Sportanlage

Neubau des Jahn-Stadions sprengt Zeitrahmen

Der Senat prüft die Verlegung einer Großveranstaltung, wenn sich die Neuerrichtung der Arena in Prenzlauer Berg verzögert.

Ausgedient: Das alte Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark steht vor dem Abriss.

Ausgedient: Das alte Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark steht vor dem Abriss.

Foto: Kay Nietfeld / pa / dpa

Pankow. Eine neue, hochmoderne Sportstätte mit einem Großereignis einzuweihen, das ist im Fall des Jahn-Stadions in Prenzlauer Berg ein ehrgeiziges Ziel. Hier soll die vorhandene Arena, die von der DDR vor 68 Jahren errichtet wurde, einem Neubau im gleichen Format weichen. Den Abriss hat der Senat für 2020 beschlossen, für den Nachfolgebau direkt am Mauerpark in Prenzlauer Berg liegen 160 Millionen Euro bereit.

Aber ob Berlin die Arena für 20.000 Besucher wie erhofft 2023 mit den Special Olympics eröffnen kann? Daran hat inzwischen selbst die Senatsverwaltung für Sport, die das Neubauprojekt vorantrieb, Zweifel. „Da eine Nutzung des großen Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark nur bei optimalem Bauablauf realistisch erscheint, prüft der Senat derzeit die Nutzung des Olympiaparks und alternativ des Mommsenstadions“, erklärt Staatssekretär Aleksander Dzembritzki in einer Auskunft auf die Anfrage des CDU-Abgeordneten Stephan Lenz. Die Leichtathletikwettkämpfe könnten alternativ im Hanns-Braun-Stadion des Olympiaparks ausgetragen werden, schlägt Dzembritzki vor. Diese Anlage brauche man dafür nur um zwei weitere Laufbahnen erweitern.

Nachbarn erwarten Verkehrsprobleme rund um das neue Stadion

Initiativen in Prenzlauer Berg wie der Bürgerverein Gleimviertel oder die Freunde des Mauerparks sehen sich durch diese Aussagen in ihrer Kritik bestätigt, dass der Beschluss zum Abriss und Neubau des Stadions im Jahn-Sportpark übereilt geschah. Zugleich sieht Alexander Puell von den Mauerpark-Freunden die Prognose einer Bauverzögerung als Chance. „Die Argumente für einen gemeinsames Planungsverfahren für den Mauerpark, die Max-Schmeling-Halle und den Jahn-Sport-Park liegen doch auf der Hand“, meint Puell. „Wenn die Terminkette zu den Special Olympics nicht mehr zu halten ist, sollte doch Zeit für ein geordnetes Planungsverfahren möglich sein.“

Bislang hatte der Senat ein Bebauungsplanverfahren für den Neubau des Stadions für überflüssig erklärt, weil der Nachfolgebau das gleiche Format haben wird der alte Bau. Durch das gekappte Verfahren lässt sich eine Bürgerbeteiligung abkürzen – das ärgert aber die Kiezvereine und das Bezirksamt Pankow, das auf die Planung kaum Einfluss hat. Alle Akteure möchten sich zum Thema Verkehr mit dem Senat beraten. Denn sie sehen in einem attraktiven neuen Stadion auch eine Gefahr: Es zieht weit mehr Besucher an als der marode Altbau. Und das sorgt für eine massive Zunahme des Verkehrs.