Sicherheit als Ehrenamt

Falsches Polizeiauto bremst Raser in Pankow

Der Verein „Buchholzer Sicherheit“ stellt einen „Einsatzwagen“ an den Straßenrand, um eine Gefahrenstelle zu entschärfen.

Vereinsmitglieder der "Buchholzer Sicherheit" wollen mit Einsatzfahrzeugen Präsenz zeigen und Kriminelle abschrecken

Vereinsmitglieder der "Buchholzer Sicherheit" wollen mit Einsatzfahrzeugen Präsenz zeigen und Kriminelle abschrecken

Foto: Screenshot

Berlin. Es ist beinahe so, als stünde hier ein Streifenwagen der Polizei. Immer dann, wenn der Verein Buchholzer Sicherheit seinen Kompaktwagen in blau-silberner Lackierung an die Böschung der Blankenfelder Straße stellt, gehen Autofahrer automatisch vom Gas – offenbar, weil die Vorüberfahrenden eine Geschwindigkeitskontrolle erwarten. Doch eine Radarpistole besitzt die selbst organisierte Schutztruppe aus Pankow keineswegs. Die Ähnlichkeit mit Dienstwagen von Ordnungsamt oder Polizei reicht für den gewünschten Effekt vollkommen aus.

Buchholzer Sicherheit nennt eigenen Einsatz „löblich“

Wie solche „Einsätze“ funktionieren, hat der Verein jetzt erstmals auf seiner Internetseite dokumentiert. Zu sehen ist ein VW, der direkt am Straßenrand zwischen Blankenfelde und Französisch Buchholz vor einem Tempo 30-Schild parkt. „Fährt man hier mit den vorgeschriebenen 30 km/h, wird man gedrängelt und überholt. Denn kaum jemand hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung auf dieser recht breiten, gut ausgebauten Straße. Wenn das BuSi-Auto dort hält, aber schon. Und zwar bereits ab ferner Sichtweite... Löblich!“ beschreibt die „BuSi“ ihre Selbstwirksamkeit.

-> Ein Foto von dem Auto verbreitete der "Verein für Sicherheit in Französisch Buchholz" bei Facebook.

In Reaktion auf den Artikel der Berliner Morgenpost stellte der Verein auf der Website klar, dass der Wagen dort nicht mit der Absicht gestanden habe, Raser zu verlangsamen. Der Grund war vielmehr, dass der Verein an der Stelle eine illegale Müllentsorgung entdeckt hatte. Um diese zu dokumentiere, habe man davon Bilder gemacht und dafür wiederum das Auto an der Einfahrt zum Acker abgestellt. Dem Fahrer seien auf dem Rückweg zum Auto sehr viele Wagen entgegen gekommen, die ungewohnt langsam gefahren seien, was offenbar an dem BuSi-Auto gelegen habe. Daraufhin sei ihm spontan die Idee für ein Bild in Kombination mit dem Verkehrsschild gekommen.

Dennoch habe das Halten dort eine präventive Wirkung gehabt, man werde aber keine Gewohnheit daraus machen, das könnten Polizei und Ordnungsämter besser.

Berliner Polizei hat kein Problem mit blau-silbernen Einsatzwagen

Tatsächlich akzeptiert die Berliner Polizei die Ähnlichkeit des „BuSi-Autos“ mit einem Streifenwagen, weil keine hoheitlichen Abzeichen aufgebracht sind, sondern ein eigenes Logo. Als Bürgerwehr sieht sich die Buchholzer Sicherheit nicht an, weil sie laut ihrem Selbstverständnis ausdrücklich keine hoheitlichen Aufgaben des Staats übernimmt. Zugleich handle es sich auch nicht um eine gewerbliche Sicherheitsfirma, stellt der Verein auf seiner Internetseite klar – die „BuSi“ betrachtet ihren Einsatz für die Sicherheit im Kiez als ehrenamtliches Engagement.

Wer die „Sicherheitsfahrten“ unterstützen will, kann dem Verein mit Spenden helfen. „Ziel des Vereins ist es, in Französisch Buchholz durch Prävention und Aufklärung Kriminalität zu verringern, das Sicherheitsgefühl der Einwohner zu stärken sowie die bürgerschaftliche Mitverantwortung und gegenseitige Hilfe zu fördern“, erklärt der Verein.

Verein gründete sich im Gasthaus "Zum Eisernen Gustav"

Auslöser für die Gründung sei die Störung des friedlichen Zusammenlebens durch Haus- und Wohnungseinbrüche sowie Diebstähle gewesen. So hätten sich im Oktober 2015 im Gasthaus „Zum Eisernen Gustav“ Freiwillige zusammengefunden, „weil es an der Zeit war, dem abnehmenden Sicherheitsgefühl durch gegenseitige Hilfe und Unterstützung zu begegnen“.

Linke und Grüne lehnen das Engagement ab

Rechtlich gesehen ist das Vorgehen völlig legal. Dass sich Bürger ehrenamtlich in einem Bereich engagieren, der den Angelegenheiten der Staatsgewalt nahe kommt, hat in der Vergangenheit aber deutliche Kritik ausgelöst. Linken-Politiker Wolfram Kempe, der Vorsitzende des Ordnungsausschusses der Bezirksverordnetenversammlung Pankow, nennt den ehrenamtlichen Streifendienst „schwer bedenklich“, weil der Verein eine Art von Hilfe suggeriere, die er nicht erbringen kann. Und die Pankower Grünen kritisieren, dass der Anschein erweckt wird, Französisch Buchholz sei ein unsicherer, kriminalitätsbelasteter Kiez. Das Gegenteil sei der Fall.