Justiz

Motiv Spielsucht: Mann prellt Förderverein um Tausende Euro

Weil er Geld vom Konto eines Schul-Fördervereins für sich abzweigte, stand ein 42-Jähriger aus Pankow vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Der Eingang des Amtsgerichts Tiergarten mit dem Schriftzug des Gerichts und dem Berliner Wappen.

Der Eingang des Amtsgerichts Tiergarten mit dem Schriftzug des Gerichts und dem Berliner Wappen.

Foto: Taylan Gökalp / dpa

Vom äußeren Erscheinungsbild her erfüllt Martin S. das Klischee des superkorrekten Buchhalters. Sein Umgang mit einem von ihm verwalteten Konto eines Fördervereins in Pankow war jedoch alles andere als superkorrekt. Immer wieder zweigte der 42-Jährige Geld für sich ab. Wegen gewerbsmäßiger Untreue musste sich S. am Dienstag vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Weil er geständig war und bereits begonnen hat, den entstandenen Schaden in Raten zu begleichen, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.

34 Taten zwischen September 2014 und Dezember 2017 hat die Staatsanwaltschaft aufgelistet. Es waren immer nur ein paar Hundert Euro, die S. beiseiteschaffte und die sich schließlich zu einer Gesamtsumme von 13.000 Euro summierten. Geld, das rechtmäßig dem Förderverein der Pankower Kurt-Tucholsky-Schule gehörte. Die Anklage spricht von gewerbsmäßigem Betrug, S. habe sich eine Einnahmequelle von einiger Dauer verschafft.

Mandant verlor sich in der Welt der Automatenkasinos

Spielsucht nannte der geständige Angeklagte als Motiv. Ihr Mandant sei in das Milieu der Automatenkasinos einfach so hineingerutscht und habe nicht wieder herausgefunden, erklärte die Verteidigerin. Martin S. spielte und verlor, er spielte weiter und verlor weiter. Die Spielschulden des Bürotechnikers, der ein eher bescheidenes Einkommen erzielt, wuchsen und wuchsen.

S. suchte nach einer Lösung und fand sie in dem ihm anvertrauten Konto, auf das er Zugriff hatte. Und er hatte dabei die naive, fast irrwitzige Idee, das veruntreute Geld zurückzuzahlen von den Spielgewinnen, die doch irgendwann mal wieder kommen müssten. Selbstredend kamen sie nicht. Stattdessen kam ein anderes Vorstandsmitglied des Vereins auf die Idee, Kontoauszüge zu ziehen, etwas, für das normalerweise S. zuständig war.

Die ganze Sache flog auf, für Martin S. blieben die sofortige Entfernung von seinem Posten, Schulden und tiefe Scham, sprach sich doch schnell herum, was passiert war. Sofort danach begann S. eine Therapie, gespielt habe er er seither nicht mehr, beteuerte der sichtlich nervöse und verlegene Angeklagte vor Gericht.

Das Urteil: Zehn Monate auf Bewährung

28 Abhebungen am Bankautomaten räumte S. ein. Sechs Griffe in die Barkasse bestritt er. An die hätte jeder kommen können, argumentierte seine Verteidigerin. Richter Torsten Dube stellte das Verfahren zu den sechs Griffen in die Kasse ein. Es blieben 28 Automatenabhebungen und eine reduzierte Schadenssumme von 9000 Euro, von denen der Angeklagte knapp die Hälfte bereits zurückgezahlt hat.

Zehn Monate auf Bewährung lautete das Urteil. Damit sei S. „mit einem blauen Auge“ davongekommen, stellte Dube in seiner Urteilsbegründung fest. Dennoch, so der Richter, sei das Ganze eine „Riesensauerei“ gewesen, der Förderverein habe das Geld schließlich mühsam zusammengetragen. „Ich gehe davon aus, dass wir uns hier nicht wiedersehen“, verabschiedete Dube anschließend den Angeklagten.