Kino-Sterben

Verdi demonstriert für Rettung des Kinos Colosseum

Durch die Schließung verlieren 43 Mitarbeiter des Kinos in Prenzlauer Berg ihre Jobs. Am 2. Juli zieht ein Protestzug durch den Kiez.

Protestbewegung in Prenzlauer Berg: Zur Not wollen die Mitarbeiter das Kino Colosseum selbst übernehmen. Den Umbau zum Bürozentrum lehnen sie ab.

Protestbewegung in Prenzlauer Berg: Zur Not wollen die Mitarbeiter das Kino Colosseum selbst übernehmen. Den Umbau zum Bürozentrum lehnen sie ab.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Trauersträuße säumen den Eingang des Kinos Colosseum, im Aushang sieht man parodierte Filmplakate mit Aufschriften wie „Nightmare on Gleimstreet“, gebastelt von den Gegnern eines möglichen Umbaus zum Büro-und Kongresszentrum. Es sind Vorboten einer Demonstration der 43 freigestellten Mitarbeiter, die am Donnerstag, 2. Juli, um 18.30 Uhr mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi gegen die Schließung des fast 100 Jahre alten Lichtspielhauses in Prenzlauer Berg protestieren werden. Bereits ab 14 Uhr sind vor den versperrten Türen des Kinos erste Aktionen geplant, die sich im Kiez an der Schönhauser Allee fortsetzen sollen. Das Ziel: Der Start von Filmvorführungen trotz ökonomischer Krise.

Nach der Insolvenz des Closseums hat eine Gemeinschaft von Erben des verstorbenen Eigentümers, Filmlegende Artur Brauner, eine Wiedereröffnung aber strikt verweigert – mit Verweis auf eine schwerwiegende wirtschaftliche Schieflage, die sich durch die Corona-Krise noch verstärkt haben. Nach jetzigem Stand gilt das Colosseum als einziges Kino Berlins, das am Donnerstag nach der Lockerung nicht wieder öffnet. Laut Senatswirtschaftsverwaltung sei derzeit zumindest kein vergleichbarer Fall bekannt. Im Hause von Senatorin Ramona Pop (Grüne) verweist man darauf, dass zu Beginn der Corona-Krise zahlreiche Kinos Kurzarbeitergeld und Soforthilfen beantragt und erhalten haben. Die Medienboard Berlin habe zusätzlich Kinoprogrammpreise in Höhe von 630.000 Euro „zur schnellen Minderung der wirtschaftlichen Folgen“ bereit gestellt, teilt die Wirtschaftsverwaltung auf Anfrage mit.

Bezirksamt Pankow will Kulturnutzung in Teilen des Kinos Colosseum durchsetzen

In einem Tagesspiegel-Beitrag hat Sammy Brauner als Miteigentümer des Colosseums zwischenzeitlich erklärt, dass sich die Lage in Prenzlauer Berg durch die Konkurrenz nach Eröffnung eines Kinos in der Kulturbrauerei verschlechtert hat und es keine Alternative gibt zur Schließung. Die von Gegnern oft bemühte Behauptung, dass es sich beim Colosseum um das Lebenswerk seines Vaters Artur gehandelt habe, sei falsch, berichtigt Brauner in dem Gespräch.

Zwar hat das Bezirksamt Pankow bestätigt, dass man der Erbengemeinschaft bereits im September 2019 einen Bauvorbescheid für eine Umgestaltung des Kinos im Sinne einer Büronutzung auf einer Fläche von 16.000 Quadratmetern erteilt habe. Allerdings nur unter Wahrung des Denkmalschutzes, der auch einen historisch wertvollen Saal betrifft. Alle weiteren Schritte sind bislang noch offen, bis das Bezirksamt Pankow mit den Investoren die Details des Projekts verhandelt – dabei will man eine kulturelle Nutzung „auf Teilen des Geländes“ festschreiben, wie Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) betont.

Verdi bezweifelt Zusammenhang zwischen Corona und Kino-Schließung

Bei Verdi geht man weiter davon aus, dass die Corona-Krise als Erklärung für die Schließung des Kinos nicht in Frage kommt. „Dieser Anlass ist nach Auffassung von Verdi nur vorgeschoben“, heißt es im Aufruf zur Demonstration. „Das Colosseum muss dem Bezirk erhalten bleiben. Die Belegschaft nimmt es nicht hin, dass ein wichtiger Kulturort im Bezirk Pankow verloren geht. Das Colosseum hat eine lange Tradition, es gehört zum kulturellen Erbe der Hauptstadt. Wir appellieren an Sammy Brauner und die Erbengemeinschaft Artur Brauner, dem Colosseum eine Chance zu geben“, sagt Gewerkschaftssekretär Jörg Reichel.

Unterstützung für diese Forderung kommt von den nunmehr 5000 Unterzeichnern einer Online-Petition zur Rettung des Kinos. Seit dem Start der Aktion vor einer Woche wurden aus den Unterstützerkreisen auch Vorschläge zur Gründung einer Genossenschaft für ein kommunales Kino laut. „Wir Beschäftigten sind bereit, das Kino zu übernehmen“, heißt es im Aufruf zur Demonstration, der als Plakat vielerorts in Pankow an Wänden prangt. Ob sich die Betreiber des Colosseums darauf einlassen werden? Klar ist: Selbst wenn der Betrieb wieder starten würde, müsste man mit stark verringerter Bestuhlung um den Fortbestand kämpfen. Der Wettbewerbsdruck auf dem Berliner Kinomarkt – er wird durch die Corona-Regeln nicht kleiner.