Freiflächen

Morddrohungen und böse Briefe: Kleingärtner-Streit eskaliert

Die Vorsitzende der Gartenfreunde führt auch eine Firma, die Flächen vermarktet. Gegner fordern den Rücktritt. Der Ton ist aggressiv.

Gartenzwerge gelten als Inbegriff der Beschaulichkeit unter Laubenpiepern. In Pankow wollen sich Gärtner aber laut einem Brief mit Eisenstangen bewaffnen, um einen Kritiker niederzuschlagen.

Gartenzwerge gelten als Inbegriff der Beschaulichkeit unter Laubenpiepern. In Pankow wollen sich Gärtner aber laut einem Brief mit Eisenstangen bewaffnen, um einen Kritiker niederzuschlagen.

Foto: FABIAN BIMMER

Berlin. Herbstzeit am Gartenzaun: Vor dem ersten Frost wird einträchtig geerntet, geharkt, präpariert. Zeit für friedliche Runden im Vereinsheim und den Austausch von Tipps für die Pflege von Beeten unter Berliner Laubenpiepern. Nicht so im Bezirksverband der Gartenfreunde Pankow. Hier ist nun ein Konflikt eskaliert, der schon seit Monaten schwelte.

Im Mittelpunkt stehen die Verbandsvorsitzende Viola Kleinau und ihr Stellvertreter Friedhelm Schipper. In aggressivem Ton entlädt sich der Ärger über mutmaßliche Geschäfte, die unter ihrer Regie parallel zur Verbandsarbeit stattgefunden haben sollen oder stattfinden könnten. Unterstützer und Gegner von Kleinau werfen sich gegenseitig vor, das Kleingartenwesen zu zerstören. Wie das Magazin „Liebesgrüße vom Gartenzwerg“ berichtet, gab es nun sogar Morddrohungen gegen das Führungsduo.

Firma zur Verwaltung und Vermittlung von Siedlungsanlagen gegründet

Anlass des Streits ist offenbar die Doppelrolle Viola Kleinaus, die nicht nur dem Bezirksverband der Gartenfreunde in Pankow vorsitzt, sondern 2016 auch die Firma „VFR Stadtgrün Erhaltung“ gegründet hat. Ziel sollte es sein, Verwaltung und Vermittlung von Wochenendgrundstücken, Siedlungsanlagen und Erholungsanlagen durchzuführen.

Kritiker sehen darin einen Interessenskonflikt, der die Gefahr mit sich bringt, dass Kleinau mithilfe von Hintergrundinformationen aus ihrer Funktionärstätigkeit private Gewinne erwirtschaften könnte. „Es geht hier um das Ausnutzen von Insiderwissen“, befürchtet Axel Quandt, der Herausgeber des Magazins „Liebesgrüße vom Gartenzwerg“.

Unbekannte drohen Magazinherausgeber Schläge mit Eisenstangen an

Auch Quandt sieht sich seit seinen Berichten über den Konflikt um Viola Kleinau mit Gewaltandrohungen und Beleidigungen konfrontiert. Er habe sieben Schmähbriefe von unbekannten Adressaten erhalten, die ihn unter anderem auffordern, seine Parzelle räumen. Man wolle ihm gerne beim Umzug behilflich sein und zu diesem Anlass mit Eisenstangen erscheinen, zitiert Quandt aus einem der Schreiben. „Ich wurde in Fäkalsprache beschimpft und als Nestbeschmutzer dargestellt.“

Inzwischen habe der Verleger eine Anwältin eingeschaltet und werde Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten. Gleichzeitig teilt Quandt in seinem Magazin gegen die anonymen Widersacher aus und schreibt: „Möglicherweise sehen hier – angesichts der öffentlichen Streitigkeiten und wachsenden Spannungen – einige Soziopathen die Chance, sich wichtigtuerisch in Szene zu setzen und masturbativ ihrem Ego zu schmeicheln.“

„Gerüchte, die jeglichem Wahrheitsgehalt entbehren“

Viola Kleinau weist die Vorwürfe zum Interessenskonflikt um ihre Firma entschieden zurück. Es seien „Gerüchte und Unterstellungen in Umlauf gebracht worden, die jeglichen Wahrheitsgehalts entbehren“, erklärt sie in einem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Die VFR Stadtgrün Erhaltung GmbH verwalte ausschließlich die ehemalige Kleingartenanlage Idehorst, die 2004 zur Erholungsanlage umgewidmet wurde. „Der Grundstückseigentümer hat daher im Jahr 2012/2013 mit den jeweiligen Nutzern direkte Mietverträge zur Erholungsnutzung und zum Dauerwohnen abgeschlossen.“

Etwaige Maklertätigkeiten der VFR Stadtgrün Erhaltung GmbH finden ausschließlich im Rahmen der Grundstücksnutzung der Anlage Idehorst statt. Maklercourtagen werden weder erhoben noch durch Dritte an die VFR Stadtgrün Erhaltung GmbH gezahlt“, stellt Kleinau klar. Ihre Firma habe ein gemeinnütziges Ziel, wolle den Erhalt von Kleingärten sichern und keine Gewinne erzielen. Eine Trennung zwischen den Funktionärsgeschäften und der Führung der Firma sei gegeben.

Zu weiteren Details möchte sich Kleinau nicht äußern, „um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden“, wie sie auf Nachfrage der Morgenpost sagt. Ob diese Ermittlungen aufgrund der Morddrohungen gegen sie zustande kamen, war nicht zu erfahren.

Bezirksamt Pankow will nicht einschreiten

Bei den Kritikern um Axel Quandt stößt die schriftliche Erklärung auf Unverständnis – weil die Firma als GmbH gegründet wurde und nicht beispielsweise als gemeinnütziger Verein. Quandt geht deshalb davon aus, dass durchaus die Absicht besteht, mit der Firma in Zukunft Gewinne zu erwirtschaften – dank politischen Hintergrundinformationen, die sich aus der Funktionärstätigkeit im Kleingartenverband ergeben. Selbst wenn die Firma bislang keine Maklercourtagen kassiert habe, sei es bei der geschickten Vermarktung von Gärten und Erholungsanlagen möglich, Hunderttausende von Euro auf einen Schlag zu verdienen.

Im Bezirksamt Pankow ist der Fall ebenfalls bekannt. Allerdings sieht der für Grünanlagen und Stadtentwicklung zuständige Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) bislang keinen Grund einzuschreiten. „Das ist Sache des Bezirksverbands – wir haben darauf keinen Einfluss und können auch keinen Kommentar dazu abgeben soweit bezirkseigene Flächen nicht betroffen sind“, nimmt Kuhn Stellung.

Verhaltenskodex für Kleingärtner in Arbeit

So regeln die Pankower Kleingärtner den Konflikt intern, wobei sich verschiedene Szenarien abzeichnen. Während eine Mehrheit der Gärtner Kleinau bei einer Versammlung das Vertrauen ausgesprochen hat, fordern einige Kritiker wegen des angeblichen Interessenkonflikts ihren Rücktritt.

Axel Quandt wiederum liefert einen Vorschlag, der über den jetzigen Fall hinausweist. Kommende Woche werde er den „Pankower Appell“ präsentieren. Dabei handelt es sich um eine Art Verhaltenskodex, der Laubenpieper dazu verpflichtet, unternehmerische Tätigkeiten von denen eines Kleingartenfunktionärs klar zu trennen. Solche Regelungen sind in der Politik seit langem üblich – und demnächst vielleicht auch unter Gärtnern.