Geschichte in Berlin

Der Mauerpark erhält einen neuen Eingang – mit Panzersperre

Die Grünanlage soll künftig an den Kalten Krieg erinnern. Es entsteht ein Gedenkort, der eine geschichtliche Sensation sichtbar macht.

Eine Panzersperre am Eingang des Mauerparks soll Besuchern von der Teilung Berlins erzählen. Ein Kran platzierte sie am Donnerstagmorgen im Boden.

Eine Panzersperre am Eingang des Mauerparks soll Besuchern von der Teilung Berlins erzählen. Ein Kran platzierte sie am Donnerstagmorgen im Boden.

Foto: Thomas Schubert / BM

Ein tonnenschwerer Steinblock mit rostigen Ansätzen von Stahlpfeilern – dieses Objekt am Eingang des Mauerparks an der Bernauer Straße kündet seit Donnerstagmorgen vom dunkelsten Kapitel dieses Ortes: der Teilung Berlins im ­Kalten Krieg. Genau dieser Steinblock diente einst als Panzersperre und unterband die Durchfahrt zwischen dem Berliner Osten und Westen. Jetzt soll er Teil eines Geschichtsorts werden.

Aufmerksamkeit bekam die Sperre erst 2017 durch die Bauarbeiten zum Stauraumkanal der Berliner Wasserbetriebe unter dem Park. Während der Maßnahme lagerte sie zum Schutz vor Beschädigungen in einem Depot. Jetzt rückte ein Kranwagen die Barriere wieder in der Nähe des Fundorts in Position.

Mauerpark in Berlin: Geschichtsort sll an Berliner Mauer erinnern

Sobald die Baustelle Ende des Jahres schließt, wird dieses Relikt besser sichtbar sein als vor der Eröffnung des Gewerks. Und damit nicht genug. Es wird sogar Teil eines neuen Geschichtsorts, der an die Berliner Mauer erinnert, die bis 1990 auf der Fläche des Mauerparks verlief. Dazu gehört eine geschichtliche Sensation. Laut Eva Stokmann von der Stiftung Grün Berlin soll am Parkeingang auch ein alter Fluchttunnel sichtbar werden, den die Berliner Wasserbetriebe bei ihren Grabungen ebenfalls entdeckt hatten.

Diesen Tunnel will die Gedenkstätte Berliner Mauer jetzt mit einer auffälligen, 80 Zentimeter hohen Einfassung aus rötlichem Stahl hervorheben und Parkbesuchern mithilfe von Tafeln erklären. „Es soll aber keine Rekonstruktion des Tunnels werden, sondern nur eine Nachzeichnung des Einstiegs“, kündigt Stokmann an. „Die Geschichte kristallisiert sich förmlich an dieser Ecke“, meint die Projektmanagerin. Auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) wertet die historische Präsentation im Mauerpark als Bereicherung für die „Erinnerungslandschaft“. Nirgends sonst entlang des Mauerstreifens sei ein Fluchttunnel so gut sichtbar zu machen.

Premiere der Erweiterung des Mauerparks auf 2020 verschoben

Um Platz zu schaffen für dieses Schaufenster, rückt der Eingang des Mauerparks an der Bernauer Straße um etwa acht Meter zurück. Wie zu Zeiten vor der Großbaustelle betritt man den Park künftig von der Bernauer Straße aber wieder über grobe Steinstufen, die den Höhenunterschied zwischen Grünfläche und Straße ausgleichen. Wie bei der ersten Gestaltung des Portals vor 25 Jahren nahm auch diesmal der Architekt Professor Gustav Lange das Projekt in die Hand. Trotz der historischen Relikte ­sollen Besucher laut Lange nach wie vor „eine heitere, freundliche Begrüßung erleben“.

Ob dieser Spagat gelingt? Alexander Puell, der Vorsitzende der Freunde des Mauerparks, hat da seine Zweifel. „Wir werden damit leben müssen, dass der Gedenkort wohl schnell kreativ umgestaltet wird“, spielt er auf die Abenteuerlust vieler Parkbesucher an. Das müsse man von vornherein wissen – denn dies sei vor allem ein Ort der Lebensfreude im Hier und Jetzt.

Seine Premiere feiert der neu gestaltete Haupteingang inklusive des Gedenkorts mit Panzersperre und Fluchttunnel-Markierung wohl im kommenden Frühjahr, wenn auch der Baumbestand hinter den Stufen wieder aufgeforstet ist. Kurz darauf erhalten auch die neuen Erweiterungsflächen des Mauerparks nördlich des bekannten Trödelmarkts die Freigabe von Grün Berlin. „Wir sind zu 95 Prozent fertig“, berichtet Eva Stokmann. Das heißt aber auch: Fünf Prozent fehlen. Und damit ist klar: Anders als geplant, wird die Mauerpark-Erweiterung nicht im November zum 30. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert. „Wir wollen lieber warten, bis im nächsten Jahr der ausgesäte Rasen sprießt“, begründet die Projektmanagerin den Verzug.

Ab dem kommendem Frühling erleben Berliner im sieben Hektar großen Erweiterungsgebiet dann eine mit Platanen gesäumte Promenade. Sie zieht sich künftig quer über das Gelände des Flohmarkts bis zur Lortzingstraße und führt zu einer Multifunktionsfläche mit Holzpodesten und zu einem weiteren Kinderspielplatz. Während das neue Areal bis auf Weiteres versperrt bleibt, erhält die „klassische“ Mauerpark-Fläche eine Kur. Bis zum Ende des Jahres werden die Berliner Wasserbetriebe alle Spuren der Großbaustelle im Park wieder beseitigen lassen. Vor allem die Kopfsteinpflasterstraße und Teile des Hangs hatten durch die Arbeiten Schaden genommen. Voraussichtlich bis Silvester liegen die Pflastersteine wieder akkurat im Boden.

Der neu gebaute Stauraumkanal selbst, der bei starken Regenfällen die Wassermassen aufnimmt, geht nach einem Probebetrieb im Februar oder März 2020 in Betrieb. „Davor werden wir ihnen testweise fluten“, erklärt Holger Tasler von den Wasserbetrieben. Dass es in der 654 Meter langen Röhre rauscht und gluckert, bekommt oben auf der Liegewiese aber niemand mit.