Radverkehr in Berlin

Wie es zu den Problemen mit grünen Radwegen kam

Baumscheiben sind noch immer voll von grünem Sand. Doch von einer Baupanne will die Senatsverkehrsverwaltung nichts wissen.

Sieht aus wie Moos, ist aber bunter Sand: Die grüne Farbe des Radwegs in Halensee haftet seit Tagen an den Baumwurzeln.

Sieht aus wie Moos, ist aber bunter Sand: Die grüne Farbe des Radwegs in Halensee haftet seit Tagen an den Baumwurzeln.

Foto: Thomas Schubert

Keine Baupanne, kein eigenes Verschulden – die beiden verunglückten grünen Radwege in Prenzlauer Berg und Halensee sind aus Sicht der Senatsverkehrsverwaltung einwandfrei. Die Verantwortung für das Abfräsen von zehn frisch markierten Stellen an der Greifswalder Straße und für das Abfärben der neuen grünen Fahrspuren auf der Joachim-Friedrich-Straße tragen laut Jan Thomsen, dem Sprecher des Hauses von Senatorin Regine Günther (Grüne), andere.

Infravelo gibt Falschfahrern die Schuld

Am Wochenende hatte sich auf der Joachim-Friedrich-Straße frischer, grüner Quarzsand von neu angestrichenen Radstreifen gelöst und großflächig über die Fahrbahnen, Parkplätze und Baumscheiben verteilt. Regen spülte den farbigen Sand über mehrere Hundert Meter weit. Nach Darstellung der zuständigen Gesellschaft Infravelo hatten Unbekannte eine Bauabsperrung geöffnet und waren offenbar mit Autos über die grünen Markierungen gefahren. Ein eigenes Versäumnis bei der Bauausführung und der Baustellensicherung sieht die Infravelo nicht. „Die Straße wird jetzt gesäubert, der Radweg ist in Ordnung und kann genutzt werden“, erklärte auch Jan Thomsen. Es liege in dem Fall eine Ordnungswidrigkeit und eine mögliche Verkehrsgefährdnung vor. Man prüfe derzeit Haftungsfragen.

Baumscheiben am grünen Radweg bleiben trotz Reinigung verschmutzt

Am Dienstag waren die Fahrspuren der Joachim-Friedrich-Straße abgekehrt. Doch auf den Baumscheiben neben dem Weg und in den Ritzen des Kopfsteinpflasters in Parkbuchten hat sich der grüne Sand offenbar so stark festgesetzt, dass sie noch immer in „verkehrsgrüner“ Farbe leuchten. Dies ist die offizielle Bezeichnung für die Koloration, die Radfahrer besser sichtbar machen und damit schützen soll. Eine Endreinigung der Umgebung soll nun am Mittwoch erfolgen.

Die Auffräsung des neuen grünen Radwegs auf der Greifswalder Straße geschah laut Senatsverkehrsverwaltung aufgrund einer Planänderung der Berliner Wasserbetriebe. Sie hätten die grüne Spur schonen wollen, was aber in der Baupraxis nicht gelang. „Entgegen diesen ersten Planungen wurde die Straße dann doch auch auf der Radwegfläche geöffnet. Das kann passieren, wenn sich Pläne ändern“, so Thomsen.

Grüner Radweg in Prenzlauer Berg wird erneut aufgefräst

Die Berliner Wasserbetriebe bestätigen diese Schilderung – und kündigen zugleich an, den grünen Radweg ab Januar an anderer Stelle erneut aufzufräsen. Die Arbeiten an den Trinkwasserleitungen werden dann fortgesetzt. Dass die Wasserbetriebe am Fahrbahnrand der Greifswalder Straße den Asphalt aufbrechen würden, sei klar gewesen, bevor die Grünmarkierung des Radwegs überhaupt konzipiert wurde, gab ein Sprecher zu bedenken. Laut Senatsverkehrsverwaltung sollen die Wasserbetriebe die Reparatur des grünen Radwegs bezahlen.