Coronavirus in Berlin

Corona-Krise: Berliner Saunen fürchten das Aus

Die Betreiber von 15 Saunen sehen sich in ihrer Existenz bedroht fordern in einem Brandbrief Lockerungen.

Abstand wahren beim Wellness: Franziska Witt vom „Saunarium“ in Pankow zeigt mit Handtüchern die Distanz, die sie ihren Gästen bieten möchte.

Abstand wahren beim Wellness: Franziska Witt vom „Saunarium“ in Pankow zeigt mit Handtüchern die Distanz, die sie ihren Gästen bieten möchte.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Abstandsregeln und Abhärten, Wellness und Virus-Abwehr – geht das zusammen? „Natürlich“, sagt Franziska Witt vom „Saunarium“ in Pankow. Und spricht im Namen eines Bündnisses von 15 Berliner Sauna-Betrieben. Die Senatsgesundheitsverwaltung hingegen beharrt auch beim Abflauen der Corona-Krise auf ihrem Nein.

Während Lockerungen für Fitnessstudios und Yoga-Kurse greifen, geraten Betreiber der Wellness-Einrichtungen langsam in Panik. Spätestens mit der Öffnung der Brandenburger Saunen am kommenden Wochenende droht ihnen die Kundschaft abzuwandern.

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Alle Mitarbeiter des „Saunariums“ in Kurzarbeit

„In manchen Kneipen geht es enger zu als bei uns“, ärgert sich Witt über eine Corona-Politik, die aus ihrer Sicht manche Branchen mit Lockerungen begünstigt und andere vergisst. Ins Gedächtnis rufen wollen sich die Betreiberin des Pankower „Saunariums“ und ihre Mitstreiter aus dem ganzen Stadtgebiet mit einem Brandbrief, der in diesen Tagen Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) erreichen soll.

„Wir Berliner Saunen erwarten dringend Aussagen darüber, welche Bereiche unserer Anlagen aus Ihrer Sicht eine Gefährdung für unsere Gäste darstellen und weshalb uns nicht die Möglichkeit gegeben wird, diese Gefährdung durch angepasste Arbeitskonzepte auszuräumen wie in anderen Branchen“, heißt es darin. Bisher gebe es nicht einmal Versuche, mit Sauna-Betreibern ins Gespräch zu kommen, bedauert Franziska Witt, die alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste und nun von ihren „eisernen Reserven“ zehrt.

Berliner Saunabetreiber: Hitze zerstört Coronavirus

Aus Sicht des Saunen-Bündnisses, zu dem auch das „Vabali-Spa“ in Moabit, das „Liquidrom“ in Kreuzberg oder die „Therme am Europacenter“ gehören, wäre der Sommer genau die richtige Zeit, Abstands- und Hygieneregeln einzuüben. Dass die Besucherdichte jetzt auch ohne harte Einlassbeschränkungen absinkt, liege in der Natur der Sauna.

Zugleich ist man gewillt, alle Anlagen so umzurüsten, dass eine Ansteckung mit dem Coronavirus so unwahrscheinlich wie möglich wird. Wie es in ihrer finnischen Sauna zugehen würde, zeigt Franziska Witt mit Handtüchern als Platzhalter: Statt 30 Besuchern würde sie hier weniger als zehn einlassen. Sicherheitshalber ohne die besonders beliebten Aufgüsse mit Handtuch-Gewedel.

Aber das Berliner Saunen-Bündnis geht ohnehin davon aus, dass SARS-CoV2 das Klima rund um den Sauna-Ofen kaum verträgt. „Den aktuellen wissenschaftlichen Stand gemäß werden Viren ab einer Temperatur von circa 55 Grad inaktiv“, steht im Schreiben an Kalayci – die Wohlfühltemperatur der Kundschaft liegt bei über 90 Grad. Man stellt sogar in Aussicht, kühlere Saunen anzuheizen, um das Virus zu zerstören. So lange diese Vorschläge kein Gehör finden, betreibt Witt ihre Sauna in Pankow als reine Massage-Praxis. Denn obwohl man sich etwa bei der Lockerung eines verspannten Rückens zwangsläufig näher kommt als beim Saunieren mit Abstandsregeln, ist das eine erlaubt und das andere verboten.

Auch das „Vabali“ in Mitte hat wieder geöffnet, allerdings nur den Außenbereich mit Pool, Garten und Sonnendecks. Zudem steht den Gästen das Restaurant und das Massageangebot zur Verfügung, heißt es auf der Website des „Vabali“. Die Saunen bleiben geschlossen.

Brandenburger Sauna zeigt Besucherlimit auf dem Parkplatz

Wie sich das gesunde Schwitzen mit Hygieneregeln verbinden lässt, wird am Wochenende die Konkurrenz im Berliner Umland proben. Denn Brandenburger Saunen, wie zum Beispiel das „Satama“ am Scharmützelsee, dürfen ab dem 13. Juni wieder öffnen – auch wenn man die altgewohnte Routine aus Hitze und Ruhe ganz neu lernen muss. Wie das pandemiegerechte Regelwerk aussieht, bringt das „Satama“ Gästen derzeit auf Facebook bei.

Das Umdenken beginnt schon vor der Tür: „Wenn Parkplatz voll, dann Sauna voll“, lautet der Grundsatz zum Anzeigen der gesenkten Kapazität. Empfohlen wird Gästen eine Tragetasche, die nicht größer als DIN A3 ist und die man nicht mehr an einem „Hotspot“ dicht an dicht lagert, sondern in einem „luftigen Raum“, der dafür freigeräumt wurde. Ankommende Gäste platziert das Personal in voneinander entfernten Umkleiden, um das Abstandsgebot einzuhalten. Spind-Schlüssel überreicht man frisch desinfiziert.

Im Saunabereich ohne Mundschutz

Im Saunabereich mit Ruhezone, Garten und Restaurant darf man den Mundschutz abstreifen, nur beim Einchecken und in der Umkleidezone ist ein „Schnutenpulli“, wie man den Schutz scherzhaft nennt, geboten.

Weil das Wedeln mit Handtüchern oder Fächern beim Aufguss entfällt, will das „Satama“ eine Alternativlösung anbieten, mit denen man Gäste überraschen will. Staus vor den Duschen sollen Gäste selbstständig vermeiden.

„Warten Sie bitte, bis ein Hausstand mit maximal zwei Personen fertig ist und betreten erst im Anschluss den Duschbereich“, lautet der Rat. Eine Lösung für Berliner Saunen? „Auf jeden Fall“, sagt Franziska Witt. „Aber hier rettet man ja lieber Raucher-Kneipen als uns.“

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