Straßensperrungen

Neue Baustelle: Ein „Wasserparkplatz“ für Prenzlauer Berg

Die Baustelle im Mauerpark soll schließen – da beginnt die Konstruktion eines zweiten Wasserspeichers. Mehrere Straßen sind gesperrt.

In Prenzlauer Berg errichten die Wasserbetriebe eine Überlaufschwelle und eine Drossel und schaffen so 6.200 Kubikmeter Stauvolumen. Die Baustelle bleibt bis Ende 2021.

In Prenzlauer Berg errichten die Wasserbetriebe eine Überlaufschwelle und eine Drossel und schaffen so 6.200 Kubikmeter Stauvolumen. Die Baustelle bleibt bis Ende 2021.

Foto: Thomas Schubert

Die Methoden sind verschieden, die Ziele gleich: Um Berlins Flüsse vor eingespültem Schmutzwasser zu bewahren, bauen die Berliner Wasserbetriebe riesige Rückhaltebecken und Schutzvorrichtungen an mehreren Standorten in der Stadt. Das größte Teilprojekt überhaupt, der 20 Millionen Euro teure sogenannte Stauraumkanal unter dem Mauerpark, ist beinahe fertiggestellt, da startetet eine neue Baustelle – ebenfalls in Prenzlauer Berg. Hier geht es darum, die Sauberkeit der Spree im Bereich der Museumsinsel zu verbessern. Dafür erweitern die Wasserbetriebe eine mehr als 100 Jahre alte Anlage an einem ganz anderen Ort.

Nach Fertigstellung der Baustelle werden 6200 Kubikmeter Wasser gestaut

Nördlich des S-Bahnhofs Greifswalder Straße auf dem künftigen Gertrud-Classen-Platz, ist der Asphalt bereits aufgerissen. Hier, unterhalb des Dreiecks, wo sich Erich-Weinert-Straße, Naugarder Straße und Hosemannstraße treffen, entsteht ein „Mischwasserparkplatz“. Eine recht umgangssprachliche Bezeichnung für ein voluminöses und komplexes Bauwerk, mit dem sich unter der Erde 6200 Kubikmeter Flüssigkeit unterirdisch aufstauen lassen. Zum Vergleich: der riesige Stauraumkanal im Mauerpark speichert nach seinem Betriebsstart 2020 7400 Kubikmeter. Aber was ist ein solcher „Wasserparkplatz“, wie er nun im bewohnten Gebiet entsteht, technisch gesehen?

Schwellen, Wehre und Drosseln stauen Wasser

Antwort weiß Stephan Natz, der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Er sagt: „Es geht darum, das auflaufende Regenwasser länger in der Kanalisation zu halten, indem man in den Kanälen Überlaufschwellen vergrößert und automatische Wehre einbaut, die wie bewegliche Staumauern funktionieren. Und wir bauen Drosseln ein, die den Rohrquerschnitt von zwei Metern auf 80 Zentimetern verkleinern.“ Auch dadurch werde Wasser gestaut.

Drosselbauwerk unterscheidet sich vom Stauraumkanal im Mauerpark

Das Ergebnis: Ein Überlauf- und ein Drosselbauwerk unterhalb des Dreiecksplatzes, das die Rückstaukapazität von Wasser in den alten Kanälen unter den Gründerzeitblöcken massiv erhöht. „Dadurch wird der Abfluss des Schmutzwassers in Richtung Spree verzögert“, nennt Natz den Nutzen. Während der Stauraumkanal unter dem Mauerpark mit einem Volumen als völlig neues Element in den Untergrund gegraben wurde, sei das jetzige Projekt eine Erweiterung der historischen Substanz.

Baustelle bis Ende 2021: Wasserbetriebe erweitern Kanalsystem aus dem 19. Jahrhundert

Das unterirdische System, das vom Dreiecksplatz in Prenzlauer Berg bis zu einem Überlauf an der Museumsinsel in die Spree mündet, erlebte seine Grundsteinlegung noch im 19. Jahrhundert. Damals schickte sich James Hobrecht an, die Berliner Gründerzeitquartiere, wie sie die Stadt heute prägen, neu zu erfinden. „Es gab Prenzlauer Berg noch gar nicht“, sagt Natz zum Ursprung jener Anlage, die sich jetzt, über 100 Jahre später, in eine Baustelle verwandelt. Anwohner und Pendler haben das durch Sperrungen auf der Erich-Weinert-Straße, Naugarder Straße und Hosemannstraße in diesen Tagen schon bemerkt.

Neue Baustelle ist Teil eines Projekts in ganz Berlin

Nach der Fertigstellung aller Baumaßnahmen zur Reinhaltung der Berliner Flüsse wollen die Wasserbetriebe in allen neuen Berliner Anlagen insgesamt 300.000 Kubikmeter Wasser auffangen können. Damit wird die Spree bedeutend weniger durch Schmutzwasserzufluss getrübt als bisher. Mehr als 245.000 Kubikmeter Stauvolumen sind durch das aktuelle Bauprogramm schon umgesetzt. 2,1 Milliarden Euro investieren die Wasserbetriebe seit 2016 in ihre Technik im Berliner Untergrund.

Wasserbetriebe bewegen 2500 Kubikmeter Boden und 1000 Kubikmeter Beton

Auch technisch gesehen kommen auf Anwohner des Dreiecksplatzes offenbar noch große Einschränkungen zu. Denn um an die alten Anlagen heranzukommen, müssen die Wasserbetriebe auch Strom, Gas und Fernwärmeleitungen umlegen. Bis die Arbeiten für den Wasserparkplatz in Prenzlauer Berg „tief in die Erde gehen“, werden laut Natz noch einige Wochen vergehen. Bei dem Projekt werden insgesamt 2500 Kubikmeter Boden sowie rund 1000 Kubikmeter Beton und 150 Tonnen Stahl bewegt.

Baustadtrat sieht „keinen Spielraum für Bauzeitverkürzung“

Wie die Anwohner mit Lärm, Schmutz und Staus zurechtkommen? Pankows SPD-Fraktion hat sich wenige Tage nach Eröffnung der Baustelle des Themas angenommen und das Bezirksamt befragt. Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) verweist auf frühzeitige Postsendungen, mit denen die Wasserbetriebe auf das Großprojekt hingewiesen haben. Damit sich die Baustelle möglichst wenig auf das Gewerbe im Kiez auswirkt. konnten sich Geschäftsleute in Einzelgesprächen äußern.

Auswirkungen der Baustelle auf Geschäfte in Einzelgesprächen diskutiert

„Zur frühzeitigen Erkennung von negativen Einflüssen auf den jeweiligen Gewerbebetrieb, wurden Aspekte der Erreichbarkeit besprochen und Lösungsvorschläge erörtert“, versichert der Stadtrat. Laut Kuhn hatten die Planer dem Bezirksamt ihr Vorhaben im Oktober 2015 erstmals vorgestellt. Angesichts der Planungen von fünf einzelnen Bauphasen sei mit einem langwierigen Vorhaben zu rechnen – „danach gibt es keinen Spielraum für eine Bauzeitverkürzung“, lautet die Einschätzung.

Stadtplatz wird Nazi-Widerstandskämpferin Gertrud Classen gewidmet

Es soll also noch deutlich mehr geschehen, als die jetzigen Bauarbeiten und Sperrungen an der Oberfläche vermuten lassen. Wenn sich das bislang anonyme Dreieck in Prenzlauer Berg 2022 wieder in eine begrünten Freifläche verwandelt, soll sie auch erstmals einen Namen erhalten: Das Dreieck erinnert dann an die Bildhauerin und Malerin Gertrud Classen (1905-1974). Sie ging als Widerstandskämpferin gegen das Nazi-Regime in die Berliner Geschichte ein.