Flughafen Tegel

Jubel in Pankow nach TXL-Aus: „Wir haben den Himmel zurück“

Flughafengegner feiern Abflug des Air-France-Airbus. Obwohl TXL geschlossen ist, geht ihr Kampf weiter.

Anstoßen auf die Tegel-Schließung: Sekunden nach dem Überflug der Air-France-Maschine fließt in Pankow Champagner und Sekt.

Anstoßen auf die Tegel-Schließung: Sekunden nach dem Überflug der Air-France-Maschine fließt in Pankow Champagner und Sekt.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Champagner, Konfetti, Freudentaumel: Mit dem Überflug der Air-France-Maschine über dem Dorfanger in Pankow beginnt für 300.000 Menschen im Norden Berlins die Zeit nach dem Fluglärm. „Wir haben den Himmel zurück“, rief Annett Rose, die Leiterin des bis jetzt von Krach geplagten Kinderbauernhofs „Pinke Panke“. Und die Kiez-Band „Heyn“ begleitete mit ihrer Tegel-Schließungshymne „Abflug“ Feuerwerke in der Ferne.

Bett auf dem Pankower Anger symbolisiert „himmlische Ruhe“

Das Abschiedsfest der Initiative „Pankow sagt nein zum Flughafen Tegel“ auf dem Anger geriet zum Stelldichein derjenigen, denen der Airport jahrzehntelang Schlaf und Nerven kostete. Aufgebaut hatten das Team um Berend Hendriks ein Bett mit Kissen und Decken, das die „himmlische Ruhe“ symbolisieren soll, die in Spandau, Reinickendorf und Pankow jetzt einkehrt. Dort posierten auch Werner Gerke und Andrea Wulff für ein Foto – in der Verheißung, durch die neue Stille ihr Schlafdefizit aufzuholen „Wir mussten die Fenster nachts geschlossen halten“, sagte Gerke mit Blick auf Ausnahmen vom Tegel-Nachtflugverbot, die in den letzten Jahren zugenommen hatten. Und Wulff erzählte davon, dass auch Ohrstöpsel nicht mehr wirkten – „weil man automatisch wach wurde, bevor es laut wird.“

Verwirrung um verspäteten letzten Abflug in Tegel

Doch die eigene Erlösung vom Lärm ist für viele Festteilnehmer kein Grund, ihr Engagement gegen schädliche Auswirkungen der Luftfahrt einzustellen. „Wir müssen über Tegel hinaus denken“, sagte Berend Hendriks. Auch wenn im Norden Berlins die typischen Gesprächspausen während der Überflüge jetzt wegfallen – an anderen deutschen Airports seien immer noch zu viele Menschen zu wenig vor Lärm geschützt. Schon allein die Klimawende gebiete es, Kurzstrecken- und Inlandsflüge zu verbieten. „Fliegen ist viel zu billig“, erklärte Christine Dorn von einem Bündnis aus Bürgerinitiativen, die am Flughafen BER den Kampf der Tegel-Gegner weiterführen wollen.

Beim Abschiedsfest in Pankow war die Aufregung über den Air-France-Flug am Ende so groß – da hatte manch einer den falschen Jet auf dem Schirm. Wegen der Verspätung des letzten TXL-Starts riefen etliche Besucher Onlinedienste zur Flugortung auf ihren Smartphones auf, um abzuschätzen, wann sie denn endlich mit dem Start der letzten Maschine nach Paris die Erlösung vom Lärm ereilt. Aber den richtigen Airbus musste man am Ende nicht orten – man konnte ihn hören. Sein Düsenlärm wich tosendem Jubel.