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6000 Wohnungen im Blankenburger Süden geplant

Erste Entwürfe für neues Stadtquartier wurden vorgestellt. Zwischen 5000 und 6000 neue Wohnungen könnten in Pankow entstehen.

Die ehemaligen Rieselfelder am Blankenburger Pflasterweg in Pankow sollen Platz für 6000 Wohneinheiten bieten.

Die ehemaligen Rieselfelder am Blankenburger Pflasterweg in Pankow sollen Platz für 6000 Wohneinheiten bieten.

Foto: Thomas Schubert

In Pankow soll ein neues Stadtquartier entstehen. Zwischen 5000 und 6000 Wohnungen werden zwischen Blankenburg und Heinersdorf realisiert. Vier Planungsteams haben nun ihre Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Gebiet umfasst etwa 430 Hektar und besteht größtenteils aus Ackerland. Ob das Stadtquartier in der Form tatsächlich entsteht, entscheidet sich jedoch frühestens 2021.

Geplant ist ein Mischkonzept aus Mietwohnungen und Eigenheimen. Etwa 90 Prozent der Wohnungen sollen sich in Mehrfamilienhäusern befinden. Auch vier Schulen – eine Grundschule, eine Integrierte Sekundarschule (ISS), eine Gemeinschaftsschule bestehend aus Grund- und weiterführender Schule – sind in Planung. Weitere soziale Einrichtungen und Kindertagesstätten sollen folgen.

40 Hektar könnten als Gewerbefläche genutzt werden

Daneben sind etwa 40 Hektar für Gewerbeflächen vorgesehen. Momentan präferieren die Verantwortlichen die Campus-Idee: Unternehmen können sich zentral ansiedeln und gemeinsam Kantinen oder Sport- und Freizeiteinrichtungen nutzen. Die gesamte Fläche der Kleingartenanlage Hamburg soll indes Bauten der Kunsthochschule Weißensee weichen. Die Hochschule braucht dringend weitere Räumlichkeiten. Zudem sollen auf der Fläche studentische Wohnräume, Atelierplätze, Gastronomie und sonstige kreative Nutzungskonzepte entstehen.

Was alle Entwürfe der vier Planungsteams verbindet: Die Naturlandschaft soll erhalten bleiben. Große Flächen sind als Naherholungsgebiete oder Parkanlagen vorgesehen. Die Vorschläge reichen von Gemeinschaftsgärten und nachbarschaftlichen Treffs im Grünen bis hin zur nachhaltigen Selbstverwaltung: Für die Stromproduktion und Regenwasseraufbereitung könnte das Blankenburger Wohnquartier selbst sorgen.

Auch eine selbstständige Nahrungsmittelproduktion auf Dächern von Gewerbegebäuden könnten sich die Planer vorstellen. Um möglichst viel Natur zu erhalten, planen die Planungsteams jedoch, die Wohn- und Gewerbebauten zentral auf möglichst geringer Fläche anzusiedeln. Das bedeutet: Auch Sechs- und Acht-Geschosser könnten im Blankenburger Süden entstehen.

Bürger hatten in der Vergangenheit immer wieder protestiert

In der Vergangenheit hatten Bürger immer wieder gegen das Großprojekt protestiert. Hauptgrund: Die Verkehrssituation im Bezirk. Um die knapp 10.000 neuen Pankower an das ÖPNV-Netz anzuschließen, ist eine Verlängerung der Straßenbahnlinie M2 von Heinersdorf bis ins neue Stadtquartier zum S-Bahnhof Blankenburg geplant. Doch diese zerschneide die bestehenden Wohngebiete Blankenburgs und nehme etlichen Bewohner ihr Eigenheim, beklagten die Pankower.

Stattdessen wünschten sich Anwohner einen Ausbau der U-Bahn. Die U2 dürfe nicht in Pankow enden, sondern müsse bis Karow verlaufen, hieß es. Auch der Bau einer neuen U-Bahnlinie U10 vom Alexanderplatz bis nach Buch wurde ins Spiel gebracht. Das lehnte die Senatsverwaltung jedoch bereits ab. Der Bezirk sprach sich daraufhin für Seilbahnen aus. Doch auch hier besteht der Senat weiterhin auf dem Ausbau der Tramlinie. Der S-Bahnhof Blankenburg soll jedoch ausgebaut werden, um dem erhöhten Fahrgastaufkommen gerecht zu werden.

Dass diese Maßnahmen ausreichen, können sich die meisten Anwohner gerade noch nicht vorstellen. „Morgens von sieben bis neun Uhr herrscht in dem Gebiet jetzt schon Verkehrschaos“, sagt Anwohner Dirk Kerws. Kerws lebt in Blankenburg und fährt selbst regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Die S-Bahn ist immer voll.“ Um eine ausreichende Taktung der Straßenbahn zu gewährleisten, gebe es überhaupt nicht genügend Tramfahrer, meint er. „Und selbst wenn, Straßenbahn und Autos fahren doch auf der selben Strecke und behindern sich gegenseitig.“

In Pankow wandeln sich Blankenburg, Karow und Buch von Ortsteilen zu Städten

Dass in Pankow eine neue Verkehrslösung dringend gefunden werden muss, zeigen auch die weiteren Vorhaben im Bezirk: Bis 2030 steht dem Norden Pankows eine Nachverdichtung bevor, die es in Berlin zuletzt nach dem Krieg gegeben hat. Blankenburg, Karow und Buch wandeln sich von dörflichen Ortsteilen hin zu Städten. Rund 21.000 Wohnungen entstehen auf großen Flächen früherer Krankenhäuser, Wiesen und auf den Rieselfeldern im Blankenburger Süden. Sebastian Scheel, Staatssekretär für Stadtentwicklung und Wohnen verteidigt die Bauvorhaben. „Das Wohnungsproblem schaffen wir nicht, nur durch Nachverdichtung zu lösen", sagt er. "Wir müssen eben auch Flächen am Stadtrand in den Blick nehmen.“

In Stein gemeißelt seien übrigens noch keine der Überlegungen, beteuert Ingmar Streese, Staatssekretär für Verkehr. „Alles ist noch veränderbar, auch über mögliche Entschädigungen wegen der Straßenbahnführung können wir noch später reden.“ Man sei noch in einem sehr frühen Stadium der Planung. Ob die Wohnungen überhaupt in der Weise auf der Fläche entstehen können, sei noch gar nicht abschließend geklärt. Mit den Anwohnern will man jedenfalls im Gespräch bleiben. Am 1. und 2. April will die Senatsverwaltung zu einer weiteren Info-Veranstaltung einladen.