Umweltproblem

Bezirk: Schadstoffe im Brunnen für Weißen See „überraschend“

Neuer Brunnen kann den austrocknenden Weißen See im Sommer nicht auffüllen. Ohne Schadstofffilter geht die Anlage nicht in Betrieb.

Zwei Enten beobachten das Strandbad Weißensee aus der Ferne. Der Pegel des Badegewässers sinkt weiter.

Zwei Enten beobachten das Strandbad Weißensee aus der Ferne. Der Pegel des Badegewässers sinkt weiter.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Rund 50.000 Euro nahm das Bezirksamt Pankow in die Hand, um ein gravierendes Umweltproblem ein für alle mal zu lösen: Mit frischem Wasser aus einem neu gebohrten Tiefbrunnen wollte man den chronischen Wasserschwund im Weißen See stoppen. Die neue Anlage wäre technisch gesehen ein Ersatz für die maroden alten Brunnen aus den 1970er Jahren, die den Wasserspiegel nicht mehr halten konnte. Aber in diesem Sommer darf die neue Anlage wohl nicht mehr in Betrieb gehen. Denn das frische Wasser, das der Brunnen aus dem Boden fördert und in den See pumpen soll, ist, wie berichtet, mit Schadstoffen belastet – zur Überraschung aller Beteiligten. Und eine schnelle Lösung für einen Start des Brunnens sieht Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) offenbar nicht mehr. In einem Bericht des Bezirksamts machte er am Dienstagabend deutlich, dass er keine baldige Freigabe durch den Senat erwartet. Voraussetzung für den Start des Brunnens wäre der Kauf und Einbau eines zusätzlichen Kohlefilters, „der einiges kostet“.

Chemikalien könnten Brunnenwasser am Weißen See verschmutzt haben

Zu den genauen Anschaffungskosten des Filters machte Kuhn keine Angaben. Stattdessen bestätigte er einen Plan, über den die Berliner Morgenpost vorab berichtet hat. Man werde versuchen, den See vorläufig mit Trinkwasser zu befüllen statt mit Grundwasser aus dem belasteten Brunnen. Das könnte den Pegel vorübergehend stabilisieren. Die aussichtsreichste Möglichkeit zur Einleitung von Trinkwasser bietet das Strandbad Weißensee. Dessen Pächter, Alexander Schüller, kann seinen Betrieb aufgrund der Corona-Krise derzeit nicht wirtschaftlich betreiben. Aber er hat bereits angekündigt, seine Leitung zum Auffüllen des Gewässers freizugeben – sofern er dafür nicht die Kosten trägt. Immerhin zahlt man in Berlin derzeit 0,5 Cent pro Liter Trinkwasser.

Warum das Wasser des neu gebauten Brunnens mit so genannten leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffe belastet ist, darüber gibt es erste Vermutungen. Stadtrat Kuhn geht davon aus, dass zur DDR-Zeit im Bereich des Brunnens womöglich ein Betrieb ansässig war, in dem Reinigungschemikalien zum Einsatz kamen. Aber hätte man die mögliche Schadstoffbelastung im Boden nicht prüfen müssen, bevor die Brunnenbohrung begann? Anders als bei Brunnen, die direkt der Trinkwasserversorgung dienen, sei bei Grundwasserbrunnen keine vorherigen Altlasten-Bohrung üblich, sondern lediglich eine „Erkundung“, erklärt der Stadtrat. Ein Schadstoffbefund sei jedenfalls nicht ersichtlich gewesen – „das hat dann alle überrascht.“

Verein fordert weitere Tests am Brunnenwasser des Weißen Sees

Inzwischen fordert auch der Verein Parkfreunde Weißensee eine Lösung des Problems – und schlägt weitere Testungen des Brunnenwassers vor. „Wir werden uns für eine erneute Probe stark machen, um die baldige Inbetriebnahme zu erreichen“, heißt es in einer neuen Mitteilung des Vereins. Dass der Bezirk nun offiziell die Anschaffung eines Reinigungsfilters plant, zeigt aber, dass der Schadstoffbefund bei Messungen des Brunnenwassers kein Zufall war.

Experten gehen davon aus, dass der Wasserschwund einen schädliche Einfluss für die Natur zur Folge haben kann. Wenn der Stand sinkt, beschleunigt sich die Algenbildung – wodurch der Weiße See schlimmstenfalls umkippt.