Weihnachtswunder

Das Altenheim der Tiere in Pankow ist gerettet

Die Auflösung des einzigen Gnadenhofs in Berlin wurde trotz Streits abgewendet. 2020 steht ein großer Umzug an.

Zum Wohle der betagten Tiere wieder vereint: Hartmut Benter (l.) und Dirk Bufé mit den Hunden Linchen, Mausi, Ronaldo und Ronja.

Zum Wohle der betagten Tiere wieder vereint: Hartmut Benter (l.) und Dirk Bufé mit den Hunden Linchen, Mausi, Ronaldo und Ronja.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Wenn es in Berlin in den vergangenen Tagen so etwas wie ein Weihnachtswunder gab, dann dieses: Anfang Dezember war die Schließung des Altenheims der Tiere beschlossene Sache. Nun die Kehrtwende. Der in dieser Form einmalige Gnadenhof für 300 Vögel, 30 Hunde und 15 Katzen bleibt entgegen der überraschenden Ankündigung erhalten. Denn das Wohl der greisen Tiere ist den beiden Gründern zu wichtig, als dass ein privater Streit es ernsthaft gefährden soll.

„Wir dachten schon an eine schrittweise Auflösung, nun sind wir mit unseren Sondierungen soweit, dass feststeht: Es geht im Interesse der Tiere weiter“, verkünden die beiden Betreiber Dirk Bufé und Hartmut Benter in ihrem Internetblog den Sinneswandel. „Auch wir sind nur Menschen und bitten um Entschuldigung für die große Aufregung“, heißt es zu den privaten Beziehungsproblemen der Postboten, die liiert waren und sich getrennt hatten.

Greise Tiere weilen bis an ihr Lebensende auf dem Gnadenhof

Prompt nach der Meldung über die Versöhnung erklärten sich etliche Berliner zu einer Weihnachtsspende bereit. Mannshoch stapeln sich an den Feiertagen die Kartons mit Tiernahrung auf dem Areal des Gnadenhofs im Pankower Ortsteil Blankenburg. „Ab Januar werden wir mit neuer Energie wieder durchstarten“, kommentierten die Altenheim-Betreiber diese Spontanbescherung. Alle tierischen Bewohner dürfen wohl umsorgt auf dem Gelände bleiben.

Das sah bis vor wenigen Wochen noch anders aus. Zu schwer wog das Zerwürfnis zwischen Bufé und Benter. Unmöglich schien die Vorstellung, das gemeinsame Herzensprojekt erfolgreich in die Zukunft zu tragen. In sozialen Netzwerken entbrannte nach dem Bericht über die Schließung eine Diskussion darüber, dass hochbetagte Tiere die Leidtragenden eines allzu menschlichen Beziehungskrachs werden könnten. Auch der für Veterinärangelegenheiten zuständige Stadtrat Daniel Krüger (für AfD) bedauerte die Entwicklung, sah die mögliche Auflösung des Heims aber als private Angelegenheit an, auf die der Bezirk keinen Einfluss habe.

Zwischenzeitlich war zu befürchten, dass zumindest die Vögel den Hof verlassen und im Berliner Tierheim ein neues Zuhause beziehen müssen – also an einem Ort, an dem die Kapazitäten auch ohne solche Zwischenfälle ausgeschöpft sind. Nun also die frohe Kunde: Die Gründer bleiben getrennt – aber das Altenheim der Tiere besteht weiter. Sogar der bisherige Plan, die tierische Sozialeinrichtung an einen verträglicheren Standort umzusiedeln, ist plötzlich wieder aktuell. Denn an den Vorgaben des Bezirksamts Pankow hat sich während der Wirren Anfang Dezember nichts geändert.

Warum das Altenheim der Tiere in ein Gewerbegebiet ziehen muss

Bereits 2012 stand fest, dass für den Gnadenhof in der Einfamilienhaussiedlung in Blankenburg aufgrund der behördlichen Richtlinien für die Tierhaltung kein Platz mehr ist. Weil sich zunächst kein Alternativstandort fand, drohte der Einrichtung immer wieder das Aus – bis ein Ausweichgrundstück im Gewerbegebiet Am Posseberg in Französisch Buchholz in Aussicht stand. Mit der Rettung des Gnadenhofs wird der Umzug dorthin erneut zum wichtigsten Projekt für Benter und Bufé.

Wann genau die Verlegung gelingen kann, ist derzeit noch unklar. Aber auch am neuen Standort soll der Leitspruch gelten: „Das Altenheim für Tiere gibt Gefährten, deren Herrchen oder Frauchen früher ging, ein herzliches und gemütliches Zuhause.“