Advent in Berlin

Ex-AfD-Mann sorgt sich um Weihnachtsbäume für Flüchtlinge

Die AfD-Fraktion Pankow hat Tobias Thieme verbannt. Er bemüht sich um „heimische Kultur“ – diesmal als Missionar für Weihnachten.

Ein ehemaliges Mitglied der AfD-Fraktion aus Pankow will „tradierte Kultursymbole“ wie den Weihnachtsbaum vor dem Verlust bewahren.

Ein ehemaliges Mitglied der AfD-Fraktion aus Pankow will „tradierte Kultursymbole“ wie den Weihnachtsbaum vor dem Verlust bewahren.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Weihnachten ist das Fest der Nächstenliebe. Tobias Thieme, fraktionsloser Bezirkspolitiker mit Wurzeln in der AfD, sorgt sich in diesen Tagen um all diejenigen, die auf auf das christliche Brauchtum verzichten könnten. Er verwendete nun eine mündliche Anfrage darauf, vom Bezirksamt Pankow zu erfragen, ob denn alle öffentliche Einrichtungen mit Weihnachtsbäumen ausgestattet seien.

Immobilienstadtrat Torsten Kühne (CDU) sollte Auskunft geben, ob Fälle bekannt seien, wo das Aufstellen von Weihnachtsbäumen „zur christlichen Adventsfest“ untersagt sei „oder durch eigene Überlegungen darauf verzichtet wurde“. Einen möglichen Grund lieferte Thieme gleich mit: „Rücksicht vor den muslimischen Neubürgern“.

Thieme befürchtet Geldmangel als Grund, um auf den Weihnachtsbaum zu verzichten

Stadtrat Kühnes Antwort fiel knapp aus: „Es ist kein Fall bekannt, wo darauf verzichtet wurde“. Thieme war von einer anderen Informationslage ausgegangen und hatte zum Hintergrund seiner Frage gesagt, „dass sich in den letzten Tagen Meldungen häufen, wonach in öffentlichen Einrichtungen auf das Aufstellen von Weihnachtsbäumen unterbleibt“.

Weil Thieme einen solchen Schwund offensichtlich nicht hinnehmen will, gingen seine Nachfragen noch weiter. Er wollte wissen, ob und wo aus Gründen des Brandschutzes, aus Finanzmangel oder gekürzten Zuwendungen die Aufstellung des Christbaums nicht stattfindet. Auch hier gab es eine Antwort im Sinne des Weihnachtsgedankens: Das Bezirksamt Pankow kennt keine Einrichtung, wo solch eine Notlage eingetreten wäre.

Sorge um Vermittlung des Weihnachtsgedankens zur Adventszeit

Schließlich sollte der Bezirk auch Auskunft geben, inwieweit das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten oder Hilfsorganisationen „die Neubewohner der Gemeinschaftseinrichtungen in den Jahren seit 2015 mit den christlichen Traditionen wie das Aufstellen eines Weihnachtsbaumes und anderer tradierter Kultursymbole vertraut gemacht haben“ – oder ob es Bewohner von sich aus ablehnen, „sich mit der heimischen Kultur vertraut zu machen“.

Viele Einrichtungen für Flüchtlinge vermitteln christliche Symbole von sich aus

Laut der Antwort von Stadtrat Kühne muss sich im einwohnerstärksten Bezirk Berlins niemand Sorgen machen, dass die Kunde von Jesu Geburt und den Zusammenhang mit Symbolen - wie dem Weihnachtsbaum - nach 2020 Jahren in Vergessenheit geraten könnte: „Dem Bezirksamt Pankow ist bekannt, dass in durchaus vielen Flüchtlingseinrichtungen Weihnachtsbäumen aufgestellt sind und durchaus auch Traditionen vermittelt werden.“ Alle Einrichtungen habe man in der Kürze der Zeit aber nicht inspizieren können.

Thieme beklagte vor dem Ausschluss die „zurückhaltende Präsenz der AfD“

Tobias Thieme war Mitte 2017 von der Pankower AfD-Fraktion ausgeschlossen worden. Nach eigener Auskunft verhielt es sich so, dass der interne Streit über eine „zurückhaltende Präsenz der AfD-Fraktion“ nicht zu klären waren. Auch als fraktionsloser Verordneter unterstützt er die meisten Anliegen der AfD und wirkt ansonsten – wie im Fall der Weihnachtsbaum-Anfrage – als Solist.