Anwohnerbeschwerde

Betriebshof der BSR in Pankow: Klagen über Lärm und Gestank

Die Anwohner sind genervt vom Rumpeln der Mülllaster auf dem Kopfsteinpflaster und von illegalen Müllhalden nach Torschluss.

Ein Anlaufpunkt für Müllwagen und private Entsorgungsfahrten in einem belebten Kiez: Dieses Konzept bereitet beim Pankower BSR-Betriebshof in Prenzlauer Berg immer wieder Probleme.

Ein Anlaufpunkt für Müllwagen und private Entsorgungsfahrten in einem belebten Kiez: Dieses Konzept bereitet beim Pankower BSR-Betriebshof in Prenzlauer Berg immer wieder Probleme.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Es ist ein Geräusch, das Gänsehaut verursacht: Ein Schaben des stählernen Containers auf Asphalt kündet davon, dass ein Lastwagen den Müllbehälter mit einem Haken vom Boden auf seine Ladenfläche zieht. Ein Klang, der sich kaum vermeiden lässt – und was für die Anwohner umso schwerer wiegt: Er wiederholt sich etliche Male am Tag.

Für die Nachbarn des Recyclinghofs der BSR in der Behmstraße in Prenzlauer Berg ist dies nur ein Teil des unliebsamen Konzerts, das ihnen die Ruhe raubt. Der Pankower Hof der Stadtreinigung gilt als größter und wichtigster Stützpunkt im Norden Berlins, dient als Anlaufstelle für Sperrmüll und Recyclinggüter – und er ist Teil eines dicht bebauten Innenstadt-Kiezes.

75 Mülllaster morgens um sechs Uhr

Welche Schwierigkeiten sich aus der zentralen Lage und der Nähe zu Gründerzeit-Blöcken ergeben, zeigt ein Beschwerdebrief, den die Anrainer nun der Berliner Morgenpost übersandten. „Jeden Morgen um punkt sechs Uhr fährt eine Kolone aus geschätzt 75 Müllabfuhrwagen mehr als geräuschvoll über die Kopfsteinpflaster, wodurch die Häuser starken Erschütterungen ausgesetzt sind. Die Lärmbelästigung über einen längeren Zeitraum ist kaum zumutbar und hat auch gesundheitliche Auswirkungen“, schreibt einer der Nachbarn, Igor Shvykov. Tatsächlich führt eine der beiden Zufahrten zum Hof über die Malmöer Straße, auf der grobes Pflaster die Lastwagen durchschüttelt.

Neben der akustischen Problemlage stört sich Shvykov auch an einer erheblichen Geruchsbelästigungen, „durch die man die Balkone im Sommer nur bei günstigem Wind nutzen kann und auch die Fenster kaum öffnen möchte“. Zu diesen Problemen kommt noch hinzu, dass sich nicht alle Recyclinghof-Besucher nach den Öffnungszeiten richten wollen – oder es nicht können. Nach Torschluss komme es häufig vor, dass viele Anlieger ihren Schrott einfach an der Mauer abladen, wodurch der Gehweg versperrt wird, beschweren sich die Nachbarn. Glas und Spiegel gingen dabei zu Bruch, was für Hunde und Kinder gefährlich sei.

BSR verweist auf Regeln für rücksichtsvolle Hofnutzung

Von der BSR hieß es auf Anfrage, dass es betrieblich notwendig sei, um sechs Uhr mit dem Betrieb zu beginnen, um die Auswirkungen von dichtem Verkehr zu vermeiden. Was das Kopfsteinpflaster der Malmöer Straße anbelangt, habe man bei den zuständigen Behörden angeregt, die Fahrbahn asphaltieren zu lassen und ein Tempolimit von zehn Kilometer pro Stunde einzuführen – dies sei aber nicht realisiert worden. Der Hof befindet sich in einem sogenannten Mischnutzungsgebiet. Die BSR halte besonders strenge Vorgaben für Immissionen ein, erklärte die BSR.

Wie Besucher des Hofs unliebsame Auswirkungen auf die Umgebung im dicht besiedelten Kiez vermeiden helfen können, ist auf mehreren Hinweisschildern am Tor ausgewiesen. So wird zum Beispiel gebeten, Autotüren leise zu schließen und die Abfälle behutsam in Container zu legen und nicht zu werfen.

Ohne Auflagen würden Lkw noch früher starten

Im Bezirksamt Pankow sind die Anwohnerbeschwerden lange bekannt. Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (für AfD) verweist darauf, dass die Abläufe auf dem Hof bei der Gründung in einem Genehmigungsverfahren genau festgelegt wurden, was nachträgliche Eingriffe in die Rahmenbedingungen schwierig gestaltet. „Aber wir konnten eine Auflage erteilen. Sie sieht vor, dass die Müllwagen auf dem Betriebshof erst ab sechs Uhr morgens losfahren dürfen“, erklärt Krüger. Andernfalls wäre eine noch zeitigere Lärmbelastung zu erwarten gewesen.

Ein „immerwährendes Problem“ nennt Krüger die illegale Entsorgung von Müll entlang der Mauer des Hofs. Es handle sich nicht unbedingt um Kunden der BSR, die außerhalb der Öffnungszeiten erschienen, sondern wohl eher um Besucher, die ihren Sperrmüll kostenlos entsorgen wollen und nachts neben die Tore werfen, meint der Stadtrat.

Ordnungsamt müsste nachts am Recyclinghof patrouillieren

Was viele nicht wissen: Obwohl der Müll dann direkt vor dem BSR-Betriebshof lagert, muss die Entsorgung erst umständlich über eine Kontaktierung des Pankower Ordnungsamts angefordert werden. Und so kann es dauern, bis die illegale Halde verschwindet.

Auch die BSR bewertet die Situation mit illegalem Sperrmüll vor dem Toren als „sehr schlecht“ und verweist darauf, dass man auf die Ordnungsbehörden angewiesen sei, um das Problem zu lösen. Sowohl das Ordnungsamt als auch die BSR weisen darauf hin, dass man Täter beim Ablegen von Müll persönlich überführen müsse. Dies gestalte sich in der Praxis schwierig.