Euthanasie

Nazi-Vorwurf: Pankow prüft Entehrung von Robert Rössle

Der Pathologe Robert Rössle war für seine Erbforschung berühmt – und für Euthanasie-Versuche. Jetzt wird sein Wirken hinterfragt.

Die Ärztin Dr. Ute Linz setzt sich seit drei Jahren dafür ein, dass Robert Rössle entehrt wird. Der Mediziner war in der Nazi-Zeit Leiter der Charité Pathologie.

Die Ärztin Dr. Ute Linz setzt sich seit drei Jahren dafür ein, dass Robert Rössle entehrt wird. Der Mediziner war in der Nazi-Zeit Leiter der Charité Pathologie.

Foto: David Heerde

Berlin. Er trägt den Nationalpreis der DDR, erhielt wegen seiner Errungenschaften in der Erbforschung mehrere Ehrendoktorwürden und wirkte in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften. Im Pankower Ortsteil Buch ist Robert Rössle eine Straße und ein Denkmal am Forschungscampus gewidmet.

Das alles steht auf dem Spiel, seitdem die Ärztin Dr. Ute Linz vor drei Jahren Beschwerde beim Bezirksamt einreichte. Nun prüft das Pankow ernsthaft, Robert Rössle zu entehren. Der Vorwurf: Ein Teil seiner Forschung soll auf Euthanasie-Versuchen zur Zeit der Nazi-Herrschaft beruhen.

Experten der Charité hinterfragen die Forschung von Robert Rössle

Eine schnelle Umbenennung kam für das Bezirksamt allerdings nicht in Frage. Zunächst will man nun bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung das Wirken des Pathologen Robert Rössle von Experten hinterfragen lassen.

Gemeinsam mit dem Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité lädt das Bezirksamt Interessenten am Dienstag, 3. Dezember, ab 19.30 Uhr in die Stadtbibliothek Buch, Wiltbergstraße 21, ein.

War Rössle den Nationalsozialisten gewogen?

Nach der Begrüßung durch Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) sprechen Professor Jens Reich vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und Ute Linz, die Antragstellerin zur Umwidmung, über die Rolle Rössles in der Zeit des Nationalsozialismus. Anschließend diskutieren sie mit weiteren Experten wie Dr. Udo Schagen vom Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité über seine Rolle bei Euthanasie-Versuchen.

Dabei ist auch die Meinung der Veranstaltungsbesucher gefragt. Kern der Diskussion: Die Umbenennung der Robert-Rössle-Straße in Buch.