Blankenburger Süden

Neues Straßenbahn-Depot: Pankow warnt vor Häuser-Abriss

Beim Bau eines neuen Stadtquartiers in Pankow soll auch eine neue Straßenbahntrasse entstehen. Das neue Depot gefährdet ein Wohngebiet.

Mit einer Verlängerung der Straßenbahnlinie M2 will der Senat den Blankenburger Süden erschließen. Dafür braucht es aber ein neues Depot.

Mit einer Verlängerung der Straßenbahnlinie M2 will der Senat den Blankenburger Süden erschließen. Dafür braucht es aber ein neues Depot.

Foto: Harf Zimmermann

Berlin. Bei der Planung des größten Berliner Entwicklungsgebiet, dem Blankenburger Süden mit bis zu 6000 Wohnungen, gilt der Bau einer neuen Straßenbahntrasse derzeit als größter Streitpunkt. Über die verlängerte Linie M2 soll das neue Stadtquartier mit dem Alexanderplatz und dem S-Bahnhof Blankenburg verknüpft werden.

Egal welche Streckenführung der Senat beschließt – in Pankow wird dafür auch ein neuer Straßenbahnbetriebshof benötigt. Mit einem Gutachten ließen die Verantwortlichen mehrere Standorte prüfen. Nun steht ein Favorit fest, der aber ein gravierendes Problem mit sich bringt. Denn dem geplanten Depot stehen Wohnhäuser im Weg.

Bau des Straßendepots könnte 2024 starten

Laut einem Ergebnisbericht, den Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) am Donnerstag bekannt gab, räumt der Senat einem Betriebshof zwischen der Bundesautobahn A114 und der Erholungsanlage Blankenburg derzeit die größten Chancen ein. Ab 2024 könnte dort der Bau des Tramdepots starten.

Kuhn lehnt diesen Vorschlag strikt ab und betrachtet ihn als eine „rein theoretische Betrachtungsweise“, die in der Praxis kaum zu halten sei. „Die Einschätzung der Realisierung als machbar, auch unter dem zeitlichen Aspekt des Baubeginns 2024, halte ich für nicht zutreffend“, erklärt Kuhn. In der Erholungsanlage Blankenburg seien viele „private, zum Wohnen genutzten Grundstücke“ vorhanden. Diese müssten wohl enteignet und die Besitzer entschädigt werden. Erst nach einem Abriss von etwa 50 Häusern könnte der Bau des Depots starten.

Pankow warnt vor Klagen der enteigneten Anwohner

„Neben Entschädigungsbelangen wäre hier auch ein großer Umfang rechtlicher Konsequenzen und Ordnungsmaßnahmen in relativ kurzer Zeit abzuarbeiten“, warnt der Stadtrat in einem Schreiben an Staatssekretär Sebastian Scheel. Dafür seien die personellen Ressourcen im Bezirksamt Pankow nicht vorhanden. Außerdem bestehe die Aussicht, „durch Klageverfahren an der Realisierung gehindert zu werden.“

Der umstrittene Standort an der Erholungsanlage wird in der Untersuchung des Senats als Variante A bezeichnet. Als weniger aussichtsreich gelten die Variante B mitten auf dem Baugrund des neuen Stadtquartiers auf den Blankenburger Rieselfeldern und eine Variante C im Gewerbegebiet Heinersdorf.

Letztere Option befürwortet wiederum das Bezirksamt Pankow. Auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte diese Möglichkeit empfohlen. „Ein gegebenenfalls erforderlicher Straßenbahnbetriebshof ist im Bereich des dafür gut geeigneten Gewerbegebiets Heinersdorf anzusiedeln. Eine Ansiedlung des neuen Betriebshofs im Bereich der Erholungsanlage oder zwischen Autobahn und Eisenbahnstrecke wird von der BVV abgelehnt“, heißt es im Beschluss.

Werkstattverfahren zum Blankenburger Süden am 7. November gestartet

Den neuen Ergebnisbericht zum Gutachten hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen laut Bezirksamt Pankow gemeinsam mit der BVG und externen Fachberater erstellt. Eine endgültige Festlegung eines Standorts für das Depot steht aber noch aus.

Zum Blankenburger Süden läuft seit dem 7. November ein Werkstattverfahren, in dem Planungsbüros mehrere Testentwürfe für das neue Quartier mit 5000 bis 6000 Wohnungen auf landeseigenen Flächen anfertigen sollen. Nach jetzigem Stand könnte der Baubeginn für das Quartier, das einen besonders hohen Anteil von bezahlbaren Wohnungen erbringen soll, in der zweiten Hälfe der 2020er Jahre erfolgen.