Straßenmusik

Das ist die neue Schallmuschel für Musiker im Mauerpark

Bezirksamt und Initiativen wollen Anwohner vor Geräuschen durch Konzerte in der Grünanlage schützen. Im Frühling starten erste Tests.

Bei der Schallschutz-Muschel für den Mauerpark handelt es sich um eine Vorrichtung, die sich mit Klappmechanismen schnell montieren lässt.

Bei der Schallschutz-Muschel für den Mauerpark handelt es sich um eine Vorrichtung, die sich mit Klappmechanismen schnell montieren lässt.

Foto: Freund des Mauerparks / BM

Berlin. Musik für alle, die sie hören wollen. Ruhe für Anwohner, die unbehelligt bleiben möchten von Tönen und Klängern der Straßenmusiker – die neuen „Acoustic Shells” im Mauerpark sollen beide Anforderungen übereinbringen. Ein abgeschlossener Vertrag zwischen dem Bezirksamt Pankow und den Freunden des Mauerparks sieht vor, dass die Vereinsmitglieder einen Prototyp der Schallschutzmuschel selbstständig testen dürfen.

„Die Wirkungsweise wird vom Verein zusammen mit Studierenden der TU-Berlin sowie Beschäftigten des Umweltamts untersucht“, teilte das Bezirksamt am Mittwoch mit. Schon an den ersten Sonntagen des Frühlings könnte eine klappbare Muschel, wie sie die Initiative „Save Mauerpark“ empfohlen hatte, zum Einsatz kommen.

Schallmuscheln sollen Mauerpark vor „Totbefriedung“ bewahren

„Wenn die Acoustic Shells helfen, lärmspezifische Konflikte zu lösen, wäre das ein toller Erfolg“, erklärt der für Grünflächen zuständige Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) zur Vertragsunterzeichnung. Ebenfalls in die Schlichtung des Streits zwischen lärmgeplagten Anwohnergruppen und den Musiker ist seit 2018 Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) einbezogen.

Er hatte im Rahmen eines Runden Tisches zur Lösung des Konflikts betont, dass man den Mauerpark als Ort der Freiheit nicht „totbefrieden“ dürfe. Einen ersten Schritt unternahm das Bezirksamt 2019 mit dem Aufstellen eines neuen Regelwerks für den Mauerpark, das Musikern Vorgaben macht, wo und wie sie Konzerte vortragen dürfen. Zum Beispiel sind sie nur zu bestimmten Tageszeiten und mit einer Ausrichtung der Musiker nach Osten - zur unbewohnten Seite des Parks in Prenzlauer Berg - gestattet.

Englische Acoustic Shells dienen als Vorbild für Muscheln in Prenzlauer Berg

Nun sollen die Schallmuscheln, die aus einer 5 Meter breiten und 3,60 Meter hohen Klappkonstruktion bestehen, dabei helfen, so genannte „Rebound-Effekte“ zu verhindern, wenn der Klang trotzdem in unerwünschte Richtungen hallt. Als Vorbild dienten die Acoustic Shells, die in einem englischen Park von den Architekten Flanagan Lawrence errichtet wurden, heißt es in der Erklärung des Bezirks. „Diese haben mehrere Preise gewonnen. Die Shells bilden eine Schallbarriere zum Schutz der Anwohner und verbessern die Akustik für das unmittelbare Publikum.“ Einen ersten Durchbruch hatten die Anhänger der Straßenmusiker in Prenzlauer Berg erzielt, als klar wurde, dass der Bezirk die Materialkosten in Höhe von rund 7100 Euro trägt.

Zur Bewertung des Experiments mit den Schallmuscheln „sollen die verschiedenen Nutzergruppen regelmäßig informiert und aktiv eingebunden werden“. Geplant sei außerdem ein schriftlicher Zwischenbericht im Juni 2020 sowie ein Schlussbericht nach Beendigung des Projekts im November dieses Jahres. Erprobt wird der Prototyp voraussichtlich sonntags in der Zeit von 11 bis 19 Uhr.

Freunde des Mauerparks wollen Nutzungskonflikte „ausbalancieren“

Mit der neuen Kooperation sieht Alexander Puell von den Freunden des Mauerparks ein Jahr nach dem 25-jährigen Jubiläum des Parks den vielleicht wichtigsten Schritt für eine dauerhafte Lösung erreicht. Er sagt: „Ich bin sehr froh, dass wir das jetzt gemeinsam tatsächlich machen und gespannt darauf, wie es in der Praxis funktioniert. Wir brauchen solche innovativen Experimente zu Ausbalancierung der zunehmenden Nutzungskonflikte.“