Neugestaltung

Lärmschutzwand in Prenzlauer Berg zur Premiere beschmiert

Eine Betonwall soll spielenden Kindern Ruhe verschaffen. Zur Sicherheit hat der Bezirk den Boden „polstern“ lassen.

Graffiti auf der Lärmschutzwand ließen sich nicht rechtzeitig vor der Eröffnung des Platzes entfernen. Ein weicher Belag vor der Mauer soll Sturzverletzungen verhindern.

Graffiti auf der Lärmschutzwand ließen sich nicht rechtzeitig vor der Eröffnung des Platzes entfernen. Ein weicher Belag vor der Mauer soll Sturzverletzungen verhindern.

Foto: Thomas Schubert / BM

Ein geschwungenes Etwas zieht sich seit einigen Wochen über die Flanke des neu gestalteten Fröbelplatzes. Was dieser Wall darstellen soll, lieferte Stoff für eine Anfrage des Pankower Bezirkspolitikers Wolfram Kempe (Linke), der in seinem Anschreiben spaßeshalber von einer „Panzersperre“ sprach. Tatsächlich handelt es sich um eine Lärmschutzwand, die spielenden Kindern auf der Freizeitfläche Ruhe verschaffen soll. Zur Eröffnung des Platzes erlebten Familien allerdings nun gleich zwei Überraschungen.

Mauer ersetzt Sträucher und Bäume

Die eine betraf die nicht beabsichtigte künstlerische Gestaltung der neu gebauten Wand. Graffiti-Sprayer hatten sich über Nacht an mehreren Stellen auf dem Beton verewigt – zum Ärger von Anwohnern, die noch den Bäumen und Hecken an dieser Stelle nachtrauern. Sie empfinden den Wall als Fremdkörper und teilten das bei der Premierenfeier Vertretern des Bezirks auch mit. Die Gehölze wurden vom Bezirksamt Pankow vor einiger Zeit entfernt, weil sie nicht mehr standfest waren, wie Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grün) begründet. Und weil sie nicht den Schallschutzanforderungen an dem Freizeitort entsprechen – im Gegensatz zur Wand. Dazu hatte Pankow auch einen Gutachter eingeschaltet, der eine wesentlich höhere Wand empfahl. Aber man entschied sich lieber für eine moderate Höhe von unter zwei Metern.

Eine zweite Überraschung betrifft den besonders weichen Belag, der sich auf dem Boden vor der Mauer befindet. Er sei verlegt worden, damit sich Personen, die von der Mauer stürzen, nicht verletzen, sagte Stadtrat Kuhn – „das geschah aus Gründen der Haftung.“ Damit sich Passanten, vor der Wand nicht über die weichen Fläche im Boden wundern, will man sie noch farbig hervorheben. Kostenpunkt für das 86 Meter lange „Freiraum-Element“: 146.000 Euro. Insgesamt schlägt die Neugestaltung des Fröbelplatzes laut Bezirksamt mit 833.000 Euro Euro zu Buche. Dafür gibt es nun Spiel- und Fitnessgeräte und Sitzbänke in leuchtendem Rot.

Eine Dame, die seit 46 Jahren am Platz lebt, ließ sich davon bei der Eröffnung des neu gestalteten Platzes vom Gesamtergebnis nicht überzeugen. „Die Hecke, die wir vorher hatten, war für den Schallschutz genau richtig“, hielt sie an ihrem Standpunkt fest. Mit der Wand lade man Graffiti-Sprayer geradezu ein. Während der Bauzeit hätten Unbekannte ein großes Hakenkreuz aufgesprüht, das dann entfernt werden musste. Jetzt kam es zur zweiten Schmierattacke. Um solche Probleme künftig zu vermeiden, hat das Bezirksamt bereits eine Lösung in Vorbereitung. Stadtrat Kuhn will die Mauer von Künstlern gestalten lassen. Und an die Oberkante Bambus pflanzen.