Gründächer in Berlin

Kleingärten müssen Turnhalle weichen: Kommen sie aufs Dach?

Kleingärtner der Anlage Bornholm legen einen ungewöhnlichen Plan zur Rettung ihrer Parzellen vor, die einer Sporthalle weichen müssen.

So stellen sich Kleingärtner der Kolonie Bornholm II die neue Grünanlage auf dem Dach der Turnhalle vor.

So stellen sich Kleingärtner der Kolonie Bornholm II die neue Grünanlage auf dem Dach der Turnhalle vor.

Foto: Kleingartenkolonie Bornholm II / BM

Berlin. Wenn in der Kleingartenkolonie Bornholm II nahe des S-Bahnhofes Bornholmer Straße demnächst Dutzende Lauben zugunsten einer neuen Turnhalle weichen müssen, dann werden die Gärten in abgewandelter Form womöglich erhalten bleiben. Die Kleingärtner haben ein ungewöhnliches Konzept nach dem Motto „sowohl als auch“ vorgelegt. In Prenzlauer Berg, das zeigen erste Bilder, könnte ein ganz besonderes grünes Dach entstehen.

Auf der neuen Turnhalle, die das Bezirksamt Pankow zur Erweiterung der benachbarten Bornholmer Grundschule benötigt, planen die Kolonisten einen großen Gemeinschaftsgarten. Nicht nur eine Computersimulation haben die Gärtner schon ausgearbeitet, sondern auch einen Finanzierungsplan, den sie dem Bezirk unterbreiten wollen.

Kolonie begrüßt den Bau der Turnhalle

Das Pankower Schul- und Sportamt soll demnach eine Förderung aus dem Programm „Green Roof LAB“ beantragen und so die Kosten für die Dachbegrünung decken. Anders als in manch anderen Fällen in Berlin wollen die Gärtner der Kolonie Bornholm II ausdrücklich nicht in eine Verhinderungshaltung verfallen und begrüßen den Bau der Turnhalle auf ihrem Grund. „Kinder müssen sich bewegen, Spiel und Sport sind für ihre gesunde Entwicklung unabdingbar“, schreiben sie in ihrem Konzept.

Anlehnung an die Bewegung „Fridays for Future“

Zugleich müsse man anerkennen, dass sich viele Schüler bei der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ engagieren. „Jede Grünanlage zählt bei der Verbesserung der ökologischen Lebensqualität für Mensch und Tier“, heißt es zur Begründung des Vorschlags, die verlorenen Gärten auf dem Dach zu ersetzen. „Wir fordern ein Umdenken bei der künftigen Bauplanung in Berlin.“

Schafe grasen auf Berliner Dächern

Dass Dächer von großen Gebäuden ökologisch genutzt werden, liegt in Berlin im Trend. Selbst Tiere sind in luftiger Höhe anzutreffen, wie sich an mehreren Beispielen zeigt. So lässt das Einkaufszentrum Wilmersdorfer Arcaden in Charlottenburg regelmäßig seine Dachbegrünung von Schafen stutzen. Ganz in der Nähe der Kleingartenkolonie Bornholm II waren in diesem Sommer Schafe auf der Max-Schmeling-Halle im Einsatz, um auch dort den Bewuchs auf natürliche Weise zu kürzten.