Verkehr in Pankow

Begegnungszone am Bahnhof Pankow - der dritte Versuch

Grüne und Linke wollen Fußgänger vor dem Bahnhof Pankow schützen. Begegnungszonen an Maaßen- und Bergmannstraße blieben ohne Erfolg.

Vor dem Ärzte- und Geschäftshaus auf dem Garbatyplatz queren jeden Tag Zehntausende Passanten bei dichtem Verkehr die Straße. Jetzt soll eine Begegnungszone die Gefahrenstelle entschärfen.

Vor dem Ärzte- und Geschäftshaus auf dem Garbatyplatz queren jeden Tag Zehntausende Passanten bei dichtem Verkehr die Straße. Jetzt soll eine Begegnungszone die Gefahrenstelle entschärfen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Der heftige Streit um die Begegnungszonen in der Bergmannstraße in Kreuzberg und in der Schöneberger Maaßenstraße taugte in ganz Berlin zum Stadtgespräch. Aber Bezirkspolitiker in Pankow hält er nicht davon ab, jetzt ein drittes Projekt zur Verkehrsberuhigung nach diesem Muster zu fordern. Ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen von Grünen und Linken zielt darauf ab, an der Florastraße zwischen Bahnhof Pankow und Garbatyplatz die dritte Begegnungszone Berlins einzurichten.

Es gibt gute Chancen, dass er schon am Mittwoch beschlossen wird – zumal die Antragsteller Kuriositäten wie in der Bergmannstraße vermeiden wollen. Linken-Verkehrsexperte Wolfram Kempe legt sich bereits fest und sagt: „Grüne Punkte auf der Straße, so einen Unfug wird es bei uns nicht geben.“

Verkehr in Pankow: Grüne wollen Straßenraum „sichtbar verändern“

Im Mittelpunkt der Überlegungen: der Schutz von Fußgängern, die am Bahnhof Pankow täglich zu Zehntausenden die Fahrbahnen überqueren und sich dabei im Strom von Autos und Bussen zurechtfinden müssen. „Die Straße ist nicht mehr länger dem Auto vorbehalten, sie gehört allen“, nennt Grünen-Fraktionsvorsitzende Cordelia Koch den wichtigsten Grundsatz der neuen Begegnungszone.

Es gehe bei der Neugestaltung ausdrücklich nicht darum, Fußgänger gegenüber den Autos zu bevorzugen. Vielmehr sollen künftig gleiche Rechte für alle gelten. „Fahrspuren oder auch Vorrechte für einzelne Verkehrsteilnehmer gibt es nicht“, erklärt Koch. Damit müssten sich Fußgänger und Autofahrer individuell abstimmen, wer sich wann bewegt und wer stehen bleibt.

Ein ähnlicher Ansatz bei der Begegnungszone in der Maaßenstraße gilt inzwischen als gescheitert. Dort schrumpfte die Fahrbahn, dafür kamen Bänke aus Metall und bunte Poller. Ob bei der Überarbeitung der Florastraße im Bereich des Garbatyplatzes Parklets oder andere bauliche Elemente Einzug halten werden, wie man sie aus den bisherigen Begegnungszonen in Berlin kennt, lässt die Grünen-Fraktionsvorsitzende offen.

Details soll erst eine Machbarkeitsstudie erbringen, die das Bezirksamt Pankow laut des Antrags starten soll. Auch wenn grüne Punkte auf Kreuzungen und Findlinge auf Parkplätzen ausbleiben, visuelle Neuerungen in der Straßengestaltung dürfte es sicher geben. „Alle Erfahrungen zeigen, dass der öffentliche Raum sichtbar verändert werden muss, da sich sonst das Verhalten der Verkehrsteilnehmern nicht ändert“, sagt Koch.

Bahnhof Pankow dient als Drehkreuz im Norden Berlins – alle Verkehrsmittel sind im Einsatz

Anläufe zur Neuregelung des Verkehrs am Bahnhof Pankow habe es schon mehrfach gegeben, erinnert Wolfram Kempe von der Linken. Sie seien bisher nur an fehlenden Zusagen für eine Finanzierung gescheitert. Aber jetzt gebe es erstmals Anzeichen, dass der Senat den Versuch mit einer Begegnungszone am Garbatyplatz bewilligen werde.

Bei der konkreten Ausgestaltung sollen nach Kempes Auffassung die Anwohner mit ihren Ideen eigene Akzente setzen. „Derzeit ist die Umsteigesituation sehr ungünstig“, warnt er vor täglichen Gefahren. Tatsächlich dient der Bahnhof Pankow als wichtiges Drehkreuz für den gesamten Norden der Hauptstadt: Vom Metrobus über die U-, Straßen-, und S-Bahn verkehren hier alle Verkehrsmittel, die Berlin zu bieten hat, in dichtem Takt. Zugleich handelt es sich um ein Scharnier zwischen den innerstädtischen Kiezen Pankows und den dörflich strukturierten Ortsteilen im Norden.

Deshalb befürwortet auch die Pankower CDU-Fraktion eine Verbesserung der Verkehrslage – aber definitiv nicht in Form einer Begegnungszone, wie der Vorsitzende Johannes Kraft betont. „So ein Modell ist für ganz spezielle Situationen gedacht, vor allem für Wohnstraßen“, gibt er zu bedenken. Am Garbatyplatz aber müsse man mit massivem Verkehr umgehen, schon wegen des Lieferverkehrs für das 2012 eröffnete Geschäftshaus und mehreren Buslinien. "Es wird wohl eher dazu kommen, dass die Verkehrssicherheit sinkt“, sagt Kraft voraus.

In Pankow soll ein „echter Bahnhofsvorplatz“ entstehen

Bei den Grünen teilt man diese Annahme nicht. „Aktuell müssen Fußgänger Umwege laufen, um vom Bahnhof kommend den gegenüberliegenden Supermarkt und die anderen Angebote zu erreichen. Ein echter Bahnhofsvorplatz wäre sinnvoll, zumal so das schöne Bahnhofsgebäude besser sichtbar wäre und der Platz an Wert gewinnen würde“, erklärt die Sprecherin für Stadtentwicklung, Almuth Tharan.

An Pankows Verkehrsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) wird die Einführung der neuen Begegnungszone erwartungsgemäß nicht scheitern. Er verweist darauf, dass dieses Vorhaben schon in der gemeinsamen Vereinbarung für eine Zählgemeinschaft von Linken, Grünen und SPD im Bezirk vorgemerkt war. Kuhn will auch dafür sorgen, dass die Neugestaltung des Bereichs am Bahnhof mit dem künftigen Großprojekt Pankower Tor mit 2000 Wohnungen in Einklang steht – das Baufeld liegt nur einen Steinwurf vom Garbatyplatz entfernt.

Wenn es tatsächlich gelingt, für die Begegnungszone in Pankow Geld vom Senat zu beantragen, dürfte der Umsetzung im rot-grün-rot dominierten Bezirk nichts im Wege stehen. Im Falle der Begegnungszone in der Bergmannstraße lagen die Kosten aber allein für die jetzt beendete Testphase bei über 1,7 Millionen Euro. Einschließlich der Farbe für grüne Punkte.