Stadionabriss

Jahn-Sportpark vor Totalumbau: Bürger können online mitreden

Das 160 Millionen Euro-Projekt in Prenzlauer Berg startet im Eiltempo. Wie soll der Jahn-Sportpark aussehen? Bürger dürfen mitreden.

Bis zuletzt farbenfroh: Trial: Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark während der Finals Berlin im Sommer 2019.

Bis zuletzt farbenfroh: Trial: Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark während der Finals Berlin im Sommer 2019.

Foto: Marijan Murat / dpa

Berlin. Von der DDR-Arena am früheren Grenzstrich zur Paradesportstätte in Sachen Inklusion: Hinter den Kulissen des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg hat die Verwandlung bereits begonnen. Schon im kommenden Herbst reißen Bagger das Stadion mit seiner muschelförmigen Haupttribüne und den markanten Lichtmasten nieder. Im Eiltempo treibt der Senat eine Bebauungsplanverfahren voran, um den Neubau der Arena und des gesamten Sportparks formell zu regeln.

Spätestens als das Bezirksamt Pankow seine Planungshoheit Ende 2019 abgab, waren die Sorgen groß, dass die Mitsprache der Bürger bei der Neuerfindung der drittgrößten Sportanlage Berlins zu kurz kommt. Ab sofort dürfen sie ihre Meinung sagen: Für einen Zeitraum von zwei Wochen hat der Senat dafür ein Online-Portal freigeschaltet.

Berliner sorgen sich um Kosten und Nutzen des Großprojekts

Angesprochen sind dabei zunächst die direkten Nutzer des Parks. Sie dürfen auf der Seite für Bürgerbeteiligung bis zum 28. Februar Klicks setzen und kurze Bemerkungen eingeben. Abgefragt wird zum Beispiel, ob man sich in der Sportanlage individuell oder als Mitglied eines Vereins ertüchtigt, ob man das Gelände auch zur Erholung nutzt. Wie oft? Wie lange? Welche Sportart? Berliner kreuzen die Antworten an.

Auf diese Weise soll sich ein Lagebild ergeben, dass auf die Neugestaltung Einfluss hat. „Alle Nutzerinnen und Nutzer, das heißt, die Vereine, Schulen, Kitas, individuell Sporttreibenden, die Anwohnenden sowie die zuständigen Behörden, werden aktiv in die Gestaltung der Zukunft des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks einbezogen“, teilt die Senatssportverwaltung mit.

Hauptwunsch: Jahn-Sportpark soll öffentlich zugänglich bleiben

Binnen weniger Tage haben die Besucher des Portals vor allem die Kommentarfunktion ausgiebig genutzt und über 50 Notizen hinterlassen. Einer schreibt: „Sorge: Langer Sanierungszeitraum ohne Nutzungsmöglichkeit des Jahn-Sportparks. Anschließend nur noch eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit.“ Ein anderer befürchtet, dass Kosten und Nutzen auseinanderklaffen könnten. „Ein Stadion, das viel Geld kostet, aber keine adäquaten Nutzungen hat außer an ein paar Veranstaltungstagen, die mit viel öffentlichem Geld subventioniert werden“, heißt es in der Notiz. Auch die womöglich steigende Verkehrsbelastung für den Gleimkiez scheint die Anwohner zu bekümmern.

Andere freuen sich über das hohe Tempo, das der Senat bei der Neugestaltung des Parks bis 2023 an den Tag legt. „Ich hoffe, dass der Stadion-Neubau bald beginnen kann und nicht immer wieder verschoben werden muss. Ähnlich wie Weltstädte wie London oder Paris benötigt Berlin ein weiteres neues Stadion“, lautet ein Eintrag.

Senat lässt Machbarkeitsstudie für Jahn-Sportpark noch einmal ändern

Wie der behindertenfreundliche Sportpark der Zukunft in Prenzlauer Berg aussehen wird, das erklärt aber vor allen Dingen eine Machbarkeitsstudie, die der Senat 2014 anfertigen ließ. Doch bei diesem inzwischen sechs Jahre alten Stand soll es nicht bleiben, wie der Senat jetzt mitteilt. Die Studie werde bis zum Sommer noch einmal aktualisiert.

Das rund 23 Hektar große Sportgelände an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen beherbergt neben dem sogenannten Großen Stadion, das Berlinern eher unter den Namen Jahn-Stadion oder Cantianstadion bekannt ist, eine kleinere Arena an der Cantianstraße sowie mehrere Tennis-, Fußball-, Beachvolley- und Basketballplätze. Auch die Max-Schmeling-Halle, ein wichtiger Standort für sportive und sportfremde Veranstaltungen, grenzt direkt nördlich an das Großen Stadion.

Welche Beeinträchtigungen hier und im Mauerpark durch den bevorstehenden Abriss des Stadions zu erwarten sind, wird der Senat Anrainern bei einer Versammlung erklären, die noch vor dem Start des Großprojekts einberufen wird.