Kult-Imbiss

Konnopke’s Imbiß muss Tische abbauen – wegen Denkmalschutz

Konnopke’s Imbiß in Prenzlauer Berg liegt unter der historischen Hochbahntrasse. Stehtische sind deshalb Tabu, sagt der Bezirk.

Eine Wurst-Dynastie: Linda Konnopke, Dagmar Konnopke, Waltraud Ziervogel vor Konnopke’s Imbiß (v.l.n.r.)

Eine Wurst-Dynastie: Linda Konnopke, Dagmar Konnopke, Waltraud Ziervogel vor Konnopke’s Imbiß (v.l.n.r.)

Foto: Massimo Rodari

Berlin. An "Konnopke’s Imbiß" am U-Bahnhof Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg wird das Wurst essen von nun an umständlicher. Denn die weißen Picknicktische vor der Bude, an denen man bislang Currywurst und Pommes bequem verzehren konnte, müssen verschwinden. Das hatte die "New York Times" zuerst berichtet - was das Bezirksamt Pankow nun bestätigte. Der Grund: Ein Streit um den Denkmalschutz unter dem Viadukt der U-Bahnlinie U2 mit der Betreiberin Waltraud Ziervogel.

„Vor einigen Jahren wurde von Frau Ziervogel ein Erweiterungsbau beantragt, um den Gästen eine überdachte Sitzgelegenheit zu bieten. Dieser wurde genehmigt unter der Auflage, dass der Bau einen Ersatz für die Tische und Bänke darstellt. Frau Ziervogel wollte letztere jedoch zusätzlich zum Erweiterungsbau behalten“, erklärt eine Sprecherin des Stadtrats für Stadtentwicklung, Vollrad Kuhn (Grüne), das Problem.

Denkmalschutzbehörde: Imbiss-Tische verdecken historisches Pflaster

„Sowohl das Viadukt, als auch die Pflasterung darunter stehen jeweils unter Denkmalschutz und werden durch eine übermäßige Inanspruchnahme an Fläche seitens des Imbisses optisch beeinträchtigt, daher hat die untere Denkmalschutzbehörde keine Zustimmung zu einer Flächenerweiterung gegeben“, heißt es weiter.

Waltraud Ziervogel zog daraufhin vor Gericht - und hat nun laut Auskunft des Bezirksamtes Pankow den Prozess verloren. Das Ergebnis: "Konnopke’s Imbiß" muss Bänke und Tische abräumen. Wer die hoch gelobte Wurst essen will, muss entweder mit dem Pappteller balancieren oder kann sich in den Erweiterungsbau setzen - vorausgesetzt, er findet einen Platz. Am Montag waren die Stehtische vor dem 1930 gegründeten Familienbetrieb noch im Einsatz. Mitarbeiter wollten sich zum verlorenen Rechtsstreit nicht äußern. Zuletzt geriet der Imbiss in die Schlagzeilen, als im Sommer 2017 Unbekannte dem Lokal sein scharfes S vom Dach stahlen. Der Verlust der Tische dürfte schwerer wiegen.

Denkmalschutz unter dem Viadukt der U2 führte zur Streichung von Fahrradständern

Die „New York Times“ hatte den Rechtsstreit zwischen Ziervogel und dem Bezirksamt Pankow nur beiläufig in einem Porträt über das „ikonische Wurst-Geschäft“ in Prenzlauer Berg erwähnt. Dabei wird der Konflikt um die Möblierung vor dem Häuschen auf einer Verkehrsinsel zwischen Schönhauser ­Allee, Kastanienallee und Eberswalder Straße in eine Reihe von Kämpfen gestellt, die das kleine Geschäft in seiner Geschichte auszustehen hatte.

In dem Absatz schreibt der Autor: „Selbst jetzt ist Frau Ziervogel mit dem Kämpfen nicht fertig.“ Anfang des Monats November habe die „Stadt Berlin“ verfügt, dass die Picknick-Tische abzubauen sind, weil sie eine öffentliche Durchwegung blockieren.

Tatsächlich ist aber das Straßen- und Grünflächenamt des Bezirks Pankow für die Sondergenehmigung zuständig und muss entscheiden, unter welchen Bedingungen Wirte Tische, Stühle oder zusätz­liche Kabinen auf öffentlichen Wegen platzieren dürfen. Vom Problem, dass die Tische den Weg versperren würden, ist bei der Begründung für die Verfügung nicht die Rede.

„Wo sollen meine Kunden sitzen?", beschwert sich Ziervogel gegenüber der amerikanischen Zeitung. Sie kündigt an, dass Berliner Medien einen Sturm der Entrüstung entfalten werden angesichts der verschwindenden Bänke. Sie geht dem Bericht zufolge auch davon aus, dass die Behörden dann ihre Entscheidung noch einmal ändern müssen.

Fahrradständer unter Viadukt wurden ebenfalls verboten

Wie problematisch sich der Denkmalschutz der Hochbahntrasse, die im Volksmund Magistratsschirm heißt, auswirkt, musste das Bezirksamt Pankow bei einem anderen Projekt selbst erfahren. Der ursprüngliche Plan, unter dem ­Magistratsschirm Doppelstock-Fahrradständer aufzustellen, war wegen des historischen Umfelds nicht zu halten.

So entschied man sich gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Verkehr stattdessen dafür, an der Schönhauser Allee Parklets aufzustellen, die als Fahrradgaragen dienen. Sie bieten mit vier bis sieben Abstellbügeln allerdings deutlich weniger Platz als die sogenannten Doppelparker, die andernorts in Berlin kein Problem sind. Das Viadukt selbst ließ der Senat Anfang der 2010er-Jahre aufwendig sanieren.