Weihnachtsmarkt-Sperren

Eltern wollen Lkw-Sperren wie am Breitscheidplatz für Schule

Lastwagen kommen Kindern gefährlich nah. Denn ihre Schule steht auf einem Parkplatz. Der wackelige Zaun soll echtem Schutz weichen.

Die Elternvertreter der Grundschule im Blumenviertel um Vanessa Remy (r.) bangen um ihre Kinder. 40 Tonner rangieren direkt neben dem provisorischen Hof der modularen Schule.

Die Elternvertreter der Grundschule im Blumenviertel um Vanessa Remy (r.) bangen um ihre Kinder. 40 Tonner rangieren direkt neben dem provisorischen Hof der modularen Schule.

Foto: Thomas Schubert / BM

Berlin. Ein kräftiger Windstoß – und er stürzt um. Ein klappriger, schiefer Zaun ist alles, was Kinder, die auf dem Hof der Grundschule im Blumenviertel spielen, schützt. Gleich dahinter kurven schwere Lastwagen und sogar Baumaschinen. Kein Wunder: Denn das Schulgebäude wurde in modularer Bauweise auf einem Parkplatz errichtet, der aber immer noch als Verkehrsfläche dient.

Vieles an der vor wenigem Monate eröffneten Filiale der Montessori-Einrichtung neben dem Velodrom in Prenzlauer Berg hat noch provisorischen Charakter. Aber die Absperrung zwischen dem Teil des Parkplatzes, der Schulhof ist und dem Teil, auf dem Laster rollen, wollen Elternvertreterin Vanessa Remy und Dutzende andere Familien nicht länger dulden. Nachdem der Zaun zum wiederholten Male umfiel, fordern sie jetzt echten Schutz: Notfalls sogar mobile LKW-Sperren, wie sie auf Weihnachtsmärkten genutzt werden – zum Beispiel auf dem Breitscheidplatz.

Bezirksamt und Senat wollen lieber einen stabilen Zaun beschaffen

Dass eine Vorrichtung, die in der City West der Terror-Abwehr dient, Kinder abschirmen soll – aus Remys Sicht keine Übertreibung. Sie warnt: „Der Bauzaun bietet keine Sicherheit. Er fällt bei Wind auf den Schulhof um, hält keine rangierenden PKW oder LKW auf dem Parkplatz auf und erlaubt ein ungehindertes Betreten des Schulgeländes.“

Mehrfach hätten Lehrer den Zaun selbst wieder aufrichten und zurecht gerückt. Inzwischen seien Betonsockel im Boden gebrochen. Eine Reparatur kommt für die Eltern nicht in Frage. Sie wollen zumindest einen stabilen Bauzaun aus Holzplatten als der Sicht-, Lärm- und Staubschutz. Oder gleich die Lkw-Sperren. Sie könne man, wenn die Gefahr gebannt ist, andernorts wiederverwenden.

Prüfung für die Aufstellung des Schutzzauns laufen seit sechs Monaten

Aus Sicht von Pankows Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) „ein völlig berechtigtes Anliegen“. Er favorisiert allerdings eine weniger martialische Begrenzung. Seitens der Senats- und der Bezirksverwaltung bestehe Einigkeit darüber, dass der bislang vom Senat gestellte Bauzaun keinen ausreichenden Schutz für die Schüler biete. „Bereits im August des letzten Jahres habe ich diesen Umstand bei der Senatsverwaltung angemahnt und um Abhilfe gebeten“, erklärt Kühne auf Nachfrage. Doch Konsequenzen gab es bislang keine. So wurde das Bezirksamt selbst tätig, und holte verschiedene Angebote bei Herstellern von Zaunanlagen ein, „um die Entscheidungsfindung bei der Senatsverwaltung zu unterstützen“, wie Kühne sich ausdrückt.

Parkplatz wird im Frühjahr komplett von Autos und Lastwagen geräumt

Der Stadtrat ist optimistisch, dass eine stabile Begrenzung des Schulhofs spätestens nach der Beschwerde der Eltern nun zügig beschafft wird. Vanessa Remy und ihre Mitstreiter sehen tatsächlich Eile geboten: „Es kann nicht sein, dass das erst geschieht, wenn einem Kind etwas zugestoßen ist. Auch die Unfallkasse hat bereits auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass hier etwas geschehen muss.“

Sie weist darauf hin, dass alle Eltern die Eröffnung des Modularen Schulgebäudes neben dem Velodrom begrüßen – denn zuvor hatten sich die 75 Kinder in einer ungünstigeren Lage befunden. Sie bekamen unter beengten Verhältnissen in Trakten des Gymnasiums am Europasportpark Unterricht, nachdem im eigentlichen Hauptgebäude der Grundschule im Blumenviertel am Volkspark Prenzlauer Berg schon kein Platz mehr war – und litten dort unter den Auswirkungen einer Baustelle.

Parkplatz-Schule wird erster Lernort in Berlin, der nur aus Modulen besteht

Der Fall zeigt, wie dringend Pankow vor allem im südlichen Prenzlauer Berg neue Schulen benötigt. Der Modulbau auf dem Parkplatz neben dem Velodrom, den die Montessori-Grundschule gerade nutzt, ist nur ein Nebengebäude, dem noch eine Turnhalle und das eigentliche Hauptgebäude folgen werden. „Das wird wohl die erste Compartment-Schule Berlins“, erklärt Stadtrat Kühne – also eine völlig neuer Lernort mit mehreren Trakten, die alle aus Modulen bestehen. Dass man beim Aufbau – gerade wegen der Positionierung auf einer Parkplatzfläche – mit Provisorien leben muss, sei allen klar gewesen. Aber eine Gefährdung der Sicherheit von Schülern durch Lkw neben dem Schulhof sei in der Tat inakzeptabel, betont Kühne.

Pankow wird Parkplatz vor dem Schulhof wohl im Frühjahr räumen lassen

Die Eltern fordern, dass das Schulgelände nicht länger als Parkplatz genutzt wird. Und dieser Forderung kommt das Bezirksamt auch nach. Voraussichtlich im Frühjahr. Dann beginnen die bauvorbereitenden Maßnahmen für die Errichtung des Hauptgebäudes auf der Fläche. Man habe im Sinne der Anwohner, die Autos besitzen, vereinbart, die Parkplätze bis dahin zu erhalten, sagt Kühne. Bei ihrer Fertigstellung wird die neue Modul-Schule an der Cotheniusstraße über 400 Schülern einen Lernort bieten. Bis dahin gibt es auch einen Schulhof, der mehr ist als die heutige Betonpiste, die zum Abstellen von Autos eher taugt als für Kinder, die sich beim Spielen die Knie aufschlagen.

Eltern werben 20.000 Euro Sponsorengeld für schöneren Schulhof ein

Damit die Piste nicht nur sicherer wird, sondern auch schön, haben die Elternvertreter in Eigenleistung Sponsoren angeworben. 20.000 Euro erhält die Grundschule im Blumenviertel nun vom Deutsches Kinderhilfswerk, der Drogerie Rossmann und Procter & Gamble. Damit ist ein Mindestmaß an Wohnlichkeit garantiert. Eingeplant ist die Anschaffung eines Sportfelds mit weichem Boden, das die Familien selbst aufbauen wollen. Das spart Zeit und Geld. Bitter nötig sei auch ein neues Sonnensegel, das den provisorischen Schulhof überspannt, meint Vanessa Remy. Auf dem Parkplatz-Beton sollen Kinder nicht nur vor Lastwagen sicher sein, sondern auch vor einem Sonnenstich.