Weißensee

„Quartier wir“: 160 Wohnungen mit Pioniercharakter

Eine Genossenschaft hat in Weißensee Wohnungen für Demenzkranke, Behinderte, Jugendliche, Flüchtlinge und Gutverdienende gebaut.

Kurze Bauzeit dank vorgefertigtem Holz: Im "Quartier Wir" entsteht innerhalb weniger Monate eine der größten Holzsiedlungen Berlins (Foto von Juni 2019)

Kurze Bauzeit dank vorgefertigtem Holz: Im "Quartier Wir" entsteht innerhalb weniger Monate eine der größten Holzsiedlungen Berlins (Foto von Juni 2019)

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Im Rohbau sind die Häuser an der Piesporter Straße in Weißensee bereits fertig. Noch türmen sich Sandhaufen auf dem Gelände. Handwerker sind mit dem Innenausbau beschäftigt. Auf einem ehemaligen Friedhofsareal entwickelt die Genossenschaft Begeno 16 das „Quartier wir“. Rund 160 Mietwohnungen entstehen in vier Gebäuden. Sie seien zu 75 Prozent vergeben sagte Udo Knapp, Vorstand der Begeno, am Montag bei einer Vorstellung des Vorhabens. Die ersten Bewohner ziehen am 1. Januar 2020 ein.

Mehrere soziale Träger sind Partner, darunter das Diakonische Werk und der Seh-Stern e.V. Sie mieten etwa ein Drittel der Wohnungen im Quartier. Demenzkranke, Behinderte, Jugendliche und Flüchtlinge werden künftig dort leben. Doch größtenteils ziehen Familien mit gutem Einkommen und Senioren aus der näheren Umgebung in die Neubauten. Bei elf Euro je Quadratmeter liege die Kaltmiete, sagte Udo Knapp. Einige Wohnungen würden für 8,75 Euro vergeben.

Eigenanteil von 500 Euro pro Quadratmeter nötig

Als Genossenschaftsanteil sind 500 Euro je Quadratmeter zu zahlen. Die sozialen Träger übernehmen diese Summe für ihre Wohnungen. Um die Finanzierung der sechs Wohnungen, in denen 20 Flüchtlinge leben werden, bemüht sich der Verein Xenion. Er sucht Unterstützer, die Geld zur Verfügung stellen und Wohnungspatenschaften übernehmen. Der Verein wirbt auch um Spenden, in Kooperation mit der Schweizer Stiftung Trias. Insgesamt 250.000 Euro seien erforderlich, sagte Bea Fünfrocken vom Verein Xenion am Montag. Es gebe bereits Zusagen für 160.000 Euro.

Ziel der Genossenschaft sei es, Integration und Nachbarschaft innerhalb des Quartiers zu ermöglichen, sagte Udo Knapp am Montag. Es werde offen für Anwohner aus der Umgebung sein. Sie können an Kursen in der kleinen Schwimmhalle teilnehmen und die Physiotherapie-Praxis aufsuchen, die entsteht. Im Erdgeschoss eines der Neubauten wird ein Ausbildungsrestaurant eingerichtet, das die Stiftung SozDia aus Friedrichshain betreibt. Das Freizeithaus Weißensee bekommt eine Außenstelle im Quartier. Auch eine Kita mit 25 Plätzen ist vorgesehen.

Um das Miteinander der vielfältigen Bewohnerschaft zu begleiten, werde ein Quartiermanager eingestellt, kündigte Udo Knapp an. Wichtigster Partner bei der Realisierung des Quartiers sei der Projektentwickler Thomas Bestgen mit seiner Firma UTB, sagte Knapp. „Er hat das Vorhaben mit hohem persönlichem Einsatz möglich gemacht.“

Das „Quartier wir“ mit seiner Vielfalt könne zum Vorbild für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften werden, so der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto, der das Vorhaben unterstützt. Um weitere private Geldgeber für die Flüchtlingswohnungen zu gewinnen, will der Abgeordnete zusammen mit dem Verein Xenion das Anliegen am 13. November, 19-21 Uhr, im Pfarrsaal der Katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie, Wichertstraße 23, in Prenzlauer Berg vorstellen.