Wohnungen in Pankow

Berlins größtes Neubauprojekt bekommt ein Gesicht

In einem Werkstattverfahren zum Blankenburger Süden sollen Planungsbüros zeigen, wie 6000 Wohnungen auf Feldern Platz finden können.

Der Blankenburger Süden ist mit bis zu 6000 Wohnungen grenzt an das Pankower Tor, wo 2000 Wohnungen entstehen werden. Bei beiden Projekten verzögert sich das Planungsverfahren immer wieder.

Der Blankenburger Süden ist mit bis zu 6000 Wohnungen grenzt an das Pankower Tor, wo 2000 Wohnungen entstehen werden. Bei beiden Projekten verzögert sich das Planungsverfahren immer wieder.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Noch ist der Blankenburger Süden ein Phantom. Wenn Planer das größte bislang vorgestellte Wohnungsbauprojekt Berlins in einer der ländlichsten Regionen Pankows darstellen möchte, zeigen die Abbildungen meist nur einen roten Rahmen. Der liegt auf einem grünen Grund. Grün ist er deshalb, weil es sich beim künftigen Baugrund vor allem um Wiesen und Ackerflächen handelt.

Wie in dem 90 Hektar großen Kerngebiet am Blankenburger Pflasterweg 5000 bis 6000 Wohnungen Platz finden sollen, das werden nun vier Planungsbüros zeigen. Im Rahmen einer Werkstattverfahrens, das am 7. November mit einem „Kick-off“ startet, soll die Gestalt des Großquartiers am Blankenburger Pflasterweg erstmals wirklich greifbar werden.

Bau auf landeseigenen Grundstücke erlaubt niedrige Mieten

Mit Hilfe der vier „Testentwürfe“, die am Ende vorliegen sollen, erhält der Blankenburger Süden sozusagen ein Gesicht und wird besser zu vermitteln sein als es die nackten Zahlen und roten Rahmen erlauben. „An dem kooperativen, städtebaulichen Werkstattverfahren nehmen vier Teams, aus Planern mit dem fachlichen Schwerpunkt Städtebau und Landschaftsarchitektur teil. Diese vier Teams wurden über ein EU-weites Vergabeverfahren ausgewählt“, erklärt Katrin Dietl, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Weil das Gebiet vollständig dem Land Berlin gehört, könnten die Mieten im Blankenburger Süden entsprechend niedriger ausfallen. Der Ankauf von teurem Grund und Boden entfällt. Ein Schwerpunkt liegt laut Dietl deshalb auf „bezahlbaren Wohnungen“. Bestenfalls entstünde ein ganzer Kiez mit Häusern, in die man sich auch mit niedrigem und mittleren Einkommen einmieten kann.

Variante D als Antwort an Kritik nach der Auftaktarena

Mit dem Werkstattverfahren schließt das Projekt Blankenburger Süden die „Laborphase“ ab. Wenn im Frühjahr 2020 die Testentwürfe vorliegen – sie sollen möglichst unterschiedlich gehalten sein und konkrete Ideen und Bilder liefern – kann sich daraus ein Entwurf ableiten lassen, über den das Berliner Abgeordnetenhaus schließlich abstimmen wird. Das jetzige Verfahren will der Senat auch als Reaktion auf anhaltenden Protest der Anwohner verstanden wissen.

Bis heute wirkt eine „Auftaktarena“ aus dem März 2018 nach, als die Abteilung von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) überraschend auch eine Variante mit bis zu 10.000 Wohnungen präsentierte, während die Obergrenze bis dato bei 6000 Wohneinheiten lag. Inzwischen sei aus Sicht der zuständigen Senatsverwaltung klar, „dass die damals vorgestellten drei Alternativen A, B und C für das Struktur- und Nutzungskonzept von Teilen der Öffentlichkeit und Politik sehr kritisch gesehen wurden“. Im Frühling 2020 also, zwei Jahre nach der Auftaktarena, kommt die Variante D.

Planer sollen Blankenburger Süden mit der Nachbarschaft verflechten

Themen, mit denen sich die Teams – sie werden noch nicht namentlich benannt – beim Werkstattverfahren laut Ausschreibung „kritisch und kreativ“ auseinandersetzen sollen, sind Nutzungen und Funktionen, Städtebau, Freiräume und Ökologie, Mobilität und Verkehr sowie die Verflechtungen mit der Nachbarschaft. Auch auf die Kritik, dass Anwohnerinitiativen mit ihren Bedenken zu wenig gehört wurden, will die Stadtentwicklungsabteilung eingehen.

„Die Teams haben die bisherigen Hinweise aus der Öffentlichkeit, die im Rahmen der Online-Beteiligung im März letzten Jahres und der Bürgerwerkstatt zu den vorbereitenden Untersuchungen im Mai 2018 festgehalten wurden, ebenso wie die Positionspapiere der Bürgerinitiativen erhalten und werden diese in ihren Entwürfen einfließen lassen“, betont Sprecherin Katrin Dietl. Als öffentlicher Termin des Werkstattverfahrens sei eine Präsentation der Entwürfe im kommenden April geplant.

Eine kritische Beobachtung des Workshops vonseiten der Blankenburger Initiativen ist gewiss. „Vorgaben unsererseits wurden zu keiner Zeit erbeten, unsere Alternativvorschläge wurden seit über zwei Jahren zur Kenntnis beziehungsweise noch einmal mitgenommen. Jedoch fanden wir diese in keiner Ausschreibungsunterlage zum Werkstattverfahren umgesetzt geschweige denn berücksichtigt“, ärgert sich Ines Landgraf vom Siedlerfreunden der Anlage Blankenburg.

Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung kommen per Post

Schon in diesen Tagen erhalten die Anwohner Post zu einem Thema, das noch heftiger diskutiert wird als die Zahl der Wohnungen: Mobilität. Im Briefkasten findet man eine Sendung der Senatsverwaltung für Verkehr, in der Ergebnisse einer Verkehrsanalyse dargestellt werden.

„In der Broschüre sollen die betroffenen Pankower Bürgerinnen und Bürger über die abgeschlossenen und über die laufenden Untersuchungen zum Nordostraum Berlins sowie zum geplanten Stadtquartier Blankenburger Süden informiert werden. Dabei geht es zum einen um die Straßennetzuntersuchung Nordost-Raum, die bereits abgeschlossen ist“, erklärt Sprecher Jan Thomsen.

Auch die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur Erschließung des Blankenburger Südens mit einer Straßenbahn und zu einer laufenden Untersuchung zur Anbindung des Quartiers über Straßen würden dort präsentiert.

In Pankow sollen 21.000 neue Wohnungen entstehen

Kritiker des Verfahrens wenden ein, dass die Fragen nach der Verkehrserschließung und dem Wohnungsbau separat beantwortet werden – dabei ist das Quartier, in dem eines Tages etwa 10.000 Pankower leben werden nur ein Teil einer massiven Bauoffensive, die Ende der 2020er-Jahre im Norden des einwohnerstärksten Bezirks stattfinden wird, wie zum Beispiel der Pankower CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Kraft betont.

Das Gesamtpotenzial umfasse 21.000 Wohnungen und beinhalte auch neue Stadtquartiere am Pankower Tor, in Buch, Französisch Buchholz und Karow. Dass die jetzige Verkehrsinfrastruktur für dieses Wachstum ausreicht, hält Kraft für ausgeschlossen. „Wir fahren jetzt schon am Limit“, warnt er vor einem Kollaps.

Senat will Vorschlag für U10 nach Buch nicht verfolgen

Seinem Konzept zum Ausbau der U-Bahnlinie U2 bis Karow und einer neuen Linie U10 vom Alexanderplatz nach Buch mit einem Kreuzungsbahnhof in Karow-Teichberg hat die Senatsverkehrsverwaltung aber zunächst eine Abfuhr erteilt. Man wolle sich auf sich auf drei aktuelle Machbarkeitsstudien zur Verlängerung der U6 zur Urban Tech Republic, der U7 nach Schönefeld und der U8 ins Märkische Viertel konzentrieren – „was umgekehrt bedeutet, dass andere, ebenfalls diskussionswürdige Vorschläge aktuell nicht priorisiert werden“, sagt Thomsen.

Damit bleibt für die Schienenanbingung des Blankenburger Südens ans Zentrum am Alexanderplatz nur eine, bei Pankower Bürgerinitiativen eher unbeliebte Option: die Straßenbahn.