Prenzlauer Berg

Keine Gefahr: Ärztin verteidigt Corona-Sprechstunde im Hof

Die Behandlungen in der Außenstelle einer Hausarztpraxis am Mauerpark sind rechtens. Hausbewohner hatten dagegen protestiert.

Im Innenhof eines Wohnhauses in Prenzlauer Berg werden Patienten mit Covid-19-Symptomen empfangen und in den Räumen einer Kanzlei auch getestet.

Im Innenhof eines Wohnhauses in Prenzlauer Berg werden Patienten mit Covid-19-Symptomen empfangen und in den Räumen einer Kanzlei auch getestet.

Foto: Thomas Schubert

Abstand, Masken und warten an der frischen Luft: Ärztin Silke Weck sieht alle Sicherheitsvorkehrungen für ihre Infektsprechstunde mit Empfangszelt im Innenhof eines Wohnhauses an der Eberswalder Straße als gegeben an. Eine Ansteckung mit dem Coronavirus im Vorbeigehen sei nicht zu befürchten.

Anwohner des Hauses hatten nach Eröffnung der Sprechstunde, in der auch Corona-Tests stattfinden, protestiert – und die Sorge geäußert, dass von der Warteschlange der Patienten eine Gefahr ausgeht. Diese Annahme, sagt die Ärztin, sei unzutreffend. Und betont, dass sich der mögliche Kontakt der Bewohner mit den Patienten auf ein Minimum beschränkt: „Sie können sich gar nicht anstecken. Unter freiem Himmel müssten sie mindestens 15 Minuten neben einem Patienten stehen.“

Auch weiterhin wird Weck ihre Sprechstunde an dieser Außenstelle der Stammpraxis an der Stargarder Straße fortführen – denn der Betrieb ist mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgestimmt. Patienten aus Praxen, die selbst nicht testen, werden dorthin verwiesen. Das orange Zelt, das durch die Einfahrt von der Straße aus zu sehen ist, dient als Empfang und Wartebereich, während die Behandlungen in den Räumen einer Kanzlei im Erdgeschoss des Hauses erfolgen. Die Betreiber der Kanzlei hatten der Praxis den Platz zur Verfügung gestellt und das Angebot so ermöglicht.

Keine Corona-Tests zur Umgehung des Beherbergungsverbots

Dass Patienten mit Corona-Symptomen nicht in die Stammpraxis an der Stargarder Straße kommen, sondern in die gesonderte Infektsprechstunde im Gebäude nahe des Mauerparks, soll dem Schutz dienen und das Ansteckungsrisiko senken. „Wir haben die Station hier aufgemacht, um Patienten mit Symptomen von nicht-infektiösen Patienten zu trennen“, erklärt die Ärztin.

In der Stammpraxis an der Stargarder Straße seien die Platzverhältnisse zu ungünstig gewesen, so dass Patienten auch bei schlechtem Wetter ungeschützt auf dem Bürgersteig warten mussten. Nun biete man den Besuchern mit Covid-19 Symptomen an der Eberswalder Straße ein besseres Angebot mit Zelt, sagt Weck. „Es geht darum, Leuten, die krank und verunsichert sind, eine Anlaufstelle zu geben.“

Wer sich hier meldet, wird keine Corona-Tests bekommen, die touristischen Zwecken dienen. Lediglich medizinisch notwendige Abstriche werden durchgeführt. Weck lehnt es ab, gegen Bezahlung Negativzeugnisse zu ermöglichen, mit denen sich das Beherbergungsverbot umgehen lässt. „Ich mache keine Gefälligkeitstests“, stellt sie klar.

Bezirksamt Pankow: Kein besonderes Risiko

Auch Pankows Gesundheitsstadtrat Torsten Kühne (CDU) signalisiert Unterstützung für das Angebot. Denn es sei „aus epidemiologischer Sicht besser, wenn die Betroffenen mit Abstand im Freien warten als in engen Räumlichkeiten im Inneren“, sagt Kühne. Die mögliche Beeinträchtigung für Nachbarn gehe nicht über das allgemeine Risiko, das derzeit vorliegt, hinaus. Und das Anstehen auf dem Bürgersteig vor dem Haus gehöre zum „Allgemeingebrauch des öffentlichen Raumes“. Die Situation erinnert an die Zeit, als sich im Frühling vor einer zwischenzeitlich eröffneten Corona-Teststelle am Krankenhaus Prenzlauer Berg Schlangen bildeten. Auch damals äußerten Anwohner Bedenken, man könne sich als Passant mit Covid-19 infizieren – doch eine belegte Ansteckung ist nicht bekannt.

Nach den Anwohnerbeschwerden zeigen nun Markierungen auf dem Weg die Wartebereiche für Patienten der Praxis an. Bei hohem Andrang stehen die Besucher der Sprechstunde auch auf dem Bürgersteig vor dem Haus, was mit den steigenden Fallzahlen seit September zusammenhängt. Derzeit besuchen die Anlaufstelle 60 bis 80 Patienten pro Tag.