E-Scooter in Berlin

Wer seinen E-Scooter korrekt abstellt, bekommt Rabatt

Der Anbieter Circ und die Berliner FDP testen 50 Scooter in Weißensee. Wer sie korrekt abstellt, wird automatisch belohnt.

Circ-Chef Max Hüsch (l.), Sebastian Czaja und Florian Swyter (r.) von der FDP starten zur Jungfernfahrt der E-Scooter in Weißensee.

Circ-Chef Max Hüsch (l.), Sebastian Czaja und Florian Swyter (r.) von der FDP starten zur Jungfernfahrt der E-Scooter in Weißensee.

Foto: Thomas Schubert

Der Antonplatz an Montagmorgen. Über Nacht ist der Mittelpunkt von Weißensee zum Versuchsfeld mutiert. Am Tag zuvor war auf der Fläche vor dem Kino Toni noch alles kahl. Heute stehen hier elektrische Tretroller aufgereiht und ausleihbereit, orange-schwarz lackiert und regennass. Es ist nur die Vorhut. Rund 50 E-Scooter will der Berliner Leihanbieter Circ auf neuem Terrain erproben. Weißensee ist seit Montag der erste Standort für E-Tretroller außerhalb des S-Bahnrings. Und wenn der Test gelingt, könnte „die letzte Meile“, die Circ-Chef Max Hüsch genau wie seine Mitbewerber von Tier, Lime, Bird und Voi gerne erobern möchte, auch ganz weit draußen liegen.

Verändertes Konzept zum Abstellen der E-Scooter

Der Pankower FDP-Abgeordnete Florian Swyter wird bereits konkret. „In Blankenburg würde der Heimweg vom S-Bahnhof zum alten Ortskern nur noch fünf Minuten dauern“, sagt Swyter zur Premiere. Tatsächlich stützt sich die Mobilität in diesem Pankower Ortsteil derzeit auf störanfälligen Buslinien, die Anwohner vom S-Bahnhof in Richtung des alten Ortskerns befördern. Dort könnten Roller eines Tages vielleicht auch ein neues Stadtviertel erschließen helfen: den Blankenburger Süden mit bis zu 6000 Wohnungen.

Aber noch liegt die Aufmerksamkeit auf Weißensee. Und bereits hier betritt Circ, unterstützt von der Berliner FDP, Neuland. Nicht nur territorial, sondern auch konzeptionell. Denn die Roller sollen vor allem an den größeren Straßenbahnhaltestellen auf ihre Nutzer warten, um beim Zurücklegen der letzten Meile bis zur Haustür behilflich sein. Dafür richtet Circ an wichtigen Punkten Parkzonen für die Roller ein – wie diejenige am Antonplatz.

50 Cent Rabatt für korrekt abgestellte E-Roller

An diesen Orten werden die E-Roller, die über Nacht von Mitarbeitern zum Aufladen eingesammelt wurden, wieder aufgestellt. So wirkt man dem Phänomen entgegen, dass die Vehikel unkontrolliert abgestellt und als Stolperfalle empfunden werden. „Wir wollen unseren Kunden entgegenkommen und Nichtnutzer vor falsch geparkten Scootern schützen“, erklärt Circ-Chef Max Hüsch. Wer den Roller aufrecht parkt und keine Wege zustellt, bekommt sogar Rabatt in Höhe von 50 Cent.

Über die korrekte Parkposition und die Gutschrift entscheidet ein Sensor innerhalb des Rollers. Mit Hilfe der so genannten „Geofencing“-Technologie lässt sich die Position genau erfassen. Für FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja ein sinnvolles Model – „es setzt auf Vernunft und nicht auf Verbote“. Dass E-Roller nun außerhalb des S-Bahnrings zum Einsatz kommen, scheint ihm Konsequent. „Zwei Drittel der Berliner leben außerhalb des S-Bahnrings“, erinenrt Czaja. „Die Stadt endet nicht hier, sondern erst an der Grenze zu Brandenburg“

Keine Abstellmöglichkeit im Park am Weißen See

Doch gewisse Grenzen gibt es auch innerhalb des Geschäftsgebiets. So lassen sich die Roller zum Beispiel im Park am Weißen See nicht abmelden, obwohl es sich um den beliebtesten Ausflugsort im Ortsteil handelt – „weil wir die Roller aus den Büschen holen müssten“, wie Hüsch befürchtet. Nicht nur das Gutschriftsystem soll für einen rücksichtsvollen Einsatz der Roller werben, auch Instruktoren vermitteln Nutzern in Weißensee den Umgang.

Eine weitere Neuerung des Pilotprojekts braucht aber noch eine politische Mehrheit. So fordert die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus eine Freigabe von „toten Verkehrsflächen“ auf Straßen als Abstellorte für Scooter – wie die Fünf-Meter-Räume an Kreuzungen. Sie sind für das Parken von Autos Tabu, könnten aber als Sammelorte für die kleinen, filigranen Scooter, die an Kreuzungen keine Sichtbehinderung darstellen würden, sinnvoll sein.

Evaluation des Pilotprojekts nach zwei Monaten

Ob sich die besondere Mühe auszahlt, soll sich bis November zeigen. Dann wird das Pilotprojekt nach zwei Monaten Laufzeit ausgewertet und gegebenenfalls angepasst. Womöglich verschiebt sich dann auch die Grenze des Weißenseer Geschäftsgebiets – bislang liegt sie am Darßer Bogen, einer eher dünn besiedelte Gegend mit viel Gewerbe. „Was wir jetzt sehen wollen ist, inwiefern die erste und letzte Meile von und zum ÖPNV auch in den Außenbezirken genutzt wird“, erklärt Hüsch. Und dann? „Für uns sind in Berlin prinzipiell alle Gebiete interessant. Wir kommen dahin, wo wir willkommen sind“, sagt der Circ-Chef. Wie willkommen ihnen die Scooter sind, das entscheiden die Weißenseer nun selbst.