Großprojekt n Pankow

Wladimir Kaminer gegen Rodung von 240 Bäumen im Jahn-Park

Rund um das Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg sollen Bäume gerodet werden. Kaminer: „Park ohne Bäume wie Berliner ohne Schnauze“.

Bestseller-Autor Wladimir Kaminer wohnt in der Nähe des Jahn-Sportparks und Mauerparks - jetzt mischt er sich ein für den Umweltschutz.

Bestseller-Autor Wladimir Kaminer wohnt in der Nähe des Jahn-Sportparks und Mauerparks - jetzt mischt er sich ein für den Umweltschutz.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Auch ein Sportpark ist ein Park. Per Definition braucht er vor allem: Bäume. Bei der Neugestaltung der ebenfalls als Park bezeichneten Sportanlage rund um das Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg allerdings droht eine Rodung im großen Ausmaß.

Kurz nachdem - durch den Verweis auf eine Machbarkeitsstudie - bekannt wurde, dass für die Neugestaltung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks samt Stadionneubau 240 Bäume verschwinden könnten, fordert eine Gruppe von Anwohnern, den Kahlschlag zu stoppen. Der prominenteste der Umweltaktivisten wohnt gleich nebenan: der Schriftsteller Wladimir Kaminer.

„Bei uns wird der Sportpark zu einem riesigen Eventort umgebaut, Hunderte von Bäumen müssen gefällt werden. Die Stadtverwaltung weiß nicht Bescheid, dass man so etwas nicht tut“, schreibt der Autor des Bestsellers „Russendisko“ auf seiner Facebookseite.

Und ruft seine Fans dazu auf, die Online-Petition der Projektkritiker zu unterschreiben. „Die Bäume, nicht die Events sind die Visitenkarte des Parks. Park ohne Bäume ist wie Berliner ohne Schnauze. Anstatt mehr neue Bäume zu pflanzen, machen sie die alten kaputt. Menschen aus aller Welt, unterstützt diese Petition“, äußert sich der Schriftsteller.

Freunde des Mauerparks stimmen in Wladimir Kaminers Mahnung ein

Auch Alexander Puell, der Vorsitzende der Freunde des Mauerparks und kritischer Beobachter des Stadion-Neubauprojekts, will die Rodung stoppen. „Wenn es alten Bäumen an den Kragen geht, verstehen wir Nachbarn keinen Spaß“, verschafft er seinem Ärger Ausdruck.

„In Zeiten von Klimakrise und Artensterben ist es schwer verständlich, warum Tonnen Schutt und Beton bewegt werden sollen um wichtigen Lebensraum von Pflanzen und Tieren zu zerstören. Schneller, höher, weiter? Das ist ewiggestrig und nicht zukunftsfähig.“

Bislang haben sich für das Gesuch im Portal „Open Petition“ 500 Unterstützter gefunden. Beanstandet wird darin der Plan, die Bäume im Jahn-Sportpark zugunsten eines Parkhauses zu beseitigen. Dieses Vorgehen wird in einer Machbarkeitsstudie des Senats aus dem Jahre 2014 skizziert, die jetzt wieder als Maßstab für die Neugestaltung des Areals zur Inklusionssportstätte dienen soll.

Allerdings hat die Senatssportverwaltung in ihrer bis zum 28. Februar laufenden Online-Bürgerbeteiligung in Aussicht gestellt, dass diese alte Studie noch einmal überarbeitet werden könnte. Im Beteiligungsportal können Nutzer des Jahn-Sportparks noch wenige Tage lang ihre Interessen bekunden und Kommentare hinterlassen.

Kommentatoren sehen Baumfällung zugunsten von Parkplätzen im Jahn-Park kritisch

Wichtigstes Anliegen in den bisherigen Bemerkungen: Der neu gestaltete Jahn-Sportpark soll künftig möglichst Raum für den Freizeitsport bieten und nicht nur Spitzenveranstaltungen vorbehalten sein. Besonders viele Einträge befürworten auch eine Beibehaltung von Angeboten des Basketballclubs Alba Berlin auf dem Gelände. Eine Abholzung von alten Bäumen zugunsten von Parkplätzen sehen hingegen viele Kommentatoren kritisch.

In der Petition gegen die mögliche Rodung heißt es als Kompromissvorschlag: „Für auf das Auto angewiesene Menschen können bestehende Parkplätze umgewidmet werden.“ Die große Wiese mit Pappeln solle hingegen in der jetzigen Form erhalten bleiben und weiterhin zur Naherholung dienen. „Die Bedürfnisse der Anwohner sollen priorisiert werden“, lautet die Forderung im Online-Portal, die sich an die Senatsverwaltung für Sport richtet.

Warnung vor Blockade der Umgestaltung des Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg

Das rund 23 Hektar große Sportgelände an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen soll sich bis 2024 in eine moderne Sportanlage verwandeln, die für den Inklusionssport Maßstäbe setzt. Kern des Projekts: Der Abriss des Jahn-Stadions, das in Berlin auch als Cantian-Stadion bekannt ist und dem BFC Dynamo als Heimstätte dient.

Von 2022 bis 2024 soll auf dem beräumten Baugrund im Hinterland der Eberswalder Straße, direkt am Mauerpark und der früheren innerdeutschen Grenze, für die Arena ein sogenannter „Ersatzneubau“ entstehen, der 20.000 Besuchern Platz bietet. Genau so wie der heutige Bestandsbau.

Vor allem die Berliner CDU-Fraktion hatte hatte dazu aufgerufen, dass Großprojekt im Sinne einer möglichst schnellen Fertigstellung nicht zu behindern. „Berlin braucht keine weiteren Großprojekte, die an der Umsetzung scheitern“, mahnte im Dezember etwa der sportpolitische Sprecher, Stephan Standfuß.