Corona-Krise in Berlin

„Happy End finden“ - Wie Familien über Corona reden sollten

Kinderbuchautorin Cally Stronk vermittelt in ihren Büchern ernste Themen. Die Corona-Krise sieht sie als pädagogische Chance.

Kinder brauchen auch in der Corona-Krise ehrliche Ansagen und einen optimistischen Ausblick, betont Autorin Cally Stronk aus Pankow.

Kinder brauchen auch in der Corona-Krise ehrliche Ansagen und einen optimistischen Ausblick, betont Autorin Cally Stronk aus Pankow.

Foto: Thomas Schubert / BM

Berlin. Keine Kita, gesperrte Spielplätze, abgesagte Ausflüge mit Oma. Das Leben in Berlin kommt zur Ruhe – außer in Parks, wo junge Erwachsene voller Lebensfreude gegen Beschränkungen aufbegehren. Schon Erwachsenen fällt es in diesen Tagen schwer, die Corona-Krise mit ihren Widersprüchlichkeiten zu begreifen. Wie sollen Kinder eine Pandemie verstehen? Jetzt kommt es vor allem darauf an, wie man in Familien über das Außergewöhnliche spricht und welche Schlussfolgerungen Kinder für sich aus ernsten Gesprächen über Corona ziehen – das sagt Kinderbuchautorin Cally Stronk aus Pankow. Die amtierende Trägerin des Preuschhof-Preises für Jugendliteratur sieht Parallelen zum Film und betont deshalb: „Man sollte versuchen, in Gesprächen ein Happy End zu finden.“

Wie kann man Kindern erklären, dass sie auf Spielplätzen Abstand halten müssen, um nicht zum Überträger des Coronavirus zu werden?

Das ist natürlich hart für die Kinder, dass sie im Moment nicht auf die Spielplätze dürfen, und auch ihre Freunde nicht sehen dürfen. Dazu verdienen sie eine Erklärung. Dabei muss man zu Kindern ehrlich sein – denn sie spüren genau, wenn etwas nicht stimmt. Wichtig ist aber auch, dass man ihnen keine Angst macht. Was immer man sagt: Ich rate dazu, dafür zu sorgen, dass nach der ehrlichen Erklärung das Sicherheitsgefühl bleibt. Ungünstig wäre es zum Beispiel zu sagen: Wenn du das nicht machst, sterben Oma und Oma. Stattdessen kann man mit Kindern die Hygiene- und Abstandsregeln spielerisch üben. Kinder müssen verstehen lernen, dass es jetzt neue Regeln und Einschränkungen gibt. Aber es muss klar sein, weshalb man das macht. Also keine Panik-Mache! Vor allem kleine Kinder brauchen ein Happy End. Bei einem Buch genauso wie im wahren Leben.

Was wäre so ein Happy End? Was ist das Gute an Corona?

Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen jetzt kreativ werden und sich um ihre Gesundheit kümmern. Das kann man auch wunderbar gemeinsam mit Kindern tun. Darüber hinaus könnte man jetzt zum Beispiel anfangen, auf den Balkonen und in den Gärten Gemüse anzupflanzen. So würden Kinder in dieser schwierigen Zeit eine neue Wertschätzung für Lebensmittel lernen. Eine weitere Idee, das Negative in den Griff zu bekommen, wäre, sich die Ängste von der Seele zu schreiben oder zu malen. Es gibt eine Schreibübung, die heißt „Morgenseiten“. Dabei schreibt man sich drei Seiten von der Seele. Egal, ob man es dann liest oder zerreißt – es tut unheimlich gut. In jedem Alter. Angst kann beengen, aber sie kann uns auch in Aktion bringen. Man kann im Supermarkt hamstern – oder sich solidarisch verhalten. Zum Beispiel, dem Nachbarn auch mal zwei Rollen Klopapier vor die Tür stellen. Sich gegenseitig helfen. Das kann man Kindern vorleben.

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Wie thematisieren Sie das Positive in Krisen als Autorin?

In meiner Buchreihe Leonie Looping geht es um Umweltthemen, um das Müllproblem zum Beispiel und das Bienensterben. Im aktuellen Band „Die Waldolympiade“ stehen Ernährung und Fitness im Vordergrund. Im Anhang findet man Fitnessttipps für die ganze Familie. Man kann zum Beispiel alles mal im Zeitlupentempo machen. Oder das Alltägliche zur Abwechslung in ganz schnellen Bewegungen abspulen. Oder man macht einen Robotertag und vollzieht alle Tätigkeiten wie Roboter. Damit lässt sich im weitesten Sinne Achtsamkeit einüben. Und mehr Achtsamkeit brauchen wir jetzt ständig. Zum Beispiel, wenn es darum geht, sich nicht aus Versehen ins Gesicht zu fassen. Oder wenn wir überlegen: Wie viel Blatt Klopapier brauche ich eigentlich?

Als Kinderbuchautorin sind Sie häufig auf Lesereisen in Schulen unterwegs. Inwiefern sind Sie von Planänderungen durch die Corona-Krise betroffen?

Ich wollte eigentlich zur Leipziger Buchmesse fahren und hatte dort mehrere Termine eingeplant. Nach dem, was wir jetzt wissen, bin ich froh, dass die Messe ausgefallen ist. Sie wäre ein riesiger Verbreitungsherd für das Virus geworden. Aber natürlich habe ich jetzt finanzielle Ausfälle. Auch von Schulen kommen natürlich Absagen. Niemand weiß, wie lange die Krise dauert und wann es wieder losgeht.

Sie stehen kurz vor dem Verkaufsstart ihres neues Buch. Wie gestaltet sich eine Kinderbuchpremiere in Zeiten von Corona?

Das ist echt eine Herausforderung. Im Mai sollte das Buch erscheinen und wir hatten dazu eine Lesereise mit neun Lesungen organisiert. Das wird jetzt leider so nicht mehr funktionieren. Das tut schon weh. Allerdings habe ich jetzt angefangen, Online-Lesungen zu machen. Die findet man täglich auf dem Ravensburger-Kinderbuecher-Instagram-Channel und auch auf meinen Instagram- und Facebookprofilen (@callystronk). Auch inhaltlich musste ich mich erstmal fragen, ob das Buch in Zeiten von Corona noch okay ist. Denn es behandelt die Themen Friedhof und Tod. Das Buch heißt „Unheimlich peinlich - Das Tagebuch der Ruby Black“. Es geht darum, dass ein Mädchen mit ihrer schrecklich peinlichen Familie auf dem Friedhof lebt, wofür sie sich sehr schämt. Nach einem Schulwechsel wegen Mobbings will sie das verheimlichen. Dann aber verliebt sie sich in einen Jungen, dessen Opa stirbt und muss zu sich selbst stehen. Es gibt sehr ernste Momente in dem Buch. Aber auch wahnsinnig viel zu lachen. Für mich war Comedy schon immer ein Mittel, ernste Themen zu behandeln. Mit Humor gelingt es, dass man solch ernste Themen zu den Kindern bringt. Deshalb finde ich das Buch jetzt genau richtig.

Berufe in der Medizin oder der Verwaltung werden im Zuge der Corona-Krise als systemrelevant bezeichnet und genießen in Zeiten des Einschnitts Privilegien. Hat die Kultur und die Literatur weniger Relevanz für das System?

Es ist Wahnsinn, was bestimmte Berufsgruppen gerade leisten. Ärzte, Supermarktangestellte, Müllabfuhr und Lieferdienste beispielsweise sind unersetzlich. Wir sehen jetzt aber auch, wie wichtig Kultur ist. Literatur tröstet und kann einen auffangen. Sie ahnt Dinge voraus, die die Gesellschaft erst später verinnerlicht. Das finden viele Menschen wichtig. Deswegen gibt es in dieser Krise auch Petitionen, die darauf abzielen, Künstler und Kulturschaffende zu unterstützen. Wichtig wäre, dass die Künstler wenigstens eine gesicherte Grundrente bekommen. Wir haben gerade eine gesellschaftliche Pause. Und eine Pause ist auch eine Chance, zu überlegen, was man hinterher anders, was man besser machen möchte. Auch wirtschaftlich und vor allem auch ökologisch.

Weitere Informationen über Kinderbuchautorin Cally Stronk unter http://callystronk.blogspot.com/