Verkehrsprobleme

Pankower rufen erneut zur Blockade gegen Lastwagen auf

Aktivisten planen zweiten Sitzstreik gegen Lkw binnen weniger Wochen. In Prenzlauer Berg soll eine Abkürzung für Autos verschwinden.

Ein typisches Bild in Niederschönhausen: Dieser 40-Tonner hat sich festgefahren und kommt erst nach langem Rangieren wieder frei.

Ein typisches Bild in Niederschönhausen: Dieser 40-Tonner hat sich festgefahren und kommt erst nach langem Rangieren wieder frei.

Foto: Thomas Schubert

Er kann nicht mehr vor und nicht mehr zurück. Sichtlich verzweifelt blickt der Fahrer eines Sattelschleppers durch seine Windschutzscheibe auf eine Wohnstraße, die keinen Platz lässt für 40-Tonner wie diesen. Aber sein Smartphone hat ihn auf der Suche nach der kürzesten Strecke quer durch Pankow offensichtlich hierhin gelotst.

15 Minuten wird es dauern, bis der Fahrer seinen polnischen Truck mit etlichen Rangiermanövern aus der engen Biegung befreit, während wartende Autos hupen. Alltag in der Wackenbergstraße in Niederschönhausen.

Holprige Straßen erhöhen Lautstärke zusätzlich

Zwischen gepflegten, vorstädtisch geprägten Wohnhäusern zwängen sich Tag und Nacht Lkw in Richtung der hiesigen Gewerbehöfe. Seit Jahren protestiert eine Anwohnerinitiative gegen eine enorme Belastung, die auch dem schlechten Straßenzustand geschuldet ist. Auf dem Kopfsteinpflaster werden die Lastwagen zusätzlich geschüttelt, was das Lärmproblem nochmals verschärft.

Jetzt ruft die Initiative am Donnerstag, 26. September, zum zweiten Sitzstreik in Niederschönhausen binnen weniger Wochen auf. Nachdem der Verein für Nachhaltige Verkehrsentwicklung in Pankow zuletzt die Friedrich-Engels-Straße blockierte, ist diesmal die Wackenbergstraße an der Reihe.

Teilnehmer sind aufgerufen, sich ab 17 Uhr an der Ecke Grumbkowstraße niederzulassen. Hier wie dort sind die Probleme die gleichen: Anwohner klagen über schwere Laster in Wohngebieten, die den kürzesten Weg in Richtung Autobahn oder zum Zielort suchen – und über zu wenig Engagement der Politik.

Nachbarn sollen Lkw-Fahrer mit Lärm erschrecken

„Liebe Nachbarn, bringt lärmende Gerätschaften mit“, ruft Klaus Fiessinger von der Bürgerinitiative gegen Verkehrs- und Gewerbelärm im Wohngebiet dazu auf, lautstark zu protestieren. Obwohl das Problem mehrfach auf der Tagesordnung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) stand, sei nichts bislang nichts geschehen.

Auch in der Gneiststraße in Prenzlauer Berg formiert sich Widerstand der Anwohner gegen eine zunehmende Verkehrsbelastung. Am Freitag, 20. September, nimmt eine Gruppe um Patrizia Flores von der AG Verkehr Bremer Höhe den internationalen Parking Day zum Anlass, um von 16 bis 18 Uhr erneut gegen zu viel Durchgangsverkehr im Helmholzkiez zu demonstrieren.

Anwohner in Prenzlauer Berg sehen Kinder in Gefahr

„Seit 15 Jahren bemühen sich Anwohner um eine Verkehrsberuhigung. Vor zwei Jahren wurde auch ein Antrag zur Verkehrsberuhigung von der BVV beschlossen. Unternommen wurde bisher wenig. Das Wohngebiet wird als Schleichweg von vielen Pendlern genutzt, um die Kreuzung Schönhauser Allee und Danziger-/ Eberswalder Straße zu umfahren“, beklagt Flores.

Dies führe dazu, dass Kolonnen von Fahrzeugen die engen Kopfsteinpflasterwohnstraßen als Route nutzten. Dadurch gebe es nicht nur „dicke Luft“, sondern sogar eine Gefährdung von Kindern, sagt die Anwohnerin.

Bei der letzten Demonstration am 4. Mai kamen rund 100 Anwohner und verwandelten die Gneiststraße in einen Spielplatz. Auch diesmal wird die Passage voll gesperrt.

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