Stadtentwicklung

Pankow plant 400 Wohnungen - und schützt einen Igel

Das neue Quartier der Gesobau an der Idunastraße bringt bezahlbare Mieten - und sichert das Zuhause eines angestammten Bewohners.

Ein Igel genießt im neuen Quartier Iduna- Neukirchstraße in Pankow Bestandsschutz.

Ein Igel genießt im neuen Quartier Iduna- Neukirchstraße in Pankow Bestandsschutz.

Foto: Armin Weigel / dpa

Berlin. Es soll ein Stadtviertel werden, in dem Mensch und Tier harmonisch zusammenleben: In Pankow-Heinersdorf, auf der Freifläche zwischen Iduna- und Neukirchstraße, setzt das Bezirksamt bis 2021 einen Bebauungsplan für 392 Wohnungen der landeseigenen Gesellschaft Gesobau fest. Und hält dabei ein rund 300 Quadratmeter großes Stück der Brache frei. Hier soll sich ein Igel sicher fühlen, der bei den Voruntersuchungen als schutzwürdig klassifiziert wurde.

Es war nicht das einzige Umweltthema, das die Pankower Planer auf der Agenda hatten. So soll eine Straße durch das Quartier mit sickerfähigem Pflaster ausgestattet werden, weil in dem Gebiet bei starken Niederschlägen Probleme mit der Entwässerung zu erwarten sind, erklärt der für Bebauungspläne zuständige Experte Gerald Leue.

Wichtigstes Kriterium für die Wohnungen der Gesobau: 50 Prozent der Unterkünfte sollen mit geförderten Mieten auf den Markt kommen und einen Beitrag zur Entlastung der Berliner Wohnungsmarkts leisten.

Pankows Bezirkspolitiker loben Projekt – und scherzen über den Igel

Die Geschichte zur Planung der fünfgeschossigen Mietshäuser geht bis ins Jahr 2012 zurück, als schon einmal ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vorbereitet wurde. Vorwärts kam das Projekt aber erst, als die Gesobau die Fläche 2018 erwarb und den Bau des neuen Quartiers mit überarbeiteten Plänen vorantrieb.

Inzwischen steht auch fest, welche Bestimmung die zweite Freifläche an der benachbarten Romain-Rolland-Straße erhält. Hier sollen Investoren ein Seniorenpflegeheim mit Tagespflege und 100 Seniorenwohnungen bauen.

Aus Sicht des Bezirksamts Pankow gibt es dagegen keine Bedenken, weil sich das Projekt am Gesobau-Quartier orientiert, mit maximal vier Geschossen aber etwas flacher ausfällt. Als Treffpunkt für den gesamten Heinersdorfer Kiez versteht der Investor ein gläsernes Restaurant, das beide neuen Gebäudeteile verbindet und der Nachbarschaft offen steht – ebenso wie ein kleiner Park.

Seniorenpflegeheim könnte mehr Verkehr im Kiez erzeugen

Ein Konzept, das den meisten Bauexperten der Pankower Bezirksverordneten gefällt. „Es ist schwierig, so ein langgezogenes, schmales Grundstück vernünftig zu bebauen“, lobt SPD-Fraktionschef Roland Schröder den Einfallsreichtum. In der Umgebung sei bereits eine ältere Bevölkerung ansässig, die eine neue Senioreneinrichtung mit Restaurant wohl annehmen würde.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Kraft sieht das Seniorenheim neben dem Gesobau-Quartier als Bereicherung und würde sogar noch ein weiteres Geschoss befürworten, weil der Bedarf an Seniorenpflege eher wächst. Skeptischer zeigt sich die Linke, weil die Planungen zu wenig berücksichtigen, dass durch Besuchsfahrten der Angehörigen im Kiez mehr Verkehr entsteht.

Und der Igel? Den Schutz des stacheligen Bestandsbewohners sehen die Baupolitiker mit Humor. Und mutmaßen, dass er zwischenzeitlich entweder vor dem Lärm der Bagger flieht oder das Zeitliche segnet. So oder so: Die ihm zugewiesene Wiese, sie bleibt jedenfalls frei.