Stadtentwicklung

Pankower Tor bekommt vier Tramhaltestellen und vier Garagen

Mobilitätskonzept: Kurt Kriegers Quartier mit 2000 Wohnungen wird autoarm. Neue Tram und Panke Trail bilden Rückgrat des Verkehrs.

Neue Wege am Bahnhof Pankow: Wo derzeit die Tram-Linien M1 und 50 abfahren, soll ein neuer Zweig nach Weißensee entstehen. Er erschließt das neue Quartier Pankower Tor, das sich östlich des Bahnhofs befindet.

Neue Wege am Bahnhof Pankow: Wo derzeit die Tram-Linien M1 und 50 abfahren, soll ein neuer Zweig nach Weißensee entstehen. Er erschließt das neue Quartier Pankower Tor, das sich östlich des Bahnhofs befindet.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Es war eine Erfolgsnachricht nach über zehn Jahren Streit: Im Januar stand fest, dass auf der Brache des früheren Güterbahnhofs Pankow ein modernes Stadtquartier mit 2000 Wohnungen, Geschäften, zwei Schulen und zwei Kitas in Holzbauweise entstehen. Nun meldet Investor Kurt Krieger, der beim Neubau des Quartiers Pankower Tor 500 Millionen Euro investiert, den nächsten Durchbruch: Man habe sich mit dem Bezirksamt Pankow auf ein Mobilitätskonzept geeinigt, gab die Firma Krieger den nächsten Schritt in Richtung Baustart bekannt.

Darin soll erstmals detailliert erklärt werden, wie man das Pankower Tor als „autoarmes Stadtquartier“ der Zukunft entwickeln will – so wie es Pankows Bezirkspolitiker immer wieder gefordert hatten. Das Rückrad der Mobilität für die Bewohner des künftigen Stadtquartiers bildet eine neu entstehende Straßenbahnlinie. Sie verkehrt entlang des künftigen Viertels zwischen dem S- und U-Bahnhof Pankow an der Granitzstraße zum S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf und führt dann weiter bis zum Pasedagplatz in Weißensee, wo Trams eine heute schon vorhandene Wendeschleife der Linie 12 nutzen können. „Im geplanten Quartier sind vier Haltestellen vorgesehen, je eine an den Bahnhöfen, eine an der geplanten Grundschule sowie eine auf Höhe der Neumannstraße“, gibt die Firma Krieger jetzt erstmals Details zum Tram-Projekt des Senats bekannt. Die entsprechende Trasse werde beim Bau des Pankower Tors frei gehalten. Eine Formulierung, die nahe legt, dass der Investor mit einem Projektstart rechnet, bevor die Gleisbauarbeiten beginnen.

Pankower Tor: Radschnellweg Panke Trail soll viele Pkw überflüssig machen

Gleich neben der neuen Straßenbahnlinie verläuft ein breiter Radweg, der den auf der anderen Seite des Quartiers laufenden Radschnellweg „Panke Trail“ ergänzt. Er führt entlang des Damms der S-Bahn-Linie S2 von Karow bis zum Mauerpark - und erschließt mittendrin Kriegers Quartier. „Der übergeordnete Radverkehr soll in Ost-West-Richtung entlang der Granitzstraße und über die Radschnellverbindung Panke Trail entlang der Bahntrasse geführt werden“, heißt es im Mobilitätskonzept. Damit hätte man also sogar an beiden Kanten des Pankower Tors eine schnelle Radverbindung Richtung Innenstadt: An der Oberkante den Radweg an der Straßenbahn Pankow-Weißensee, an der Unterkante den Schnellweg Panke Trail.

Ein wahrscheinlicher Baustart für diese Express-Straße am S-Bahndamm soll voraussichtlich schon Ende 2021 erfolgen – damit wäre der Panke Trail wohl fahrbereit bevor das Pankower Tor gebaut wird. Zuletzt war der Senat damit befasst, aus 40 möglichen Streckenführungen für den rund 30 Kilometer langen Panke Trail eine Vorzugsvariante zu bestimmen. Bei der Vorstellung eines Zwischenstands einer Machbarkeitsstudie 2019 war die Senatsverkehrsverwaltung aber nicht auf eine Problematik des Schnellwegs eingegangen: Der Schnellweg muss am Bahnhof Pankow die Berliner Straße – einen stark befahrenen Verkehrsknoten queren. Damit der Radverkehr hier ohne Halt Richtung Stadtzentrum fließen kann, braucht es eine aufwendige Brücken-Konstruktion über die Berliner Straße hinweg. Wie die Schließung dieser Kluft konkret gelöst wird, dazu gibt auch das neue Mobilitätskonzept noch keine Auskunft.

Bezirksamt Pankow sieht weiteren Klärungsbedarf beim Verkehr

Anders als es Kriegers Nachricht nahelegt, sieht das Bezirksamt Pankow die Planung des Verkehrs nicht am Ziel. „Es sind weitere Abstimmungen im Gange, von daher kann von einem generellen Konsens jetzt nicht gesprochen werden“, erklärt Bau- und Verkehrsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) auf Nachfrage. Es gebe weiterhin Klärungsbedarf zwischen Krieger und der Senatsverkehrsverwaltung.

Klar ist sicher der „autoarme“ Grundcharakter des Quartiers. Parkplätze direkt an den Wohnhäusern, wie in klassischen Berliner Wohngebieten, wird es Pankower Tor nicht geben. Stattdessen entstehen vier so genannte „Quartiersgaragen“, in denen Autos an bestimmten Punkten gesammelt werden. Von dort aus geht es mit der Fahrrad oder zu Fuß zur eigentlichen Wohnadressen.

Vier Quartiersgaragen sammeln Autos an zentralen Punkten des Quartiers

Direkte Pkw-Straßenverbindungen gibt es nur zu den Einzelhandelsflächen im Kiez, zu den Quartiersgaragen und zwei zusätzlichen Mobility-Hubs, wo man zum Beispiel Carsharing nutzen kann. Dort finden sich auch Ladesäulen für E-Autos und Servicestationen für Fahrräder. Zusätzlich entsteht am Bahnhof Pankow ein großes Fahrradparkhaus mit über 1000 Plätzen. Kleinere Abstellplätze befinden sich überall im Kiez. „Durchgangs- und Schleichverkehre durch das Wohnquartier sollen baulich unterbunden werden“, meldet Krieger, der es mit seinen Möbelunternehmen zum Milliardär brachte.

Kröten könnten umgesiedelt werden - oder bekommen Habitat

Als nächstes will der Bauherr mit dem Landes Berlin und Naturschutzverbände erörtern, wie man mit der Kreuzkröten-Population auf der Bahnbrache umgeht. „Unmittelbar nach den durch das Coronavirus bedingten Abstimmungseinschränkungen soll das Workshopverfahren starten“, heißt es. Sowohl eine Umsiedlung der Kröten als auch ein Schutzhabitat auf dem heutigen Gelände kommen in Betracht. Als frühester Zeitpunkt für den Baubeginn gilt nach einem verzögerten Start des Bebauungsplanverfahrens laut Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) derzeit das Jahr 2023.

Damit tritt gegenüber den ursprünglichen Planungen eine Verzögerung um mindestens zwei Jahre ein. Bei der letzten großen Anwohnerversammlung in der Pankower Hoffnungskirche im Herbst 2018 hatte Kurt Krieger noch die Hoffnung bekundet, dass auf seinem Areal zwischen Bahnhof Pankow und Prenzlauer Promenade 2021 „die Kräne tanzen werden“. Einer Grundsatzvereinbarung mit Senat und Bezirksamt aus dem gleichen Jahr folgte aber ein erneuter harter Schlagabtausch, bei dem sich die Entscheider von Kriegers Firma und des Bezirksamts vor einem Sitzungssaal sogar anbrüllten. Und bei dem es zuletzt vor allem um den Bau einer Gemeinschaftsschule im Bereich der stark verfallenen, historischen Lokschuppen am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf auf dem Projektgelände ging. Fest steht bislang lediglich nur, dass eines der drei Bahn-Denkmale, der markante Rundlokschuppen, eine Restaurierung erfährt.

Offen bleibt dessen neue Nutzung, wobei es an Vorschlägen im Laufe des 13 Jahre langen Streits um das Wohnquartier nicht fehlte: vom Kaufhaus bis zum Kulturort reichte die Spanne der Ideen. Dampflokomotiven braucht es am Pankower Tor jedenfalls keine mehr – die Zukunft des einstmals größten Rangierbahnhofs Deutschlands gehört der Tram.