Erste Simulation

Neues Quartier in Weißensee steht im Zeichen der Kunst

Eine Jury hat den Siegentwurf für den Campus Weißensee gekürt. Hier wird die Kunsthochschule auf der Fläche von Kleingärten erweitert.

Ein zentraler Platz, leuchtende Fassaden und begrünte Dächer: Der Siegentwurf für die Erweiterung der Kunsthochschule Weißensee steht fest.

Ein zentraler Platz, leuchtende Fassaden und begrünte Dächer: Der Siegentwurf für die Erweiterung der Kunsthochschule Weißensee steht fest.

Foto: MLA+ Müller Michael Architekten PartGmbB Lohrengel Landschaft / BM

Berlin. Wo heute die letzten Laubenpieper ihre Kleingärten hegen, weicht die Beschaulichkeit der Avantgarde. Dass der neue Campus Weißensee auf dem Gelände der 100 Jahre alten Kolonie Hamburg entsteht, ist seit der Vertragsunterzeichnung mit Senat und Bezirksamt Pankow in diesem Sommer beschlossene Sache. Nun zeigt eine neue Machbarkeitsstudie den Berlinern auch erstmals, was sie nach dem Umbruch durch die Erweiterung der Kunsthochschule Weißensee konkret erwartet. Leuchtende Bilder auf gläsernen Fassaden, Dachbegrünung, blühende Kirschbäume in einem mit Sitzmöbeln bestückten Hof – ein Simulationsbild des Entwurfs, der die Jury eines Werkstattverfahrens am meisten überzeugt hat, gibt eine Ahnung von der neuen Verbindung zwischen studentischem Wohnen, Kunst und Stadtnatur.

Stadtplatz im Herzen des neuen Campus Weißensee

Im Wettbewerb durchgesetzt hat sich die Gemeinschaft der Büros MLA+, Müller Michael Architekten Part GmbB und Lohrengel Landschaft mit einer „engen Verzahnung von Alt und Neu“, wie die Jury lobt. Im Herzen des künftigen Campus-Geländes an der Bühringstraße liegt ein zweigeteilten Platz, der sowohl eine landschaftliche als auch eine städtische Seite bildet. Der Verlust der Gartenfläche wird dabei aufwendig kaschiert.

Atelierwohnungen für Studenten, Arbeitsräume für Künstler, Designer und Start-ups, Cafés und soziokulturelle Flächen für kreative Nutzungen – das alles ist rund um einen Quartiersplatz in Neubauten untergebracht, die man in der Machbarkeitsstudie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung „Cluster“ nennt. Mehrere Werkhöfe erlauben es, Kunst und Wissenschaft unter freiem Himmel auszuprobieren. Was den Juroren bei dem Siegentwurf zusagt, ist dabei die „einfache Grundordnung aus vier Quadranten mit einer klaren, gut proportionierten Mitte“. Der Eingang zum neuen Campus Weißensee im Bereich des zentralen Platzes befinde sich strategisch günstig an der Schnittstelle zwischen alter und neuer Hochschulfläche.

Juroren kritisieren die hohe Dichte des Entwurfs

Doch der Entwurf hat auch Aspekte, die dem Expertengremium mit Architekten, Senatsvertretern und Leonie Baumann, der Rektorin der Kunsthochschule Weißensee, missfallen. „Die hohe Dichte innerhalb der Baufelder wird kritisch betrachtet, ebenso wie das relativ enge Profil der begrünten Durchgänge“, heißt es in der Beurteilung der Juroren. „Hochpunkte“, die Bestandsgebäude überragen, solle man lieber vermeiden. In weiteren Arbeitsschritten müsste das Bündnis der Planerbüros in seinem Siegentwurf noch „mögliche Konflikte zwischen den unterschiedlichen Nutzungsarten Wohnen und Arbeiten lösen, sowie die grüne Durchwegung zwischen den Gebäuden offener gestalten“.

Bis dieses Modell in die Tat umgesetzt wird und die Kleingarten-Lauben mit Erweiterung der Kunsthochhochschule endgültig weichen, wird auf den Parzellen noch so manche Sonnenblume erblühen. Ein Baustart für den neuen Kreativcampus vor 2025 gilt als ausgeschlossen. Dann aber entsteht laut Rektorin Leonie Baumann ein „kulturelles Highlight des künstlerisch-wissenschaftlichen Austauschs im Norden Berlins“.