Prenzlauer Berg

Zuflucht vor Corona: Berliner entern den neuen Mauerpark

Ein neuer Teil des Mauerparks ist noch geschlossen – aber erste Besucher verschafften sich unerlaubt Zutritt. Das hat Konsequenzen.

Eigentlich soll das neue Stück des Mauerparks, in dem dieser Tage gegärtnert und gegossen wird, erst im Juni eröffnen. Aber nicht alle wollen so lange warten. 

Eigentlich soll das neue Stück des Mauerparks, in dem dieser Tage gegärtnert und gegossen wird, erst im Juni eröffnen. Aber nicht alle wollen so lange warten. 

Foto: Thomas Schubert / BM

Berlin. Im Mauerpark mühen sich die Berliner dieser Tage sichtlich, einen Kompromiss zu finden zwischen dem Ausleben von Frühlingsgefühlen und der Einhaltung der Corona-bedingten Abstandsregeln. Manche haben nun eine eigene Idee entwickelt, um einem möglicherweise zu dichten Gedränge in der schmalen Grünanlage zu entgehen: Sie weilen einfach in einem neuen Teil des Parks, der noch gar nicht eröffnet ist. Auch einige Familien mit kleinen Kindern fanden die offene Baustellenzufahrt und den frisch gesäten Rasen im nördlichsten Winkel der Fläche zu verlockend, um nicht einzutreten.

Von einem offiziellen Start der 7,5 Hektar großen Erweiterungsfläche des Mauerparks ist allerdings weder beim Bezirksamt Pankow noch bei der Senatsumweltverwaltung noch bei der Stiftung Grün Berlin, die den Park verwaltet, die Rede. Nach Informationen der Berliner Morgenpost steht inzwischen auch keine große Eröffnungsfeier des neu gestalteten Areals im Juni mehr zur Diskussion – das Coronavirus stoppt zwar nicht die Bauarbeiten im neuen Park, wohl aber die sozialen Aktivitäten.

Ein Stopp, der die Ersten animiert, die Regeln zum Aufenthalt im Grünen etwas freier auszulegen. So hielten sich am Mittwoch ganz selbstverständlich ein halbes Dutzend Parkbesucher im fast fertig gestellten Abschnitt auf, um zwischen Gärtnern und Baggern Ruhe zu finden. Eine Ruhe, wie man sie im dicht bevölkerten alten Park nur schwer findet.

Neuer Teil des Mauerparks wird gegen Eindringlinge besser gesichert

Formell ist das nicht erlaubt. Und auch wenn die Senatsumweltverwaltung Sympathie äußert für Familien, die Abstandsregeln befolgen wollen – die vorübergehend offenen Tore werden definitiv wieder geschlossen. Und gegen Eindringlinge besser gesichert. „Eine vorzeitige Freigabe ist leider nicht möglich“, teilt eine Sprecherin der Stiftung Grün Berlin auf Anfrage mit.

Auch nicht zum Schutz vor Corona. Besucher müssten sich noch ein wenig gedulden, so lange die letzten Arbeiten laufen. „Der junge Rasen muss noch anwachsen und würde einem Betreten aktuell noch nicht standhalten“, heißt es als Begründung. Grün Berlin arbeite aktuell „mit Hochdruck“ daran, die Erweiterung des Mauerparks in Prenzlauer Berg bis zu den Sommerferien freizugeben. Mehr Platz für die Berliner wird es bis dahin nicht geben.

Pankower Traditionsfest zum Tanz in den Mai fällt wegen Corona aus

Auch beim Verein Freunde des Mauerparks sieht man das unbefugte Weilen im „neuen“ Park eher skeptisch „Wir gehen davon aus, dass die Erweiterungsflächen im Sommer freigegeben werden, sobald die noch laufenden Bauarbeiten weitgehend abgeschlossen sind. Momentan gibt es an zahlreichen Stellen noch Arbeiten mit schwerem Gerät. Auch Bäume und Rasenflächen sollten erstmal anwachsen können“, sagt der Vorsitzende Alexander Puell. „Wir hoffen, dass die vielen Besucher die Ostertage im Mauerpark besonnen begehen und die wichtigen Corona-Regel beherzigen und so gesund bleiben.“

Soeben haben die Freunde des Mauerparks bekanntgegeben, auf eine Planung der Friedlichen Walpurgisnacht in der Nacht zum 1. Mai zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus zu verzichten. Ursprünglich hatte man nach dem Scheitern der Feier im vergangenen Jahr eine Lösung finden wollen, wie die Friedliche Walpurgisnacht trotz deutlich strengerer Auflagen des Bezirksamts Pankow wieder stattfinden kann.

Neuer Mauerpark greift Stilelemente der 25 Jahre alten Bestandsfläche auf

So wird man auf größere Zusammenkünfte im Mauerpark wohl noch auf Monate verzichten müssen. Und sich dann zum Sommer an der formellen Freigabe der Erweiterungsfläche erfreuen können. Genau wie im bekannten Abschnitt, der es mit seinem Flohmarkt, dem Karaoke im Amphitheater und der Graffitiwand zu internationaler Bekanntheit brachte, übernahm hier erneut der Landschaftsarchitekt Professor Gustav Lange die Gestaltung. Liebhaber seines Werks hatte 2019 im Stillen das 25-jährige Bestehen der Eröffnung gefeiert.

Als prägendes Merkmal des neuen Mauerpark-Parts gilt eine breite, mit Platanen gesäumte Promenade, ausgehend von der Bernauer Straße. Sie zieht sich künftig quer über das Gelände des Flohmarkts bis zur Lortzingstraße und führt zu einer Multifunktionsfläche mit Holzpodesten, einem weiteren Kinderspielplatz und neu aufgestellten Sitzgelegenheiten auf Höhe des Regenbogenspielplatzes.

Typische Gestaltungsmerkmale aus dem alten Park wie die grob gehauenen Granit-Blöcke finden sich auch im erweiterten Gelände, das für eine Verdoppelung der Erholungsfläche auf 14,5 Hektar sorgt, wieder. Und mit dem neuen, asphaltierten Hauptweg entsteht an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen ein fahrradfreundlicher Kontrapunkt zur holprigen Kopfsteinpflaster-Straße – jener ersten Mauerpark Achse, mit der vor einem Vierteljahrhundert die Geschichte des Parks im früheren Todesstreifen begann.