Ausflugs-Tipp

Sinfonie der Großstadt: Ein Spaziergang in Pankow

Eine Tour durch das Komponistenviertel in Weißensee, zum Jüdischen Friedhof und ans Wasser.

Die Trauerhalle des Jüdischen Friedhofs in Weißensee.

Die Trauerhalle des Jüdischen Friedhofs in Weißensee.

Foto: Moritz Stengel

Der heutige Spaziergang startet am Antonplatz, einem der zentralen Punkte im Pankower Ortsteil Weißensee. Mehrere Tramlinien treffen dort aufeinander und entlassen die Fahrgäste in den Trubel der Berliner Allee. Auf der einen Seite das Toni & Tonino: ein Lichtspielhaus, das es seit 1920 gibt, und das als Programmkino in zwei Sälen ein ausgewähltes Programm für Cineasten anbietet. Wer dort gerne länger als eine Filmlänge verweilen möchte, kann sich eine Übernachtung in der darüberliegenden Ferienwohnung reservieren.

Mit dem Kino im Rücken geht es über den Antonplatz direkt auf die Bizetstraße zu. Dort nimmt man noch einmal die Vibration des Verkehrs und der quietschenden Straßenbahnen wahr, die wie ein Orchester der Moderne ertönen. Es wird ruhiger, musikalischer. Mitunter hört man einige zart-verzerrte Töne aus der Béla-­Bartok-Musikschule.

Der Bizetstraße Richtung Nordost folgend, geht es an der Wolfdietrich-Schnurre-­Bibliothek vorbei. Nun ist man mittendrin im Komponistenviertel. Vor 1951 waren die Straßen in Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 benannt. Dann wurden sie ausgetauscht, um Komponisten wie Chopin, Smetana oder Borodin zu würdigen. Deshalb trägt das beliebte Wohnquartier seinen Namen.

Der größte erhaltene jüdische Friedhof Europas

Die Mahlerstraße überquerend gelangt man zur Herbert-Baum-Straße, die einstige Lothringenstraße. Sie ist nicht nach einem Komponisten, sondern nach einem Elektriker und jüdischen Widerstandskämpfer benannt, der sich besonders in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert hat. Die Bizetstraße vorerst verlassend, geht es diese Straße entlang in Richtung Süden. Nach etwa 350 Metern erreicht man den Eingang des Jüdischen Friedhofs an der Herbert-Baum-Straße 45.

Seit seiner Eröffnung am 9. September 1880 haben dort mehr als 115.000 Juden ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der Friedhof mit 42 Hektar ist der größte seiner Art in Europa. Nutzen Sie die Gelegenheit und begeben Sie sich in die Stille der Geschichte. Bei einem Spaziergang oder der Teilnahme an einer Führung hat man die Möglichkeit, etwas über die Historie des Friedhofs und die zahlreichen dort beigesetzten Persönlichkeiten zu erfahren.

Am Solonplatz können Sie eine Pause einlegen

Anschließend geht es ein kurzes Stück Richtung Norden zurück und rechts in die Bizetstraße. Auf den folgenden 400 Metern finden sich vereinzelt Geschäfte und das ein oder andere Handwerk. Hier ist es beschaulich und ruhig. Nun erreichen Sie den Solonplatz, benannt nach einem der sieben Weisen der griechischen Antike. Dort gibt es die Möglichkeit zu einer Pause in einem der umliegenden Cafés. Zu empfehlen ist etwa das an der Ecke Bizetstraße/Lindenallee liegende „Friedas Glück“ (Lindenallee 55), wo man auch kleine Geschenke kaufen kann. Wer nach einer weiteren Gelegenheit zum Stöbern sucht, der findet, die Bizetstraße überquerend, rechterhand zwei Second-Hand-Geschäfte für Damen- und Kindermode.

Die Klänge des Verkehrs werden allmählich wieder tosender. Entweder wählt man hier den Weg entlang der Berliner Allee zurück zum Antonplatz oder spaziert zum Weißen See mit dem Milchhäuschen und der Freilichtbühne. Auch wegen der Ruhe inmitten des großstädtischen Verkehrs lohnt sich der 1,2 Kilometer lange Rundweg, bevor es zu Fuß oder mit Bus oder Bahn wieder auf den Heimweg geht.

Einkehr und Entdeckung

Kultur Filmtheater Toni & Tonino, Antonplatz 1, Tel. 92 79 12 00, tägliche Vorstellungen, www.kino-toni.de

Sehenswert Jüdischer Friedhof Weißensee, Herbert-Baum-Str. 45, Tel. 925 33 30, Mo.–Do. 7.30–16 Uhr, Fr. 7.30–14.30 Uhr, So. 8–16 Uhr, www.jewish-cemetery-weissensee.org

Café „Friedas Glück“, Lindenallee 55, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd und So. 9–18 Uhr

Gut zu Fuß Der Spaziergang durch das Komponistenviertel, über den Jüdischen Friedhof und rund um den Weißen See hat eine Länge von knapp 5,5 Kilometern. Er verläuft ohne wesentliche Anstiege. Es sollten dafür etwa zwei bis drei Stunden Zeit eingeplant werden.

Hin und weg Zum Startpunkt Antonplatz gelangt man mit den Straßenbahnen der Linien M4,12 oder M13.