Werbung an Hausfassaden

Haushoher Gruß an Helikopter-Eltern in Prenzlauer Berg

Ein Banner verhüllt ein ganzes Gebäude an der Danziger Straße. Easyjet ließ die Reklame extra für den Pankower Stadtteil entwerfen.

Fürsorgliche Eltern im Fokus: Dieses Werbebanner verhüllt ein ganzes Gebäude in der Danziger Straße - und der Slogan richtet sich explizit an Prenzlauer Berg.

Fürsorgliche Eltern im Fokus: Dieses Werbebanner verhüllt ein ganzes Gebäude in der Danziger Straße - und der Slogan richtet sich explizit an Prenzlauer Berg.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Auch Helikopter-Eltern will man beim Abheben behilflich sein. Diese Botschaft verkündet die Fluggesellschaft Easyjet derzeit auf einem fast 20 Meter hohen Banner. Es verhängt die komplette Fassade eines Gründerzeitaltbaus an der Danziger Straße in Prenzlauer Berg und wird nachts mit Scheinwerfern erleuchtet.

Art und Ort der ironischen Mitteilung sind kein Zufall, sondern Absicht. Wie Easyjet nun auf Anfrage bekannt gab, wurde die Reklame eigens für den Pankower Stadtteil entworfen – offenbar weil man Helikopter-Eltern als lokales Phänomen in Prenzlauer Berg begreift.

Metaphorische Anspielung auf Trends in der Erziehung

„Das aktuelle Kampagnenmotiv ist bis Ende September ausschließlich in Prenzlauer Berg zu sehen und wird auch für Printanzeigen in Berliner Familienmedien eingesetzt“, erklärt eine Sprecherin der Gesellschaft. Obwohl Pädagogen den Begriff Helikopter-Eltern oft im kritischen Kontext zur Beschreibung eines überfürsorglichen Erziehungsstils verwenden, will die Fluggesellschaft das Wort aber nicht als spöttischen Seitenhieb verstanden wissen.

Eigentlich ging es den Werbetextern eher um das Bild, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kinder fliegen können – nicht mit einem Hubschrauber, sondern mit einem Flugzeug. Als größte Airline in Berlin biete Easyjet auch für Berliner Familien ein attraktives Angebot, erklärt eine Sprecherin die Botschaft.

US-Psychologen prägten Begriff „Helicopter parents“ Anfang der 2000er

Die Beschreibung von Eltern, die ihre Kinder ständig begleiten, kontrollieren und antreiben und am liebsten mit einem Hubschrauber um sie kreisen würden, stammt ursprünglich aus dem amerikanischen Raum. Begriffe wie „Helicopter parents“ oder „Paranoid parents“ nutzten Pädagogen und Psychologen wie die Amerikanerin Wendy Mogel ab Anfang der 2000er-Jahre, um Probleme durch Überbehütung unter einem markanten Schlagwort zusammenzufassen.

Mogel geht davon aus, dass die übertriebene Präsenz von Eltern im Leben ihrer Kinder negative Folgen haben kann und die charakterliche Reifung verlangsamt oder ADHS begünstigt.

Baurecht ermöglicht Fassadenwerbung mit zeitlicher Begrenzung

An der Rechtmäßigkeit der großformatigen Reklame in Prenzlauer Berg bestehen keine Zweifel, erklärt Katrin Dietl von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Baugerüste dürften für Werbeanlagen mit dieser Größe höchstens für die Dauer von sechs Monaten genutzt werden. Eine so genannte Sondernutzungserlaubnis für öffentliches Straßenland hat das Bezirksamt Pankow erteilt. Beschwerden habe es bislang nicht gegeben, teilte eine Sprecherin mit.