Behördenposse

Berliner spotten über Buchstabenkontrolle in Bäckerei

Der Brotladen muss die Abkürzung Kilogramm klein schreiben. Ein Kritiker nennt das Vorgehen des Amtes „hochgradig schikanös“.

Der Bäcker Karsten Greve fühlt sich als Opfer eine Behördenposse.

Der Bäcker Karsten Greve fühlt sich als Opfer eine Behördenposse.

Foto: Thomas Schubert

Sowohl im Bäckergeschäft als auch in deutschen Amtsstuben gehört Genauigkeit zu den obersten Tugenden. Die Schilderung des Bäckers Karsten Greve über Kontrollen des Landesamts für Eich- und Messwesen Berlin-Brandenburg hat am Mittwoch nun aber Unverständnis und Spott ausgelöst.

Greve, der im Bötzowkiez den Laden „100 Brote“ betreibt, berichtet, dass er auf Weisung des Amts seine Preistafeln berichtigen musste. Dort waren die Gewichtsangaben der Brote bisher mit dem Kürzel „KG“ ausgewiesen.

Wegen der Gefahr, dass Kunden diese Angabe in Großbuchstaben mit den Abkürzung für Kelvin und Gauß oder dem Kürzel für die Gesellschaftsform Kommanditgesellschaft verwechseln, sei das aber nicht erlaubt. Weil ihm durch das Amt eine hohe Geldstrafe angedroht worden sei, schreibt Greve die Abkürzung für Kilogramm nun klein. Aber damit ist die Angelegenheit nicht zu Ende.

Ein Fall für eine Satire-Show

Florian Swyter, der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion will den Vorgang nicht auf sich beruhen lassen und nennt ihn „hochgradig schikanös“. Die Begründung, dass die Kilogrammangabe mit einer Kommanditgesellschaft verwechselt werden könne und darum kleingeschrieben werden müsse, gehöre in eine Satire-Show.

„Tatsächlich zeigt dieser Fall des Landesamtes für Eich-und Messwesen, dass die Berliner Verwaltung von einer serviceorientierten Dienstleistungskultur noch meilenweit entfernt ist. Statt Aufschriften und Eichstriche zu kontrollieren, sollte die Verwaltung echte Missstände, wie zum Beispiel Verstöße gegen Schwarzarbeit oder unerlaubte Abfallbeseitigung schnell und effektiv angehen.“, übt Swyter Kritik.

Morgenpost-Leser schreiben Witze über Kelvin und Gauß

Bei Facebook überboten sich Leser des Morgenpost-Berichts am Montag und Dienstag mit witzigen Kommentaren. Sie bezogen sich dabei auf die großgeschriebene Abkürzung für Kilogramm, die laut des Messamts angeblich zur Verwechslungsgefahr führe. „Ich hätte gern eine Kommanditgesellschaft! – Geschnitten oder am Stück?“, stellte eine Frau ein Verkaufsgespräch nach. „Ich hätte gerne 2 Kelvin Kartoffelbrot und 3 Gauß Brezeln“, schrieb eine andere.

Senatsverwaltung will sich mit Messamt unterhalten

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, der das Landesamt für Messwesen untersteht, beschreibt den Vorgang anders als der Bäcker. „Es gab laut des Amts weder im vergangenen Jahr noch in diesem Jahr eine bußgeldrechtliche Verfolgung und keine Ahndung wegen eines solchen Verstoßes“, kommentiert eine Sprecherin die Schilderung von Greve.

Den Mitarbeitern des Messamts gehe es aber tatsächlich darum, die Nutzer von Messgeräten und Gewerbetreibende über die ordnungsgemäße Kennzeichnung zu informieren. Sie sollen dann Gelegenheit haben, die Mängel bei der Kennzeichnung abzustellen – ohne Strafe.

Zugleich kündigt die Senatswirtschaftsverwaltung an, sich „mit dem Messamt über die Verhältnismäßigkeit und Auslegung des Bundesgesetzes zu unterhalten. Wir wollen, dass unsere Gewerbetreibenden unbürokratisch und rechtssicher ihrer Arbeit nachgehen können“, stellt die Sprecherin klar.

Bäcker fordert 50 Cent zurück

Bäcker Karsten Greve gibt noch ein weiteres Detail der Behördenposse preis. Allein dafür, dass es beim Kontrollgang Beanstandungen gab, stellte das Landesamt Greve eine Gebühr von 50 Euro in Rechnung. Irrtümlich überwiese er aber 50 Euro und 50 Cent. Und wartet seitdem auf eine Rückzahlung. Denn das Landesamt für Eich- und Messwesen mag für Abkürzungen und Waagen zuständig sein - aber für Probleme mit der Abrechnung nicht.