Erreger

West-Nil-Virus: Pankow warnt vor einer neuen Tierseuche

Der West-Nil-Virus bedroht Vögel und Pferde. Pankow rät zu Impfungen. Bei Menschen führt das Virus zu grippeähnlichen Symptomen.

Stechmücken der Gattung Culex übertragen den afrikanischen Virus auf Vögel und Säugetiere. Auch Menschen können erkranken.

Stechmücken der Gattung Culex übertragen den afrikanischen Virus auf Vögel und Säugetiere. Auch Menschen können erkranken.

Foto: Andreas Lander / dpa

Die Erkrankung verläuft in den meisten Fällen unsichtbar, kann aber Nervenschäden bewirken und im schlimmsten Fall zum Tod führen: das West-Nil-Virus, eine Tierseuche aus dem afrikanischen Raum, die Vögel und Pferde schädigt, hat Berlin erreicht.

Auch Menschen können sich infizieren und die Viren in sich tragen. Bei ihnen verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen harmlos. Es kann aber ähnlich wie bei einer Grippe zu Fieber mit abruptem Beginn kommen, das bis zu sechs Tage anhält. Besonders bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen führt das Virus in seltenen Fällen zu einem schweren Krankheitsverlauf mit einer Hirnhautentzündung.

Bis zu 50 Prozent der infizierten Pferde sterben

Als erster Bezirk hat Pankow nun Infektionsfälle bei Tieren in Berlin bestätigt, nachdem es im Sommer bereits in Sachsen-Anhalt zu einer Ausbreitung kam. „Das West-Nil-Virus wird über Stechmücken der Gattung Culex übertragen“, teilt der Bezirk mit. „Hauptsächlich sind Vögel betroffen, aber als Fehlwirt werden auch Menschen und insbesondere Pferde infiziert.“

Bei etwa acht Prozent der infizierten Pferde komme es zu neurologischen Symptomen, an denen etwa 30 – 50 Prozent versterben. Überlebende Tiere zeigten häufig dauerhafte Schäden. Das Pankower Veterinäramt empfiehlt deshalb allen Besitzern von Pferden, den Impfstatus ihrer Tiere zu überprüfen.

Toter Vogel in Pankow belegt Ausbruch der Seuche in Berlin

Auslöser für die Warnung an Pferdehalter war der Fund eines verendeten Wildvogels in Pankow, erläutert Amtstierarzt Dr. Lutz Zengerling. Eine Untersuchung habe jetzt ergeben, dass er tatsächlich vom tropischen Virus befallen war und wohl auch daran starb.

„Das wussten wir: das Virus ist in Berlin angekommen“, sagt Zengerling. Anders als bei Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest oder der Tollwut gibt es beim West-Nil-Virus allerdings keine tierärztliche Verordnung und keinen Sperrkreis, der vom zuständigen Bezirk um einen Fundort verhängt wird.

Denn die befallenen Wildvögel könne man so ohnehin nicht vom Weiterflug abhalten, betont Zengerling. Alle gemeldeten Pferdehalter habe das Bezirksamt Pankow schon angeschrieben und eine Impfung der Pferde empfohlen, die aber nicht gesetzlich vorgeschrieben ist.

Laut einer aktuellen Mitteilung des Friedrich-Loeffler-Institus sind seit Juni 2019 insgesamt fünf Fälle bei Pferden mit zentralnervösen Störungen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie 37 positive Befunde bei Vögeln aus den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen festgestellt worden.

Institut nennt Tierpark Friedrichsfelde als Ausbruchsort

Genaue Fundorte in Berlin will das Institut aus Datenschutzgründen nicht mitteilen und verweist auf die Veterinärämter der Bezirke. Betroffen sei aber unter anderem der Tierpark Friedrichsfelde, teilt Institutssprecherin Elke Reinking auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit.

Obwohl die Mückensaison zu Ende geht, sei eine Ausbreitung des West-Nil-Fiebers zu erwarten. „Die Fallzahlen insgesamt ändern sich derzeit täglich, so dass wahrscheinlich auch für Berlin noch mit weiteren Fällen zu rechnen ist“, erklärt Reinking.

Zoo-Mitarbeiter sollen Mückenschutzmittel auftragen

Zum Ausbruch der Seuche im Tierpark, den das Institut nennt, konnte der Zoo Berlin am Mittwoch auf Nachfrage keine Informationen geben. „Die Problematik ist uns bekannt, wir stehen dazu mit dem zuständigen Amtsveterinär in Kontakt“, sagte Sprecherin Katharina Marie Sperling. Und nannte eine besondere Schwierigkeit: „Für Vögel gibt es leider keinen Impfstoff auf dem Markt.“ Zoo- und Tierparkmitarbeiter habe man angewiesen, Mückenschutzmittel aufzutragen und geeignete Kleidung zu tragen.

Institut warnt vor „massiven Epidemien mit Todesfällen“

Ohne eine medizinische Untersuchung lässt sich keine Klarheit herstellen, ob ein Tier an der Seuche leidet. Äußere Anzeichen, die eine Erkrankung anzeigen, gibt es laut des Friedrich-Loeffler-Instituts in den meisten Fällen nicht.

Betroffen seien vor allem Wildvögel. Dabei sind bestimmte Arten, wie Rabenvögel, Greifvögel und Eulenarten besonders empfänglich für das Virus, „so dass es zu massiven Epidemien mit Todesfällen kommen kann.“ 2019 wurde die Krankheit bisher bei Meisen, Habichten, Sperlingen, Uhus sowie verschiedene Zoo-Vögeln wie Flamingos, Bartkäuzen, Gebirgsloris, Japanmöwen und Pelikanen nachgewiesen.

Symptome des West-Nil-Virus: Stolpern, Lähmung und Zittern

Wenn äußere Symptome auftreten, wirken Tiere oft apathisch und zeigen Bewegungsstörungen. „Auch bei Wirtschaftsgeflügel sind neurologischen Erkrankungen, die häufig tödlich enden, in der Literatur beschrieben“, heißt es in der Erklärung des Instituts. Menschen und Pferde gelten als so genannte Fehlwirte. Das heißt, sie können infiziert sein, ohne dass eine weitere Infektionsgefahr für die Umwelt von ihnen ausgeht.

„Einige Tiere reagieren mit deutlichen zentralnervösen Ausfallerscheinungen“, berichtet das Loeffler-Institut. „Zu den klinisch auffälligen zentralnervösen Störungen zählen Stolpern, Lähmungen, Ataxien, allgemeine Schwäche und Muskelzittern bis zum Festliegen der Tiere.“ Vogelhaltern, die ihr Geflügel in Volieren halten, empfehlen die Seuchenexperten, bei Todesfällen das zuständige Veterinäramt zu informieren oder zur Abklärung der Todesursache einen Tierarzt um Rat zu fragen.