Grünanlagen

Vier Jahre nach Baustart: Erweiterung des Mauerparks öffnet

Zum Start in die Sommerferien nehmen Berliner am Freitag, 26. Juni, die neuen Teile des Mauerparks in Besitz.

Im neuen Teil des Mauerparks ist der Name der Grünanlage auf die neue Flohmarktfläche geschrieben. Die Gewerbegelände neben dem Mauerpark wurde als Park umgebaut und damit die Fläche des Parks verdoppelt.

Im neuen Teil des Mauerparks ist der Name der Grünanlage auf die neue Flohmarktfläche geschrieben. Die Gewerbegelände neben dem Mauerpark wurde als Park umgebaut und damit die Fläche des Parks verdoppelt.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin. Im Frühling hatten die ersten Berliner schon einmal unerlaubt die neue sieben Hektar große Erweiterungsfläche des Mauerparks erkundet. Nun wird sie am Freitag um Punkt 17 Uhr offiziell eröffnet. Die Bauzäune weichen – um in Zeiten der Corona-Abstandsregeln einen Großauflauf zu vermeiden – ohne große Zeremonie. Dabei handelt es sich hier um die wohl größte zusätzliche Grünfläche Berlins, seitdem der Park am Gleisdreieck zum ersten Mal Besucher empfing.

Die auf 15 Hektar verdoppelte Freizeitfläche an der Grenze der Stadtteile Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen steht Berlinern damit vier Jahre nach dem offiziellen Baustart und etwas mehr als 25 Jahre nach der Premiere des „alten“ Mauerparks erstmals in ihrer endgültigen Form zur Verfügung. „Es gibt ruhigere Ecken für Erholungsuchende, Platz für gemeinsames Gärtnern und mehr Spielmöglichkeiten. Aber auch die Kultur, die beliebten Karaoke-Veranstaltungen und der Flohmarkt behalten ihren Platz im Mauerpark. Das wird das Miteinander im Park erleichtern“, erklärt Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) zur Konzeption. Bei der Ausarbeitung des neuen Parkteils durch den Architekten Professor Gustav Lange galt das „Laut-Leise-Prinzip“, das die geräuschintensiven Aktivitäten im alten Parkteil versammelt. Und im Erweiterungsgebiet herrscht dafür Ruhe. So lautet wenigstens der Plan.

Neuer Teil des Mauerparks bildet Gegenpol zum Bestandsgelände

Im Mittelpunkt der Ost-West-Verbindung sei auf Höhe der Lortzingstraße ein 32 Meter großer Steinkreis aus Mauerpark-typischen Granitblöcken entstanden, beschreibt Senatorin Günther die Neuerung. Umrandet von steinernen Sitzgelegenheiten beherberge er einen großen Tisch und symbolisiere als Treffpunkt und Aufenthaltsfläche das Zusammenwachsen der umliegenden Kieze der Bezirke Pankow und Mitte.

Daneben gibt es in der Erweiterungsfläche zusätzliche Rückzugsorte mit Liegewiesen, Rasenflächen und einem Gemeinschaftsgarten. Zusammen mit dem Spielplatz, der mit Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Kiezen gestaltet wurde, bildet der zusätzlich geschaffene Bereich einen Gegenpol zum temperamentvollen Bestandspark. Insgesamt soll sich der Besucherandrang von bis zu 40.000 Menschen an Sonntagen künftig besser entzerren.

Als einen „offenen, fröhlichen Ort im ehemaligen Grenzgebiet”, begreift den neuen Parkteil Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). Inmitten des Großstadtverkehrs soll er als „Oase“ zur Entspannung und Erholung dienen. Lange begleitet hat das Projekt auch Alexander Puell, der Vorsitzende der Freunde des Mauerparks. „Für uns ein idealer Kontrast zum quirligen und weltweit für seine Musik geliebten Bestands-Mauerpark“, beurteilt Puell das Ergebnis.

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Umbau der Kartoffelhalle im Mauerpark erst im Herbst

Für Gustav Lange ging es vor allem darum, entlang des früheren Todesstreifens einen Ort zu schaffen, an dem Geschichte und Gegenwart gleichermaßen erfahrbar sind. Auch der Laie kann den Verlauf der Berliner Mauer auf einer Länge von 293 Metern anhand einer Doppelpflastersteinreihe nachvollziehen. Um die Historie ins Bewusstsein zu rufen, entstand außerdem ein Vorplatz zwischen Schwedter Straße und dem Eingang des Lokals „Mauerseglers“. Hier finden sich Überreste der ehemaligen Grenzanlagen zwischen Ost- und West-Berlin neben einer Fahrzeugsperre, die eine Flucht aus der ehemaligen DDR verhindern sollte. Ebenso der Eingang eines Fluchttunnels. Wirklich lebendig wird dieser Ort durch eine Ausstellung der Gedenkstätte Berliner Mauer, die ab Ende 2020 diese Relikte erklären wird.

Noch länger warten muss man auf den Umbau der „Kartoffelhalle“, früher ein Gewerbegebäude, künftig das Parkkulturzentrum. Nach Verzögerung soll der Umbau erst im Herbst 2020 starten – dafür entstehen dann in der Kartoffelhalle erstmals Parktoiletten. Und in der Zwischenzeit? Da dürfen Besucher der Mauerparks ihre Geschäfte in Toilettencontainern verrichten.