Durstige Besucher

Erkrankungsgefahr: Jobcenter Pankow lehnt Wasserspender ab

Weil das Amt die Menschen vor Keimen schützen will, müssen Besucher ihre Getränke weiter selbst mitbringen. Doch es gibt Alternativen.

Es ist eine beliebte Erfrischung in Behörden und Büros. Doch Wasserspender bergen auch Gefahren.

Es ist eine beliebte Erfrischung in Behörden und Büros. Doch Wasserspender bergen auch Gefahren.

Foto: STOCK4B / Mauritius

Berlin. Das Berliner Wasser mag kalkhaltig sein – qualitativ hat es die höchste Güte und taugt zum täglichen Genuss. Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe lassen keine Gelegenheit aus, diese Tatsache zu betonen. Die Qualitäten von Wasserspendern wiederum sind noch umstritten. Hygienische Bedenken führen dazu, dass viele Betriebe auf Gallonen oder Zapfanlagen verzichten.

So handhabt es auch das Jobcenter Pankow. Und stellt sich damit gegen einen Wunsch der Bezirksverordneten, die Besucher der Behörde auf Antrag der Linken mit Wasserspendern versorgen wollten. Aus einer Vorlage geht hervor: Das Durstlöschen mit dem kostenlosen Getränk in Wartezimmern des Amts scheitert an der Angst vor Ansteckung der Mitarbeiter.

Jobcenter will Kunden weniger warten lassen – und keine Getränke anbieten

So hat der Geschäftsführer des Jobcenters Pankow die Ablehnung des Vorhabens jedenfalls begründet. Rückendeckung bekommt er von Sozialstadträtin Rona Tietje (SPD). Sie teilt mit: „Angesichts der drohenden Gefährdung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für die Mitarbeiter und Kunden sowie der Gefahr einer Belastung der Wasserspender mit multiresistenten Keimen schließt sich das Bezirksamt der Auffassung des Geschäftsführers des Jobcenters an.“

Bei der Entscheidung gegen die Wasserspender habe auch die „Optimierung der Kundensteuerung“ Ende 2019 eine Rolle gespielt – damit werde es künftig gelingen, die Wartezeiten für die Kunden der Behörde „erheblich zu verkürzen“, betont Tietje. Soll heißen: Wer weniger wartet, hat weniger Durst.

Dass Wasserbehälter, wie man sie zum Beispiel auch in Drogerien oder Büros findet, gesundheitliche Gefahren bergen können, belegen Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung schon lange. „Wasserspender sind häufig unhygienisch und verkeimt“, lautet das Fazit von Untersuchungen mit mehreren hundert Proben. Neben Fäkalkeimen hätten sich dabei Algen und Pseudomonaden nachweisen lassen. In einigen Fällen waren sogar bis zu 250.000 Keime enthalten, die zu Durchfall und Erbrechen führen können. Ob Vorteile oder Probleme von Wassergallonen überwiegen, hänge aber letztlich von der Reinigung der Behälter und Trinkgefäße ab, lautet das Fazit. Der Verband der Wasserspender-Hersteller in Deutschland fordert deshalb eine komplette Reinigung der Anlagen mindestens zwei Mal im Jahr. Berliner Firmen, die für ihre Mitarbeiter Gallonen aufstellen, beauftragen dafür Fachfirmen oder vereinbaren von vornherein die Wartung mit Betreibern.

Wasserbetriebe entwickeln Schutz gegen Falschnutzung

Aus Sicht des Jobcenter Lichtenberg sind die Risiken offensichtlich beherrschbar. Hier stehen im Besucherbereich Wasserspender zur Verfügung. Dies nahm die Pankower Linksfraktion auch zum Anlass, im hiesigen Jobcenter ebenfalls die Einführung dieses Komforts zu fordern. Nach „sorgfältiger Prüfung“ ist das Pankower Amt aber anders als sein Lichtenberger Pendant zu der Auffassung gelangt, keine Wasserspender aufzustellen – und beruft sich auf die problematischen Befunde durch verunreinigte Behälter und Trinkgefäße.

Auch modernste Lösungen wie Zapfanlagen, die an Trinkwasserleitungen angeschlossen sind, können Probleme bereiten. Jedoch nur bei falscher Benutzung, wie Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, betont. Es sei tatsächlich vorgekommen, dass ahnungslose Nutzer nicht etwa einen Behälter unter den Hahn gestellt, sondern das Auslassrohr in den Mund genommen hätten, um ihren Durst zu stillen.

Trinkwasserbrunnen der Wasserbetriebe spülen sich von selbst

Die sind allerdings so konstruiert, dass bei der Fehlbenutzung kein Wasser herausfließt. Eine Lösung für dieses ungewöhnliche Hygieneproblem haben die Wasserbetriebe, die in Berliner Gebäuden bislang 2000 Zapfanlagen verbaut haben und betreiben, bereits in Arbeit. Mit einer Herstellerfirma entwickeln sie derzeit einen breiten „Teller“, der am Auslassrohr sitzt und verhindert, dass man daran lutschen kann.

Prinzipiell seien Zapfanlagen aus Materialien gefertigt, die der Trinkwasserverordnung und allen Vorgaben entsprechen, gibt Natz zu bedenken. Hygienische Aspekte würden schon vor der Installation mitbedacht. „Bei jedem Einbau prüfen wir die Hausinstallation in einem Gebäude. Wo es Bedenken gibt, bauen wir Geräte nicht ein“, heißt es zum Prozedere. Noch weniger Grund zu Sorge als bei Wasserspendern in Innenräumen bestehe im Falle der öffentlichen Trinkwasserbrunnen auf Berliner Straßen, meint Natz: „Sie sind als Dauerläufer ausgelegt und spülen sich permanent selbst.“