Bauarbeiten verschoben

Ein neuer Plan für die Sanierung des Biergartens im Prater

Die Wirtin verweigert den Umbau – das Bezirksamt Pankow beharrt auf der Erneuerung maroder Leitungen. Nun schaltet sich die FDP ein.

Versorgungsleitungen verlaufen direkt unter dem Biergarten des Prater. Das Bezirksamt Pankow hält eine Sanierung deshalb nur für möglich, wenn der Garten geschlossen ist.

Versorgungsleitungen verlaufen direkt unter dem Biergarten des Prater. Das Bezirksamt Pankow hält eine Sanierung deshalb nur für möglich, wenn der Garten geschlossen ist.

Foto: DAVIDS/Christina Kratsch

Berlin. Es geht um Einnahmeausfälle, Existenzängste, Baumfällungen und die Frage, ob ein Jahr Bauzeit ausreichen wird, um Berlins ältesten Biergarten zu sanieren – und wie weit die Maßnahmen überhaupt gehen müssen. Der Prater in Prenzlauer Berg wird in diesem Herbst zum Schauplatz eines Clinchs zwischen Pächterin Dagmar Hillig und dem Bezirksamt Pankow, der Eigentümerin des 1837 eröffneten Vergnügungsorts.

Hillig will die aus ihrer Sicht geschäftsschädigenden Bauarbeiten nicht dulden – und wurde darin laut einem Bericht des „Tagesspiegels“ per Urteil des Landgerichts bestätigt. Immobilienstadtrat Torsten Kühne (CDU) muss nun einen Weg zu finden, sich mit der Wirtin zu arrangieren. In jedem Fall sei das ganze Areal „dringend sanierungsbedürftig“. Man werde „weiterhin alles versuchen, die notwendigen Maßnahmen zeitnah in Angriff zu nehmen und die Finanzierung zu sichern“, betont Kühne. Er weist daraufhin, dass noch weitere Gerichtsverfahren anhängig sind, deren Ergebnisse man abwarten müsse. Rückendeckung bekommt die Pächterin bei der Auseinandersetzung mit dem Bezirksamt Pankow nun von Sebastian Czaja, dem Fraktionsvorsitzenden der Berliner FDP.

Bezirksamt Pankow soll Teilbetrieb bei der Renovierung des Praters prüfen

Er fordert ein neues Herangehen an die Sanierung und sagte der Morgenpost: „Eine komplette Schließung ist mit der Existenz der Pächterin und dem Verlust von Arbeitsplätzen verbunden, dies gilt es aktiv zu vermeiden.“ Beide Seiten müssten „Möglichkeiten ausschöpfen und prüfen, inwiefern ein Teilbetrieb und eine Renovierung des Prater Garten im Parallelbetrieb möglich ist“.

Tatsächlich sollen in der kommenden Woche Kompromisse ausgelotet werden – dabei möchte die Pankower CDU-Fraktion vermitteln und eine neue Lösung finden, die den wirtschaftlichen Schaden durch die Biergarten-Schließung möglichst klein hält. Eine Variante wäre zum Beispiel, dass man die Baumaßnahme so portioniert, dass man bei schönem Wetter wenigstens auf einem Teil der Fläche Tische aufstellen kann.

Aber wäre diese Sanierung des Prater-Gartens bei laufendem Betrieb überhaupt möglich? Eine parlamentarische Anfrage von Sebastian Czaja, die der Redaktion vorliegt, ergibt: Ja – aber die Voraussetzungen dafür sind schwierig.

Warnung vor „enormer Verlängerung“ der Bauzeit

Laut Auskünften der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf Czajas Anfrage waren die bisherigen Planungen darauf ausgelegt, möglichst schnell ans Ziel zu kommen. „Um die Beeinträchtigungen in der Nutzung des Biergartens zeitlich so kurz wie möglich zu halten, ergibt sich bei einer durchgehenden Realisierung die kürzeste Bauzeit“, erklärt Staatssekretärin Wenke Christoph.

Und weiter: „Eine Bebauung in Bauabschnitten hätte zur Folge, dass mehrere Provisorien errichtet werden müssen, um eine technische Versorgung des Biergartens zu ermöglichen und die Sicherheit der eingeschränkten Besucherzahlen zu garantieren. Hinzu käme, dass der Umbau von Provisorien immer wieder zu Schließungen des gesamten Geländes führen würde“, heißt es zu den Problemen der Sanierung bei laufendem Betrieb.

Besonders problematisch dabei wäre die Ersetzung der Jahrzehnte alten Versorgungsleitungen – sie laufen vom historischen Portal des Praters quer durch den Garten. Schon allein für den Einbau eines neuen Regenwasser-Sickertanks bräuchte man eine größere Fläche für Material und Aushub. „Diese Leistungen abschnittsweise auszuführen, würde zu nicht kalkulierbaren Risiken im Bauablauf führen und die Bauzeit enorm verlängern“, warnt Christoph.

Czaja hingegen sieht das Gerichtsurteil als Beleg dafür, dass man mit dem bisherigen Plan die Blockade-Situation nicht lösen kann – und sagt: „Hier bedarf es neuer baulicher kreativer Lösungen.“