung des Kinos sein Vorkaufsrecht geltend machen wird. Es gehe nur darum, alle Optionen zu prüfen, falls es einen direkten Verkauf an das Land geben sollte, sagt Bürgermeister Benn. Voraussetzung dafür wäre „ein realer Preis“. Aber dieses Szenario ist bislang reine Theorie.

Vorbescheid des Bezirksamts Pankow erlaubt Abriss von Kinoteilen

Die Verhandlungen mit den Senatsverwaltungen und den Eigentümern des Kinos, einer Erbengemeinschaft um Samy Brauner, sind das Ergebnis von Beschlüssen der Pankower Bezirksverordneten, die dem Bezirk eine Teilschuld an der Schließung des Kinos geben . Denn mit Ausstellung eines Bauvorbescheids hat die Abteilung für Stadtentwicklung den Weg geebnet für einen Abriss von etlichen Gebäudeteilen, die nicht dem Denkmalschutz unterliegen .

Mit Hilfe dieses Vorbescheids kann ein Investor die Umgestaltung des Colosseums zu einem bis zu sechs Stockwerke hohen Büro- und Kongresszentrums erwirken. Dementsprechend dürfte der Marktwert der Immobilie gestiegen sein – was den möglichen Ankauf erschwert.

Colosseum könnte Bürozentrum für Kreativwirtschaft werden

Zum Auftrag für die Stadträte gehört es auch, die Möglichkeiten zur Teil-Umwandlung des Kinos in ein Bürohaus einzubeziehen . So hatten die Fraktionen von SPD und CDU ausdrücklich gefordert, die Beschaffung von Fördergeld für die Ansiedlung von Start-ups im Kino zu prüfen. Wirtschaftsstadträtin Tietje hält diese Variante für realistisch und sagt: „Ein Bürozentrum für die Kreativwirtschaft würde Sinn ergeben. Aber wichtig wird es sein, dass man zugleich die Nutzung als Filmpalast erhält.“