Stadtentwicklung

Berlin prüft Ausbau des größten Schwimmbads Europas

Die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark ist seit Jahren unvollendet. Die Fläche soll Probleme der wachsenden Stadt lösen.

Vorne das Schwimmbad im Europasportpark, hinten das Wohnungsbauprojekt des Investors Pandion. Im Süden von Prenzlauer Berg stecken noch Entwicklungschancen.

Vorne das Schwimmbad im Europasportpark, hinten das Wohnungsbauprojekt des Investors Pandion. Im Süden von Prenzlauer Berg stecken noch Entwicklungschancen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Wie überdimensionale Bolzen sind die Schwimmhalle an der Landsberger Allee und das Velodrom in ein Hochplateau eingelassen. Eine Wiese, Obstbäume und in den Senken die beiden stählernen Bauten – wer über das begrünte Areal neben dem Graben der Ringbahn spaziert, hat das Gefühl von Freiheit und Weite. Im Südzipfel des ansonsten eng bebauten Prenzlauer Berg befindet sich auf dem früheren Gelände des Güterbahnhofs Landsberger Allee ein ganzer Stadtteil in Diensten der Sport- und Freizeitnutzung und einem Park auf dem Dach.

Was wenige wissen: am Südrand dieses Plateaus verstecken sich Flächen des Bads, die nur äußerlich fertig gestaltet sind und seit Jahren leert stehen. Etwa genauso viel Platz wie das Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) für den Wassersport bietet, so viel Platz ist bislang leer geblieben. Das soll sich jetzt ändern.

Im riesigen Schwimmbad könnten Kitas, Sportvereine und Freizeitstätten Platz finden

Auf Antrag der Fraktionen von SPD, Grünen Linken soll der Senat bis zum Juni diesen Jahres prüfen, wie sich der verborgene Schatz des Geländes heben lässt. Angesichts der Platzprobleme im südlichen Prenzlauer Berg mit dem angrenzenden Areal des Alten Schlachthofs und dem früheren Schlachterviertel an der Ebertystraße in Friedrichshain sehen die SPD-Abgeordnete Schopf und Dennis Buchner Dringlichkeit geboten, das Werk zu vollenden. Kitas, Schulen, Sportvereine, Freizeitnutzung – all das kommt für Tino Schopf in den Freiräumen des Bads in Frage.

Woran Bedarf besteht? „Das muss jetzt in Ruhe mit dem Bezirksamt Pankow und mit Vereinen geprüft werden“, hält sich der Abgeordnete mit einer Festlegung zurück. Er selbst habe als Gast des Bads lange nicht gewusst, welche ungenutzten Potenziale im SSE stecken. „Wir wurden von den örtlichen Vereinen darauf angesprochen“, erinnert sich Schopf. Möglicherweise ließen sich mehrere Nutzungsarten kreuzen – „zum Beispiel eine Kita mit einem Sportparcours“, schlägt er vor.

Ob man dergleichen im dunklen Baukörper aus Beton unterbringen kann, müssen Stadtplaner untersuchen. Weite Teile des Klotzes sollten ursprünglich als Parkhaus dienen. Angesichts von etlichen Wohnungsbauprojekten wäre auch diese Nutzung als Abstellfläche eine Option, auch wenn sie nicht unbedingt zur Verkehrspolitik des rot-rot-grünen Senat passt.

Schwimmbad mit 550.000 Besuchern im Jahr ist europaweit Spitze

Selbst im unvollständigen Ausbauzustand ist das SSE ein Schwimmbad der Superlative: Platz für bis zu 4.000 Zuschauer auf Tribünen, eine Wasserfläche von 3391 Quadratmetern, über 550.000 Besucher im Jahr – mit diesen Dimensionen gilt die Anlage der Berliner Bäder-Betriebe als größtes Schwimmbad Europas. Auch die jetzigen Betreiber müssten bei einem Umbau ein Wörtchen mitreden. So ließe sich der Badebetrieb womöglich mit Sauna- und Wellness-Angeboten erweitern.

Planung für die Olympischen Spiele in Berlin im Jahre 2000 zerschlug sich

Ursprünglich war die Planung und der Bau der Halle ein Mileniumsprojekt. Im Rahmen einer Bewerbung Berlins für die Olympischen Sommerspiele im Jahre 2000 sollte der Komplex alle Erfordernisse des Spitzensports abbilden. Als sich die Chance auf eine Austragung der Spiele zerschlug, speckte der Senat das Baupensum ab und entschied sich für eine bürgernahe Entwicklung: Das SSE wurde 1999 als Bad für jedermann eröffnet – um den Preis, dass man einen großen Teil der Fläche, einschließlich des Parkhauses, nicht mehr brauchte.

Nebenan baut der Investor Pandion 357 Eigentumswohnungen

Auch zur Finanzierung des Ausbaus hat sich die SPD-Fraktion Gedanken gemacht. Förderprogramme auf Landes-, Bundes- und Europa-Ebene könnten ebenso beansprucht werden wie „mögliche Investitionen Dritter“. Tatsächlich sind rings im Umfeld des Velodroms und der Schwimmhalle bereits private Bauherren am Werk. Am Ostende des Plateaus errichtet der Investor Pandion unter dem Projektnamen „4Living“ einen formatfüllenden Neubau mit 357 Eigentumswohnungen in Größen von 37 bis 118 Quadrametern, die 2021 bezugsfertig werden sollen.

Wohnblock und neues Gewerbe-Quartier im Alten Schlachtenhof gehen 2021 in Betrieb

Als prominentestes Projekt an der Landsberger Allee sticht aber derzeit die Herrichtung der früheren Schlachthallen ins Auge. Genau wie Pandion nördlich der Straße, so will der slowakische Investor HB Reavis auf der Südseite im nächsten Jahr die Bauarbeiten abschließen und das Gewerbe- und Büroquartier „Dstrct“ mit hochkarätigen Mietern eröffnen. Als Hauptnutzer stehen die Online-Unternehmen „Ionos“ und „Strato“ mit insgesamt 650 Mitarbeitern fest. „Ich bin froh, dass da endlich was passiert“, sagt SPD-Mann Schopf. „Und es ist gut, dass es kein Shopping-Center wird, wie es ursprünglich mal geplant war.“ Auf den Flächen am S-Bahnhof Landsberger Allee muss die erste Nutzungsidee nicht die letzte sein. Das gilt für den Schlachthof ebenso wie für die olympische Bestimmung des SSE.